Besonderes Event-Konzept im Corona-Sommer

Villa Rheinperle setzt auf Biergarten mit Beachclub-Feeling

Besonderes Event-Konzept im Corona-Sommer: Villa Rheinperle setzt auf Biergarten mit Beachclub-Feeling Besonderes Event-Konzept im Corona-Sommer: Villa Rheinperle setzt auf Biergarten mit Beachclub-Feeling Foto: Villa Rheinperle
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Wie viele Gastronomie-Betriebe ist auch die Villa Rheinperle in Duisburg von der Corona-Pandemie betroffen. Die diesjährigen „Luft & Liebe“-Festivals sind alle auf nächstes Jahr verschoben, zahlreiche Kunden- und Firmenevents sowie Hochzeiten wurden storniert. Doch das Team um Dirk Hallecker, Linh Kieu und Marc Förste lässt sich nicht unterkriegen und geht einen eigenen Weg – es hat Mitte Mai den Biergarten 2.0 ins Leben gerufen.

Im schönen Villenpark ist ein großzügiger Bereich aufwendig dekoriert, die Tische stehen mit entsprechendem Abstand voneinander und es gibt auch elektronische „Hintergrundmusik“. Wir haben mit Dirk Hallecker über die ersten Öffnungstage und das lange Pfingstwochenende gesprochen – und wie es mit dem Biergarten 2.0 weitergeht.

Mit Beachclub-Feeling Biergarten 2.0. in der Villa Rheinperle 53 Fotos

Die gesamte Gastro-Branche ist durch die Corona-Krise extrem angeschlagen, viele Existenzen stehen auf dem Spiel. Wie hart hat euch das Ganze getroffen?

Dirk Hallecker: Als die Sache mit Corona im Februar/März zu uns „rüber geschwappt“ ist, bin ich anfangs davon ausgegangen, dass uns das jetzt eine kurze Periode beschäftigen wird, wir aber ab den Sommermonaten ganz normal weiterarbeiten können. Zu dem Zeitpunkt war alles für unsere Veranstaltungen, wie das „Luft und Liebe“- Festival, die Hochzeiten oder die Firmenevents, in der Vorbereitungsphase.

Da wir anfangs nicht davon ausgegangen sind, dass uns das Ganze bis in den Sommer begleitet, haben wir unsere Vorbereitung natürlich auch nicht heruntergefahren, sondern haben fokussiert weitergearbeitet. Das bedeutet, dass natürlich auch unsere Angestellten weiter voll beschäftigt waren und keiner ernsthaft daran gezweifelt hat, dass diese Arbeit „für die Katz“ sein könnte.

Luft & Liebe Biergarten 2.0. | Freitag, 12. Juni 2020 Luft & Liebe Biergarten 2.0. // Fr 12.06.20 Villa Rheinperle 222 Fotos

Vor allem das „Luft und Liebe“-Festival ist sehr vorbereitungsintensiv, weil wir in jedem Jahr unsere jetzt schon üppige Dekoration weiter aufstocken. Dementsprechend haben wir weiteres Material eingekauft und haben gemeinsam an den Dekorationen gearbeitet. Vieles davon wird bei uns in Handarbeit hergestellt. Eigentlich sogar fast alles. Außer für die gebuchten DJs geht da natürlich auch immer ein großes Budget bei drauf.

Hätten wir vorausschauen können, hätte man sich natürlich Einiges gespart, aber hinterher ist man bekanntlich immer schlauer. Das Geld hat uns in den letzten Monaten dann natürlich an allen Ecken und Enden gefehlt. Je länger die Corona Situation anhält, desto mehr sind unsere Hoffnung geschwunden. Irgendwann mussten wir davon ausgehen, dass wir in diesem Jahr gar kein Geld mehr verdienen können. Wir waren völlig desillusioniert. Dementsprechend kann man daraus folgern, dass uns die Krise zuerst einmal sehr stark getroffen hat.

Das kann man sicherlich auch eins zu eins auf die gesamte Branche umlegen. Bis die ersten kleineren Lockerungen kam, hatten wirklich die aller wenigsten überhaupt noch Hoffnung, dass in diesem Jahr noch etwas passiert.

