Draußen vor der Tür

Kein Platz für Farbige in der Disko?

Draußen vor der Tür: Kein Platz für Farbige in der Disko? Draußen vor der Tür: Kein Platz für Farbige in der Disko? Foto: rpo (Mark Keppler)

Düsseldorf (RP). Die Geburtstagsfeier von zwei Freunden endete vor zwei Düsseldorfer Diskotheken. Türsteher wollten die beiden 23-Jährige nicht reinlassen. Nsama Bredt ist farbig, Till Schmidt ist Halbinder. Sie vermuten, dass sie wegen ihrer Hautfarbe nicht rein durften und wollten sich nicht auseinanderdividieren lassen.

Es sollte eine unbeschwerte Party werden. Mit Freunden wollte Marcel Hüsch seinen 23. Geburtstag feiern. Das Ziel der Clique: eine Nobel-Diskothek. Voll war’s nicht, aber reingekommen sind sie trotzdem nicht. An der Kleidung kann’s nicht gelegen haben. Sie hatten sich in Schale geworfen. Auch seien sie nicht betrunken gewesen. Über die wahren Gründe kann Hüsch nur spekulieren: „Zwei meiner Freunde sind farbig. Die wollten in der Disco keine Ausländer.“ Das Gleiche wiederholte sich in einer anderen Disco: „Die meisten von uns wurden durchgewunken, Nsama und Till aber nicht. Mehr als ein ,Ihr passt hier nicht rein’ wurde ihnen aber nicht gesagt“, erzählt der Student. „Dann ist natürlich keiner von uns reingegangen.“

Till Schmidt (23) ist Halbinder, seine Mutter ist Inderin, der Vater Deutscher. Die gleiche Konstellation bei Nsama Bredt: Seine Mutter ist in Sambia geboren, sein Vater ist Deutscher. Beide sind in Deutschland aufgewachsen, zur Schule gegangen. Beide studieren hier. Stadtdechant Rolf Steinhäuser ist entsetzt über diese Form der Ausländerfeindlichkeit. „Ich habe immer geglaubt, Düsseldorf sei eine weltoffene, tolerante Stadt. Dass Menschen wegen ihrer Hautfarbe abgewiesen werden, bestätigt leider die Herrschaftsstrukturen dieser Welt.“

In einer Predigt in St.Lambertus in der Altstadt prangerte Steinhäuser dies unlängst an. Zur selben Zeit musste sich die Gemeinde Anfeindungen gefallen lassen, nachdem sie einer serbischen Familie Kirchenasyl gewährt hatte.

Dürfen Diskobesucher abgewiesen werden, weil sie Ausländer sind? Thorsten Hellwig, Sprecher vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) NRW, sagt entschieden Nein: „Niemand darf wegen seiner Rasse oder seiner Herkunft abgewiesen werden. Wir verwahren uns davor, falls unsere Mitglieder aus rassistischen Motiven Gäste abweisen.“

Gleichwohl wisse er natürlich, dass es in Diskotheken mitunter Ärger mit Besuchern gebe. „In jeder Gruppe gibt es Leute, die Ärger machen wollen. Wenn es erkennbar Ausländer sind oder Leute mit anderer Hautfarbe, so fällt das natürlich deutlicher auf.“ Er habe auch Verständnis dafür, dass Diskothekenbetreiber Gäste und ihr Personal schützen wollen, falls es Anzeichen dafür gibt, dass Gäste auf Randale aus sind.

Für Nsama Bredt ergibt sich aus der doppelten Zurückweisung in Diskotheken ein Dilemma: „Was mache ich, wenn Freunde wieder nach Düsseldorf fahren wollen? Das kann vielleicht auch mal wieder gut gehen - je nachdem, wer gerade am Eingang steht. Aber das weiß man ja nicht vorher.“ Und noch etwas belastet ihn: In Sambia gelte er als Ausländer, weil er nicht schwarz genug ist. In Deutschland werde er als Ausländer betrachtet, weil er schwarz ist.

Für Marcel Hüsch steht jedenfalls fest: „Ich mache künftig um jede Diskothek einen großen Bogen, die meine Freunde nicht reinlässt, weil ihnen deren Hautfarbe nicht passt.“

Quelle: rpo