Anklage gegen Ex-Angestellte

Millionenschwindel im Brauhaus Schlüssel?

Anklage gegen Ex-Angestellte: Millionenschwindel im Brauhaus Schlüssel? Anklage gegen Ex-Angestellte: Millionenschwindel im Brauhaus Schlüssel? Foto: RP/Andreas Bretz
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Gegen drei ehemals leitende Angestellte der Altstadt-Brauerei "Zum Schlüssel" hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage beim Landgericht erhoben. Dem Trio wird Untreue in Millionenhöhe zu Lasten der Firma vorgeworfen.

Rund vier Jahre lang sollen drei Betriebsleiter der Hausbrauerei "Zum Schlüssel" an der Bolkerstraße an ihrem Arbeitsplatz heimlich in ihre eigenen Taschen gewirtschaftet haben. Durchschnittlich eine Viertelmillion Euro jährlich schaffte das Trio bei der Abrechnung der Tageseinnahmen der Köbesse angeblich auf die Seite. In 1256 Fällen der Untreue sei es zu einem Gesamtschaden von rund 1,1 Millionen Euro gekommen. So steht es jetzt in der Anklage gegen die 34 bis 42 Jahre alten Ex-Angestellten, über die nun das Landgericht zu entscheiden hat. Ob und wann es zum Prozess kommt, ist aber noch offen.

Vom Kellner hochgearbeitet

Die drei hatten weitreichende Vollmachten über den Gastronomiebereich des Traditionsbrauhauses in der Altstadt, über die Mitarbeiter und über deren Bargeldabrechnungen, die allabendlich anstanden. Jeder der drei Angeklagten trug laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft den Titel als "Betriebsleiter", der Jüngste von ihnen (34) hatte sich innerhalb des Brauhauses einst sogar vom Kellner bis zum Betriebsleiter hochgearbeitet. Und je nach Schichteinteilung musste immer einer der Angeklagten abends mit den Köbessen abrechnen. Dabei soll es zu 1256 Unregelmäßigkeiten gekommen sein mit einem Millionenschaden. Jeder der drei konnte nur so agieren, weil er eine Vertrauensstellung innerhalb der Brauerei hatte.

Die Kellner mussten abends nämlich ihre Kassenbons vorlegen und ihre Bargeldeinnahmen. Erst nach der Prüfung und Abrechnung sämtlicher Köbesse sollen die beschuldigten Betriebsleiter, so die Anklage, dann erhebliche Beträge ins Minus gebucht haben. Um das zu verschleiern, sollen sie danach handschriftlich falsche Tagesberichte mit geringeren Einnahmen der Köbesse angefertigt – und nur diese manipulierten Zahlen an die Geschäftsleitung weitergegeben haben. Die künstlich geschaffene Bargeld-Differenz sei dann in den Taschen der Betriebsleiter verschwunden – zwischen Juli 2005 und Juni 2009 in 1256 Fällen.

Aufgeflogen ist der angebliche Millionenschwindel, als die Geschäftsleitung im Laufe der Zeit merkte, dass die Menge der eingesetzten Waren nicht mehr zu den zu erwartenden Umsätzen passte. Vorsichtig begann man betriebsintern mit Ermittlungen, kam aber zuerst nicht auf das "Leck". Erst der Hersteller des Kassensystems konnte schließlich nach wochenlanger Prüfung die Manipulation aufdecken. Schlüssel-Inhaber Karl-Heinz Gatzweiler bestätigte gestern die Aussagen und sprach von einem schmerzlichen Vertrauensverlust.

Keiner der drei Tatverdächtigen hat die Vorwürfe bisher eingeräumt. Ob das Landgericht die Anklage in der vorliegenden Form zulässt und wann darüber verhandelt werden könnte, steht derzeit noch nicht fest.

Untreue

Bis fünf Jahre Haft oder Geldstrafe werden bei Untreue (§ 266 StGB) fällig. Anders als beim Betrug (§ 263 StGB), der von der Täuschung des Opfers ausgeht, wird Untreue erst durch Missbrauch einer besonderen Vertrauensstellung möglich. Untreue liegt nur dann vor, wenn ein Täter befugt war, über fremdes Vermögen zu verfügen, aber diese Befugnis verletzt und dadurch einen Schaden verursacht.

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Quelle: rpo