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Im Gegensatz zu vielen anderen Clubs und Bars hab ihr ein großes Außengelände, das in diesen Zeiten viel wert ist. Wann kam euch die Idee mit dem „Biergarten 2.0“ und welche Hürden musstet ihr auf dem Weg bis zur Eröffnung nehmen?

Die Tatsache, dass wir so ein großes, konzessioniertes Außengelände haben, ist derzeit wirklich unser größtes Glück. Darüber hinaus beinhaltet unsere Konzession auch die Möglichkeit, regelmäßige Musikdarbietungen anzubieten. Und so dürfen wir in unserem Biergarten auch Musik spielen – ein normaler Biergarten wäre für uns keine Option gewesen.

Als wir dann das Opening unseren Biergarten 2.0 veröffentlicht haben, war das Ordnungsamt anfangs natürlich etwas skeptisch. Das lag vor allem daran, dass der Biergarten als „Luft & Liebe-Festival“-Biergarten deklariert war. In einem offenen Gespräch konnten wir aber klären, dass es sich tatsächlich um einen Biergarten handelt und ausdrücklich nicht um eine Tanzveranstaltung. So waren auch alle Missverständnisse aus dem Weg geräumt.

Uns war von Anfang an wichtig, dass wir ein gut durchdachtes Hygiene-Konzept und festgelegte Spielregeln für unseren Biergarten haben. Und das ziehen wir im eigenen Interesse und natürlich auch im Interesse der allgemeinen Gesundheit strikt durch. So wie wir es umgesetzt haben, können sowohl wir, als auch unsere Gäste sehr gut damit leben. Alle sind sehr verständnisvoll und halten sich auch anstandslos daran. Man merkt, dass die Leute mittlerweile wirklich gut mit den Corona-Verordnungen umgehen können.

Klofrau Villa Rheinperle Dirk (image/jpeg) Die neue "Klofrau" der Villa Rheinperle ist Liah - hier bei ihrem ersten Einsatz vor Ort mit Dirk Hallecker. 10.000 € Nettogehalt, Limousine inkl. Fahrer und traumhafte Penthouse-Wohnung mit Vollverpflegung gehören hier zum Job dazu.

Wie kommt der Gast an die Tickets und wie sieht der Ablauf aus?

Ein Eintritt kam für uns nicht in Frage, das passt einfach nicht zum Biergarten. Auch wenn es sicherlich angemessen wäre – gerade bei dem Aufwand, den wir betreiben. Stattdessen setzen wir auf einen Mindestverzehr setzen. So ist es für uns möglich, kostendeckend zu arbeiten und jeder Gast hat auch den kompletten Mehrwert. Eine tolle und faire Lösung, für die wir auch bisher nur Komplimente bekommen.

Zudem war uns wichtig, dass auch wirklich nur so viele Leute zu uns kommen, wie wir auch Plätze haben. Deshalb läuft das System im Prinzip genauso ab, als ob man eine Eintrittskarte kaufen würde.

Wir nennen das jetzt einfach Reservierungsgebühr, damit wir gleichzeitig auch sicher sein können, dass der gebuchte Platz auch gefüllt wird. Vor Ort wird diese Gebühr dann in einen Verzehrmehrwert umgetauscht, den man dann sozusagen „ab verzehren“ kann.

Ähnlich wie bei einem ganz normalen Einlass, nehmen wir die Gäste dann vor Ort in Empfang, scannen das Ticket und setzen die Gäste an den für sie vorbereiteten Platz. So lässt sich auch im Nachhinein immer nachvollziehen, welcher Gast an welchem Tisch gesessen hat. Das schreibt die Gesetzeslage für den Fall der Fälle vor und das ist durch unser System auch überhaupt gar kein Problem.

Auf dem Weg zum Tisch, zur Bar oder zur Toilette bitten wir um Maskenpflicht. Das ist im Außenbereich zwar nicht gesetzlich notwendig, aber wir wollten in dem Fall einfach sichergehen. Auch hier merkt man, dass die Gäste damit ganz diszipliniert umgehen.

