Aktion gegen zu laute Disco-Musik

Politiker fordern DJ-"Führerschein"

Aktion gegen zu laute Disco-Musik: Politiker fordern DJ-"Führerschein" Aktion gegen zu laute Disco-Musik: Politiker fordern DJ-"Führerschein" Foto: djsilence.de

Düsseldorf / Berlin (dto). Jedem zehnten Jugendlichen drohen laut Expertenmeinung dauerhafte Hörschäden. Ein Grund dafür ist laut Experten die laute Musik in Discotheken, wo zum Teil 102 Dezibel und mehr gemessen worden seien. Ein spezielles Schallmessgerät, dass am Montag in Berlin vorgestellt wurde soll nun Abhilfe schaffen. Das Gerät zeigt dem Discjockey ähnlich wie eine Ampel die Dezibelwerte an. Für DJs wird ein so genannter "DJ-Führerschein" angeboten. die Düsselfer clubs und DJ sind sketisch, machen sich aber auch Gedanken.

Dabei setzen die Politiker auf eine freiwillige Einsicht der Discobetreiber und DJs, sagte die Berliner Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner bei dr vorstellung des Gerätes. Sollte es bis Jahresende in Deutschlands Clubs nicht leiser geworden sein, seien gesetzliche Maßnahmen geplant. "Die Gesundheitsministerkonferenz der Länder hat im vergangenen Jahr beschlossen, dass der Wert von 100 Dezibel an der lautesten Stelle einer Discothek nicht überschritten werden darf", erklärte Knake-Werner.

In den großen Diskotheken der Region werden bereits technische Lautstärkebegrenzer eingesetzt. Dennoch wollen viele Betreiber die DJs nicht gängeln. Frank Klement vom Neusser Tribehouse möchte nicht in die "künstlerische Freiheit" der DJs eingreifen, denn die Clubmusik "lebt von der Lautstärke". Tom Rameil von der Düsseldorfer Nachtresidenz findet, dass "laut nicht gleich laut ist" und spielt auf die Unterschiede von hohen, mittleren und tiefen Frequenzen an.

Kay Schlossmacher von der Harpune hält nichts von solchen Pegelmessungen, denn die Leute würden ja nicht die ganze Nacht an der Tanzfläche oder an den Boxen stehen und sich im Club bewegen. Dem schließt sich auch Grein und Klement an. Die Tanzfläche müsse weiter ein lautstarkes Klangzentrum ohne Limits bleiben.

Nur mit "Führerschein" an die Plattenteller?

Der Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe fordert, nur noch DJs an die Plattenteller zu lassen, die den "Führerschein" haben. Der Berufsverband Discjockeys unterstützt das. "Diskjockeys haben kein richtiges Berufsbild. Da ist so ein Seminar sehr hilfreich", sagte Präsident Dirk Wöhler. Deutschlandweit haben bis jetzt schon 1.500 Diskjockeys an solch einer Weiterbildung mit Abschlussprüfung teilgenommen.

Michael Grein, der Betriebsleiter des 3001 im Medienhafen, hat seinen Residents und auch denen der Harpune und des mk-2 bereits einen DJ-Führerschein machen lassen. Er meint aber dennoch, der schwarze Peter werde einseitig den Diskotheken zugeschoben, denn es gebe noch viele andere Lärmquellen, die bei Jugendlichen das Gehör schädigen würden, etwa zu laute Walkmen und mp3-Player.

Quelle: rpo