Ein Jahr nach dem Foyer-Aus

Daniel Fritschi über die elektronische Szene, das Nachtleben und neue Projekte

Ein Jahr nach dem Foyer-Aus: Daniel Fritschi über die elektronische Szene, das Nachtleben und neue Projekte Ein Jahr nach dem Foyer-Aus: Daniel Fritschi über die elektronische Szene, das Nachtleben und neue Projekte Foto: Tonight.de

„Ich habe eine Menge Lehrgeld bezahlt!“ fasst Daniel Fritschi ein Jahr nach der Foyer-Schließung seine Erfahrungen im Club-Business zusammen. Aufgrund neuer Brandschutzauflagen gingen in der Location am Worringerplatz im April 2013 die Lichter aus (TONIGHT.de berichtete). Damals kündigte Fritschi aber auch an, irgendwann wieder aktiv in Düsseldorf zu sein – diesen Herbst könnte es jetzt so weit sein. Im Interview mit uns hat er über Zukunftspläne, die elektronische Szene der NRW-Landeshauptstadt und das Nachtleben im Allgemeinen gesprochen.

Es ist jetzt ein Jahr her, dass du das Foyer am Worringerplatz schließen musstest – ein herber Schlag für die Düsseldorfer Subkultur. Wie sind die letzten 12 Monate für dich gelaufen?

Stadt lässt Club schließen: Sofortiges Aus für das "Foyer" Stadt lässt Club schließen Sofortiges Aus für das "Foyer" Zum Artikel » Daniel Fritschi: Das unabsehbare, sofortige Ende der Veranstaltungen und der darauf folgende Rückbau der Foyer-Räumlichkeit, die Einlagerung des Inventars sowie Abwicklung des Foyers hat mehrere Monate in Anspruch genommen und mir finanziell sowie moralisch einen sehr schweren Schlag versetzt. Die fast drei Jahre waren in fast jeder Hinsicht extrem und ich habe in fast jeder Hinsicht eine Menge Lehrgeld bezahlt, was mich aber deshalb darin bestärkt hat, nach diesem Rückschlag auf keinen Fall aufzugeben.

Du bist oft auch in Nachbarstädten unterwegs, legst zum Beispiel im Hotel Shanghai in Essen auf. Gibt es etwas, was sich Düsseldorf in Sachen Nachtleben abgucken sollte?

Dass in Köln trotz starker Abwanderung nach Berlin noch immer eine deutlich lebendigere elektronische Szene lebt als in Düsseldorf, ist ja kein Geheimnis. Dass aber selbst Essen gleich mehrere Clubs mit hochwertigem Programm zu bieten hat, während sich in Düsseldorf derzeit bis auf den Salon kaum nennenswertes finden lässt, ist schon bitter.

1. Düsseldorfer Clubnacht | Mittwoch, 16. Mai 2012 1. Düsseldorfer Clubnacht | Mittwoch, 16. Mai 2012 1. Düsseldorfer Clubnacht | Mittwoch, 16. Mai 2012 1. Düsseldorfer Clubnacht // Mi 16.05.12 Foyer 86 Fotos Bewegungsapparat  | Freitag, 11. Mai 2012 Bewegungsapparat  | Freitag, 11. Mai 2012 Bewegungsapparat  | Freitag, 11. Mai 2012 Bewegungsapparat // Fr 11.05.12 Foyer 84 Fotos Gua Camole Labelnight | Samstag, 11. Februar 2012 Gua Camole Labelnight | Samstag, 11. Februar 2012 Gua Camole Labelnight | Samstag, 11. Februar 2012 Gua Camole Labelnight // Sa 11.02.12 Foyer 86 Fotos

Mit dem Rauchverbot haben viele Clubs ca. 20% an Gästen verloren, in diversen Locations gestaltet sich – auch trotz gutem LineUp und Partykonzepten – der Freitag schwierig. Vor Ort scheinen die Leute oft mehr an ihrem Handy und dem Status bei Facebook interessiert als an der Musik. Kann man hier gegensteuern? Oder sind wir – egal ob 20 oder 40 – einfach zu satt?

Als Nichtraucher schätze ich zwar, wenn sich die Luftqualität verbessert, aber das Rauchverbot ergibt in der Praxis gerade für Clubs kaum lösbare Probleme verbunden mit deutlichen Einbußen bei steigenden Kosten (z.B. GEMA). Wenn dauernd größere Gruppen der Gäste zum Rauchen vor die Tür gehen, leidet die Stimmung spürbar und es wird deutlich schwerer, die Gäste musikalisch mitzureißen, besonders wenn ein weiterer Teil sich dann auch eher mit dem Handy beschäftigt.

Nachtleben 2014: "Rettet den Freitag" - ein Aufruf von Gordon Hollenga Nachtleben 2014 "Rettet den Freitag" - ein Aufruf von Gordon Hollenga Zum Artikel » Andererseits finde ich es auch nicht gerade animierend wenn DJs auf ihr Laptop starren und dann möglicherweise noch die Software mixen lassen. Da Party-Streams wie Boiler Room für viele mittlerweile als Party-Vorbild fungieren, und die Leute auf Partys immer damit rechnen, gleich gefilmt zu werden, wundert es natürlich kaum, wenn viele primär damit beschäftigt sind, jederzeit vorteilhaft auszusehen statt sich wirklich auf die Musik einzulassen.

Nach meiner Erfahrung ist es aber durchaus noch möglich die Leute mitzureißen, aber dafür bedarf es den richtigen Rahmen. Ich setze dabei auf DJs und Live-Acts mit erkennbarer musikalischer Haltung, der Zusammenarbeit mit Projektionskünstlern und nicht zuletzt ist die so oft vernachlässigte Klangqualität entscheidend.

Für den Herbst hast du angekündigt, dass du auch in Düsseldorfer wieder aktiver sein möchtest. Kannst du uns schon mehr verraten?

Es ist noch nicht ganz spruchreif, aber es sieht gerade sehr danach aus, dass ich möglicherweise schon im Herbst hier in Düsseldorf eine neue Räumlichkeit ins Leben rufen könnte :).

Dafür drücken wir auf jeden Fall die Daumen! Und bis dahin könnt ihr Daniel in dem ein oder anderen Club an den Plattentellern erleben (z.B. am 17. Mai ab 23 Uhr im Reinraum, wo er back2back mit Marcel Woyt und Jürgen von Krebs back2back mit St. Joseph auflegt).