Anwohner gegen "Coyote Ugly"

Kampf um die Andreasstraße

Anwohner gegen "Coyote Ugly": Kampf um die Andreasstraße Anwohner gegen "Coyote Ugly": Kampf um die Andreasstraße Foto: rpo, Christian Kurth

In den Räumen des früheren „Czikos“ wird kräftig gehämmert - eine Genehmigung für die freizügige Bar „Coyote Ugly“ gibt es aber noch nicht. Während die Junge Union das Etablissement unterstützt, gehen Anwohner und Politiker dagegen auf die Barrikaden.

Die Andreasstraße in der Altstadt ist voll mit Geschichten und Geschichte: Sie beginnt mit der Kunsthalle, führt am Kommödchen vorbei zur ehemaligen Hofkirche, in der auch Jan Wellems Gebeine liegen. Es gibt das Dominikaner-Kloster, ein Stück weiter - seit 1845 - das Bestattungshaus Salm und das Traditionslokal „Bender’s Marie“ mit einem Vier-Sterne-Hotel drüber. Gegenüber die Rückseite des Stadthauses, das die Stadt verkaufen will und in dem ein Derag-Hotel mit Luxus-Appartements entstehen soll. Und natürlich das Eckhaus mit dem Restaurant Tante Anna, das seit 188 Jahren im Besitz der Familie Oxenfort ist.

Bis vor kurzem durfte ein weiterer Name nicht fehlen: das „Czikos“, einst berühmter Künstler- und Literatentreff und nun heftig in der Diskussion, seit bekannt ist, dass dort die zweite „Coyote Ugly“-Bar Deutschlands öffnen soll. Zu deren Konzept gehört nämlich, dass leicht bekleidete, vollbusige Damen besonders männliche Gäste mit möglichst viel Alkohol abfüllen. Und das gefällt offenbar der Jungen Union (JU), die sich, alles andere als geschlossen, in Person ihres Chefs Christian Rütz zur Fürsprecherin dieser Art Erlebnisgastronomie macht.

Alle Ratsfraktionen und Bezirksvertreter sind gegen das „Coyote Ugly“ an dieser Stelle, fürchten, dass die Andreasstraße dasselbe Schicksal ereilen könnte wie die Bolkerstraße: die Ballermannisierung, die gastronomische Tiefebene. „Das Luxus-Hotel im Stadthaus ist eine einmalige Chance“, so CDU-Fraktionschef Dirk Elbers. Wünschenswert wäre ein Eingang zur Andreasstraße zu den Zimmern und Luxus-Appartments mit Vier-Sterne-Service, die der Münchner Investor Max Schlereth dort entwickeln will. „Aber so eine Ugly-Ding gegenüber - das passt nicht.“

Vor allem die Anwohner gehen auf die Barrikaden - allen voran Engelbert Oxenfort. Er kann die Position der JU nicht begreifen: „Wenn Herr Rütz sagt, er sei praktizierender Katholik, und ist dann für so eine Bar, dann frag’ ich mich, welchen Katholizismus er meint.“ Die JU solle sich lieber um mehr Kultur in der Altstadt kümmern und um obdachlose Jugendliche. Auch die Verwaltung sei inkonsequent: „Einerseits wird reglementiert, wo es nicht nötig ist, und dann so was.“

Ordnungsamtsleiter Wolfgang Tolkmitt versichert, dass für „Coyote Ugly“ noch immer kein Antrag eingegangen sei, allerdings habe der Anwalt des Betreibers angekündigt, ihn noch diese Woche zu stellen. Die Betreiber scheinen sich jedenfalls ziemlich sicher zu sein, die Konzession zu bekommen: Die Fenster sind mit Folien verhängt, dahinter wird seit Wochen selbstbewusst rausgeräumt, was „Czikos“ war. „Wenn das Betriebskonzept unseren Kriterien entspricht, kann es sein, dass wir erst mal die Genehmigung erteilen“, sagt Tolkmitt. „Wenn sich im Betrieb rausstellt, dass sie sich nicht daran halten, sind sie die Konzession wieder los.“

Quelle: rpo