Der beste House-DJ

Bad Boy Bill ganz nah

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Düsseldorf (dto). Mit vier Turntables bringt er Plattenteller zum Glühen und die Crowd zur Ekstase, er gilt als einer der „tödlichsten“ DJs der Welt. Die Rede ist von Bad Boy Bill, Ikone des Chicagoer House. Der erfolgreiche DJ und Produzent hat mittlerweile auch hier eine große Fangemeinde. Und die freut sich immer, wenn der böse Junge aus Amerika zu Besuch ist. So auch am 4. August, wo Bad Boy Bill im 3001 auflegte. Ein tolle Gelegenheit, um ihn etwas besser kennen zu lernen.

RP Online: Du bist seit den 80ern im Musik-Buisness. Was hat sich deiner Meinung nach in den letzten 20 Jahren in Sachen Clubber und DJ’ing geändert?

Bad Boy Bill: Die Musik ist globaler geworden. Als ich angefangen habe, war House-Musik ein lokales Phänomen in Chicago. Mittlerweile hat House die Welt erobert und bringt somit die Leute näher zusammen. Das gilt auch für die DJs. Heute reist man viel mehr herum als früher.

RP Online: Wenn du zurück denkst, was hast du in deinen ersten Jahren als DJ gespielt?

Bad Boy Bill: Ich habe viele Disco-Sachen aus den USA sowie Importe aus Italien und Deutschland aufgelegt. Z. B. von Alexander Robotnick, einem der Wegbereiter des frühen elektronischen Sounds. Danach kam Chicago-House-Musik, Freestyle, Hip Hop und Acid. Aber klassische Discomusik ist der Ursprung aller Styles.

RP Online: Bist du eigentlich nostalgisch?

Bad Boy Bill: Nein, eher nicht. Ich lebe nicht in der Vergangenheit und spiele auch nicht allzu oft die Musik von damals, sondern aktuelle Sachen wie die Musik, die hier gerade im 3001 läuft. Ich kann aber gut verstehen, wenn sich die Leute mit der Musik aus den 80ern an alte Zeiten erinnern wollen. Doch ich bin DJ und immer auf der Suche nach frischen Sounds.

RP Online: Hast du das Elektro-Revival mitbekommen, wo klassische und analoge Sounds wieder verwendet wurden, vor allem beim holländischen oder dem Berliner Sound?

Bad Boy Bill: Klar habe ich davon was mitbekommen und ich mag das auch sehr. Vor allem der Berliner Sound gefällt mir.

RP Online: Spielst du bei deinen Gigs eher Vinyl oder CDs?

Bad Boy Bill: Zu 98 Prozent arbeite ich mit CDs. Vinyl benutzte ich nur noch zum Scratchen.

RP Online: Hast du noch Kontakt mit früheren Legenden aus Chicago?

Bad Boy Bill: Persönlich nicht. Aber dank myspace.com, eine echt coole Site, habe ich mit vielen Leuten noch etwas zu tun und man tauscht sich aus.

RP Online: Nun zur Gegenwart: Was denkst du über das deutsche Publikum im Vergleich zum amerikanischen?

Bad Boy Bill: Jede Party, jede Stadt ist unterschiedlich. Es ist schwer, das zu verallgemeinern. In Amerika gibt’s halt einige Städte, die sehr nah am Clubgeschehen dran sind, aber einige hängen auch echt hinterher. Nach Deutschland komme ich seit etwa zwölf Jahren und die Resonanz war immer super.

RP Online: Was war denn bislang dein größtes Club-Erlebnis in Deutschland?

Bad Boy Bill: Als ich im Dockland in Münster zusammen mit meinem DJ-Kollegen Kool Rock Steady aufgelegt habe. Das war so ’94 und ’95 , eine richtig geile Zeit.

RP Online: Welche Künstler inspirieren dich bei deiner Arbeit?

Bad Boy Bill: Mylo und Stuart Price zum Beispiel, die bringen den aktuellen Sound nach vorne und machen gute Sachen.

RP Online: Du bist ja nicht nur DJ, sondern auch Produzent. Was für Releases können wir in nächster Zeit von dir erwarten?

Bad Boy Bill: Im Oktober kommt meine neue CD/DVD “BBD – Behind the Decks 2” heraus. Außerdem produziere ich noch ein paar 12inches und Anfang des Jahres gibt’s dann ein neues Album.

Quelle: rpo