Baas

Uerige mit eigenem Whisky

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Altbier ist das eine Produkt aus dem Uerige in der Altstadt. Das ist bekannt – seit Jahrzehnten. Vor drei Jahren kam der Bierbrand mit Namen "Stickum" dazu. Ab nächsten Monat schenkt Michael Schnitzler auch noch einen Whisky aus.

Er schimmert goldbraun im Glas, hat ein intensives Aroma und schmeckt nach – einfach einem richtig guten Whisky. Noch hat der "Baas", wie er später heißen soll, 55 Volumenprozent Alkohol und ist darum extrem kräftig. So kräftig, dass man schon ein bisschen husten muss, wenn man einen Schluck probiert hat.

"42,5 Prozent sind unser Ziel", so Michael Schnitzler, der den Whisky jetzt seit drei Jahren in Eichenfässern reifen lässt. "Erst wenn der Brand drei Jahre im Holzfass gelegen hat, darf man ihn Whisky nennen", erklärt der Brau-Experte.

Für ihn war es folgerichtig, nicht nur Bier zu brauen, sondern auch Schnaps beziehungsweise Whisky zu brennen. "Die gleichen Zutaten, die gleiche Arbeit." Das weiß Familie Schnitzler seit einem Ausflug nach Schottland in den 80er Jahren, als sie die Whisky-Brennerei von Glenmorangie besichtigt hatten. "Da wurde uns zum ersten Mal die nahe Verwandtschaft zwischen den beiden Produkten bewusst", sagt Schnitzler.

Ausnahme: Die Brände entstehen ohne Hopfen, und auch die Gärung läuft anders. Ansonsten sind Wasser, Malz und Hefe die Zutaten – beim Bier wie beim Schnaps.

Vor drei Jahren, im November 2007, wurde dann der erste Schnaps gebrannt und verkauft sich seitdem gut. Er wird in Flaschen verkauft, aber auch glasweise ausgeschenkt. Natürlich nicht im Uerige selbst (dort gilt ein selbst auferlegtes Schnaps-Verbot), aber im "Stickum" nebenan.

Parallel zum Bierbrand entwickelte Schnitzler "in Düsseldorfs einziger Brennerei" wie er sagt, mit seinen Brau- und Brenn-Experten den Whisky. Er wird in gebrauchte Holzfässer gefüllt. Jedes Fass hat ein anderes Aroma – in dem einen reifte bereits Portwein, in dem anderen Sherry. Damit erhält auch der Whisky jeweils ein anderes Aroma.

Diese unterschiedlichen Geschmäcker werden dann auch beworben und stehen auf dem jeweiligen Flaschenetikett. Wenn die ersten 500 Flaschen gefüllt sind, ist das erste Fass leer: Es fasst 250 Liter, der Whisky wird in der 0,5 Liter Flasche angeboten. Sie soll um die 80 Euro kosten, das Glas Whisky etwa fünf.

Das Brenn-Verfahren erklärt Brauer und Mälzer André Meurer, der der Experte für Schnaps und Whisky im Uerige ist. Wenn im Sudhaus aus der Stärke Malzzucker geworden ist, wird der Brand im Gärkeller vergoren, dann in der Destille gebrannt. Das dauert anderthalb Stunden – anschließend muss der Whisky nur noch reifen. Meurer verkostet ihn jeden Tag und weiß: "In ein paar Wochen kann abgefüllt werden."

Das Uerige

Früher wurde im heutigen Brauhaus Wein ausgeschenkt, das „Heydelberger Faß“ war aber auch Posthalterei und Herberge für Reisende. 1862 dann begann die Geschichte des Uerige. Wilhelm Cürten kaufte das Haus und schenkte das Altbier in mehreren kleinen Stuben im „Bergischen Hof“ aus. Er war es, der den Namen des Lokals indirekt prägte: Cürten hieß bei seinen Stammgästen nur „der Uerige“. Der Legende nach soll der Wirt nicht immer gut gelaunt gewesen sein.

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Quelle: rpo