Andy Vaz

Weltenbummler des Techno

Andy Vaz: Weltenbummler des Techno Andy Vaz: Weltenbummler des Techno Foto: Robin Roy/Background
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Düsseldorf (RP). Düsseldorf war einst Hauptstadt der elektronischen Musik. Und noch immer versuchen einige Aufrechte, diesen Ruf zu verteidigen. Einer von ihnen ist Andy Vaz, der seine Minimal-Musik derzeit in den USA präsentiert. Mit „Background Records“ betreibt Vaz von der Oberbilker Straße aus zudem ein Label für zukunftsweisende Klänge.

Andy Vaz’ musikalische Biografie zeigt so schön, wie sehr einen die Begeisterung für eine Sache bewegen kann. Der 30-Jährige wuchs in Bochum auf. Dort hörte er mit 15 auf dem Schulhof zum ersten Mal eine Musik namens Techno. Da war es um ihn geschehen. Seine Eltern zogen mit ihm nach Düsseldorf. Von dort fuhr er mit der Bahn nach Essen, um bei „Importen“ diese Platten zu kaufen: Kaum Infos auf dem Cover, aber in den schwarzen Rillen Musik, die ihn rasend machte.

Zur gleichen Zeit entdeckte er die Disco „Planet“ in Bochum, und vielleicht wurde er damit endgültig zum Musiker, denn er traf dort die Techno-Legenden Jeff Mills und Derek May und berichtet, „die haben für mich die Welt neu erfunden“.

Andy Vaz ist heute 30 und weltweit bekannt für seine technoide Minimal-Musik. Er tourt zurzeit durch die USA; während einer Reihe von Auftritten in Japan lernte er seine Freundin kennen - eine Neuseeländerin, die in Berlin lebt. Nach zwei Live-Aufnahmen aus Tokyo und Detroit sowie mehreren Maxi-Singles veröffentlichte er gerade sein erstes Studio-Album: „Repetitive Moments last forever“.

Mit „Background Records“ betreibt Vaz von der Oberbilker Straße aus zudem ein Label für zukunftsweisende Klänge, das soeben seine 50. Veröffentlichung seit 1997 feierte. Zu hören sind darauf internationale Elektro-Künstler wie der Südafrikaner Portable, die Minimal-Techno technisch perfekt und mit regionaler klanglicher Färbung interpretieren.

Andy Vaz lebt für die Begeisterung, die ihn durch die Hälfte seines Lebens trug. Und - das freut die Eltern - er lebt auch ganz gut von ihr. Sowas macht glücklich, entsprechend ausgeglichen wirkt Vaz im Gespräch. Er schwärmt gerne. „Meine Helden sind Theo Parrish und Jan Jelinek“, sagt er, und der für seine tiefen, schwarzen Stücke bekannte House-Musiker aus Detroit und der eher kopflastige Elektro-Frickler aus Berlin rahmen das Werk von Vaz sehr treffend.

Es geht ihm in seiner Musik um den Moment. Auf einem rhythmischen Muster aus Drums und Bass liegen verschiedene Schichten sich stets wiederholender Sounds. Das Ganze kreist und windet sich bis zum Augenblick größtmöglicher suggestiver und körperlicher Wirkung. Vor allem live, mit Lichteffekt und viel Raum und einer Menge Leute, ist das ein Erlebnis.

Apropos live. Vaz vermisst den „Ego“-Club, der bis vor wenigen Jahren die Meister des Genres nach Düsseldorf lockte. Carsten Nicolai alias Alva Noto spielte dort, Kit Clayton und Jeff Milligan. Nun gibt es in der Stadt von „Kraftwerk“ eigentlich nur noch den „Salon des Amateurs“ in der Kunsthalle.

Und eben dort in der Bar spielte kürzlich Theo Parrish, einer der Vazschen Helden. „Der Auftritt dauerte von 23 bis 8 Uhr“, schwärmt Vaz. „Er war so laut, dass es weh tat.“ Es klingt, als könnte ihn seine Begeisterung noch lange weitertragen.

Neue Platten von Vaz

Das erste Studio-Album von Andy Vaz heißt „Repetitive Moments last forever“ und ist auf Persistencebit Records erschienen.

Der Sampler „Background 50“ versammelt Musiker, die Vaz’ Label „Background Records“ bekannt gemacht haben: Terrence Dixon, Pascal Schäfer, DB.

Quelle: rpo