Von der blanken Angst und klaren Forderungen an die Politik

Düsseldorfer Gastronom Walid El Sheikh im Interview

Von der blanken Angst und klaren Forderungen an die Politik: Düsseldorfer Gastronom Walid El Sheikh im Interview Von der blanken Angst und klaren Forderungen an die Politik: Düsseldorfer Gastronom Walid El Sheikh im Interview Foto: Düsseldorf TONIGHT/Joshua Sammer
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Walid El Sheikh ist einer der bekanntesten Gastronomen der Stadt – ihm gehören das Sir Walter, die Elephant Bar und das Oh Baby Anna. Sein neuestes „Baby“ – die Boston Bar in der Altstadt – sollte eigentlich schon längst geöffnet sein, doch dann kam der Corona-Virus. In seinen Gastbeiträgen hat er für uns schon öfter über die aktuelle Lage geschrieben – und die ist in der Veranstaltungsbranche nach wie vor extrem angespannt. Das zeigt auch das neue Interview mit El Sheikh.

Clubs und Bars gehörten zu den ersten Einrichtungen, die aufgrund der Corona-Verordnungen schließen mussten – und wohl auch zu den letzten, die wieder öffnen dürfen. Viele in der Szene beklagen die mangelnde Unterstützung seitens der Politik...

Du bist immer wieder in Kontakt mit Politikern dieser Stadt – wie etwa beim Live-Talk mit Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel. Dein Fazit?

Walid El Sheikh: Wir in der Veranstaltungsbranche ernten derzeit extrem viel Mitgefühl und teilweise auch Mitleid seitens der Politik. Jedoch bleiben Hilfen – und damit meine ich WIRKLICHE Hilfen und keine verzinsten Sofortkredite (die ohnehin kaum rückzahlbar wären) – aus. Das Erschreckende daran ist: Das zeigt die Unkenntnis der Politik um die wahren Nöte, die durch einen erheblichen Kostendruck ausgelöst sind, in unserer Branche.

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Im Gegensatz zu einer (Steueroasen) Lufthansa, die faktisch insolvent ist und deren Rettung zur Chefsache erklärt wird und mit 9 Milliarden Steuergeldern gerettet wird, überlässt man uns unserem Schicksal und nimmt die bevorstehende Pleitewelle unserer Branche in Kauf. Dabei vergisst man, dass diese Branche die drittmeisten Arbeitnehmer in der Gesellschaft stellt.

Wir wurden gezwungen aus Rücksicht auf die Gesundheit der Gesamtgesellschaft zu schließen und werden von eben dieser jetzt schwer verletzt zurückgelassen. Die Erkenntnis daraus ist sehr simpel: In Zukunft wird der Aufruf zur Solidarität kritischer betrachtet werden und mit sehr viel Widerwillen umgesetzt, da wir der faktische Beweis dafür sind, dass die Solidarität den eigenen ökonomischen Tod bedeuten kann.

Restaurants dürfen jetzt ja wieder öffnen, trotzdem ist auch hier die Lage alles andere als rosig. Du bist im ständigen Austausch mit anderen Wirten – wie ist die Stimmung?

Die Stimmung ist bei denjenigen, die sich an die Vorgaben halten, extrem getrübt, da sie aufgrund der Verordnung derzeit große Einbußen im Vergleich zum „normalen Geschäft“ hinnehmen müssen und oft maximal kostendeckend – wenn nicht sogar leicht defizitär – wirtschaften.

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Wir haben dir diese Frage schon öfter gestellt, trotzdem verliert sie nicht an Aktualität: Was wünschst du dir von der Politik, wie könnte den Gastro-Betrieben sinnvoll geholfen werden – und vor allem auch den Clubs und Bars?

Die Rettung wäre sehr simpel: Nachdem unsere Mitarbeiter durch das Kurzarbeitergeld aufgefangen wurden, bleiben uns die mit dem Raum verbundenen Kosten übrig. Diese müssten in weiten Teilen aufgefangen werden. Anstatt verzinste Kredite als Bringschuld von den Gastronomen zu fordern, könnten hier Anreize geschaffen werden, die Unternehmen zukunftsgerecht aufzustellen.

An allererster Stelle sollte die Steuerehrlichkeit stehen. Somit könnte eine der Bedingungen für das Empfangen von Hilfen sein, GOBD-konforme sturzfähige Kassen als verpflichtend einzusetzen zudem jedwedes unbares Zahlungsmittel zu akzeptieren, die Einhaltung von Tariflöhnen und die individuelle Förderung von Mitarbeitern. Somit würde die Politik zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Eine zukunftsgerechte Ausprägung der geretteten Betriebe und Unternehmen wäre der Lohn, der viel mehr wert ist als die 1% Zinsen von Soforthilfekrediten.

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Bestimmt hast du ein Konzept für die Wiedereröffnungen deiner Locations „in der Tasche“. Kannst du uns dazu etwas verraten?

Türen auf - Gäste rein! Wir müssen aufhören von einer „neuen Normalität“ der Distanz, die Kälte erzeugt und der Folge tödlicher ist als der Virus selbst, zu sprechen und sie als gegeben hinnehmen. Wir müssen zwingend wieder näher zusammenrücken, uns herzen und somit Wärme und Zuversicht verbreiten.

Die „Boston Bar“ ist so gut wie fertig, ein spontan von dir gefilmtes Video hat in den Social Media-Kanälen für Begeisterung gesorgt. Was für ein Gefühl ist es, wenn du jetzt in den Räumlichkeiten stehst ohne zu wissen, wann ihr endlich Gäste begrüßen dürft?

Kurzgesagt: Die blanke Angst! Und ich bin eher ein sehr mutiger Mensch.

Zum Schluss noch eine Frage zu deinem anderen Groß-Projekt im Hafen: Wie sieht es beim „Paradise Now“ aus?

Nüchtern betrachtet ist es noch eine Baustelle. Aber wenn ich dort die Augen schließe, dann empfinde ich ein leicht paradiesisches Gefühl – und so etwas wie Hoffnung (schmunzelt).

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