100 Tage Nichtraucherschutzgesetz

Raucher bleiben unter sich

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Eine Umfrage des Hotel- und Gaststättenverbandes unter Wirten in der Region Düsseldorf zeigt, dass das Nichtraucherschutzgesetz die Gästegruppen trennt. Nichtraucher steuern vor allem Restaurants an, Raucher gehen in Kneipen. Die Umsätze leiden unter der Entwicklung. Das Nichtraucherschutzgesetz ist seit 100 Tagen in Kraft und hat die Restaurant- und Kneipenlandschaft in Düsseldorf und Umgebung drastisch verändert. Nichtraucher müssen sich beim Ausgehen nicht mehr um ihre Gesundheit sorgen, aber dafür müssen sie oft auf die Gesellschaft ihrer rauchenden Freunde und Bekannten verzichten. Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) unter Gastwirten des Großraums Düsseldorf zeigt, dass Raucher unter sich bleiben – in Raucherräumen, Raucherkneipen, Raucherclubs oder vor den Türen der Läden, die neuerdings ein Rauchverbot verhängt haben.

Die Restaurants der Region sind weitgehend qualmfrei. In 97 Prozent der „speise-orientierten“ Gastronomiebetriebe ist Rauchen entweder verboten (41 Prozent) oder nur in einem dafür eingerichteten Raum erlaubt (56 Prozent). „Je größer die Speisekarte, desto seltener den Qualm. So scheint es von den Gästen gewünscht zu sein“, sagt Dehoga-Sprecher Thorsten Hellwig. Auch die umgekehrte Schlussfolgerung stimmt nach der Umfrage. Drei Viertel der „getränke-orientierten“ Betriebe sind entweder Raucherkneipen (40 Prozent) oder Raucherclubs (35 Prozent).

Diese Entwicklung ist schon eingetreten, obwohl der NRW-Landtag das Nichtraucherschutzgesetz noch einmal überarbeiten muss. Das Bundesverfassungsgericht fordert in seinem Urteil vom 30. Juli bis Ende nächsten Jahres Regelungen zu treffen, die entweder ein absolutes oder ein relatives Rauchverbot festlegen. Bei einem relativen Verbot müssten Ausnahmen gleichermaßen für Raucherclubs und Raucherkneipen (ein Raum, maximal 75 Quadratmeter) gelten. Die Ausnahmen in NRW galten bisher nicht für Raucherkneipen.

Neben der Geselligkeit leiden offenbar auch die Umsätze unter der Entwicklung. „Wir haben festgestellt, dass die Zahl der Gäste konstant bleibt, diese aber nicht mehr solange im Restaurant bleiben“, erklärt Dehoga-Sprecher Hellwig. „Die Leute gehen nach dem Essen schneller, um draußen oder woanders zu rauchen.“ Deshalb klagten bei einer weiteren Umfrage des Verbandes 36 Prozent der Wirte, dass ihre Umsätze seit dem 1. Juli zurückgegangen sind. Hellwig warnt allerdings davor, das Nichtraucherschutzgesetz als einzige Ursache der Einbußen zu sehen.

In der Düsseldorfer Altstadt wird die Umfrage auf wenigen Metern bestätigt. Dort liegt rauchfreie Kneipe neben Kneipe mit Raucherraum neben Raucherclub – je nachdem, wie stark sich der jeweilige Betrieb aufs Essen konzentriert. „Wir machen 30 bis 40 Prozent unseres Umsatzes mit Essen. Da kam ein Raucherclub für uns nicht in Betracht“, sagt Cwalina Violetta, Chefin der rauchfreien „Uel“.

Solange die Temperaturen oder Heizpilze es ermöglichen, suchen rauchende „Uel“-Gäste draußen einen Platz, die Nichtraucher gehen rein. Deshalb überlegt die „Uel“-Chefin bereits, die Konzession für die Terrasse über Ende Oktober hinaus verlängern zu lassen. Für die kalten Monate fürchtet Cwalina Violetta dennoch um die Gemütlichkeit. „Dann laufen die Raucher mehr rein und raus.“

Probleme, die im „Füchschen“ nicht drohen. Die Brauerei hat in ihrem Wintergarten einen Raucherraum eingerichtet. Die bisherige Erfahrung zeigt: Wer essen will, bleibt im Gastraum vorne, wer vorrangig Lust auf Alt hat, geht nach hinten durch. Gäste, die zu Stoßzeiten vorne keinen Platz finden, weichen bisher nicht in den Dunst aus. Und Gäste, die nach dem Essen nach hinten wechseln wollen, stoßen meist auf wenig Begeisterung bei den Köbessen.

„Uerige“-Baas Michael Schnitzler bestätigt und ergänzt die Dehoga-Umfrage. Die Gäste reagieren überwiegend positiv darauf, dass der Gastraum nun rauchfrei und der Innenhof ein Raucherraum ist. Als erfreuliche Beobachtung kommt eines hinzu: „Sowohl unter den Gästen als auch bei den Mitarbeitern gibt es merklich weniger Raucher als bisher“, sagt Schnitzler.

TONIGHT: Rauchverbot in Clubs und Kneipen TONIGHT: Rauchverbot in Clubs und Kneipen TONIGHT: Rauchverbot in Clubs und Kneipen TONIGHT Rauchverbot in Clubs und Kneipen 13 Fotos Altstadt: Rauchverbot: Wirte ziehen Bilanz Altstadt: Rauchverbot: Wirte ziehen Bilanz Altstadt: Rauchverbot: Wirte ziehen Bilanz Altstadt Rauchverbot: Wirte ziehen Bilanz 5 Fotos Drastische Folgen: Anti-Raucher-Kampagnen: Schock-Fotos weltweit Drastische Folgen: Anti-Raucher-Kampagnen: Schock-Fotos weltweit Drastische Folgen: Anti-Raucher-Kampagnen: Schock-Fotos weltweit Drastische Folgen Anti-Raucher-Kampagnen: Schock-Fotos weltweit 7 Fotos Panorama: Leserstimmen zum Raucherurteil Panorama Leserstimmen zum Raucherurteil 1 Foto

Quelle: rpo