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Und wie ist das Feedback der Gäste nach den ersten Tagen und vor allem dem langen Pfingstwochenende?

Für den Biergarten buchen wir jedes Mal vier DJs, die den Tag musikalisch untermalen. Gerade bei diesem wundervollen Wetter hat man tatsächlich das Gefühl, in einem Beach-Club auf Ibiza zu sein. Und ganz ähnlich verhalten sich unsere Gäste auch. Statt den Sonnenliegen bieten wir zwar nur Bierbänke an, die besonders schön dekoriert sind, aber trotzdem halten sich die Leute alle an ihren Tischen auf ohne wild durcheinander zu laufen.

Natürlich kommunizieren wir den Gästen, dass es sich ausdrücklich um keine Tanzveranstaltung handelt. Für uns zählen dabei vor allem die Mindestabstände. Wer an seiner Bank aufsteht und etwas „mit grooved“, darf das natürlich gerne tun. Tanzen fängt nach unserem Empfinden da an, wo es nach Sport aussieht. Das ist dann definitiv untersagt und wir weisen die Leute freundlich aber bestimmt darauf hin, dass das so nicht geht.

Das Feedback, dass wir zu unserer Lösung bekommen, ist absolut grandios. Viele finden es sogar fast besser, als auf einer normalen Party. Natürlich fehlt ein bisschen die Tanzfläche, aber so hat jeder seinen Tisch, kann seine Weinflaschen abstellen und gemeinsam mit seinen Freunden einen schönen Tag verbringen, ohne dass man sich ständig verliert.

Wir haben auch schon überlegt, ob wir in Zukunft – also wenn Tanzflächen wieder erlaubt sind –trotzdem sehr viele Tische stehen lassen werden. Wenn man sich Clubs beispielsweise in den USA, der Türkei oder Asien anschaut, ist die Situation selbst ohne Corona ganz ähnlich. Dort gibt es schon seit vielen Jahren oftmals gar keine normale Tanzfläche mehr, sondern die Gäste sitzen an ihren Tischen. Wenn man das ganze miteinander kombiniert, hat man sicherlich die perfekte Mischung.

Und was das vergangene Pfingstwochenende angeht: Hier hätte ja ursprünglich das „Luft und Liebe“-Festival im zwölften Jahr stattgefunden. Für uns war natürlich sofort klar, dass wir alternativ wieder unseren Biergarten öffnen möchten. Die Resonanz war so gut, dass wir sowohl Samstag, Sonntag und auch Montag bis auf den letzten Platz voll besetzt waren. Es ist ein unbeschreiblich gutes Gefühl, den Menschen ein Stück weit echte Normalität zurück zu geben. Man merkt die Unbeschwertheit und die Glücksgefühle die in der Luft liegen sind tatsächlich greifbar.

Und wie geht es weiter für den Biergarten 2.0.?

Das Konzept unseres Biergartens werden wir natürlich den kommenden Lockerungen anpassen. Für die nächsten Wochen ist geplant, dass wir regelmäßig bei schönem Wetter öffnen werden. Feste Öffnungszeiten wird es dann allerdings noch nicht geben. Sobald absehbar ist, dass das Wetter gut wird, veröffentlichen wir das in den sozialen Medien und auf unserer Website.

Von eurem Biergarten 2.0-Konzept profitiert auch die Kiesgrube, die sonst diesen Sommer nicht stattfinden könnte…

Tom Preuss ist mit seiner Kiesgrube ja ein guter Partner von uns, mit dem wir schon im letzten Jahr mehrere Events in der Villa Rheinperle durchgeführt haben. Und so wird jetzt an diversen Sonntagen bei schönem Wetter eine besondere Ausgabe der Kiesgrube unter dem Motto „Stay Wild Moonchild“ stattfinden. Getanzt wird nicht, aber es für die vielen Freunde der Event-Reihe auf jeden Fall ein tolles Spektakel.

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In diesen Tagen gibt es Berichte zu einem neuen Stadtstrand in Düsseldorf. Dahinter steckt mit Rainer Wengenroth nicht nur einer Gründer des legendären Stadtstrands Monkey’s Island – auch ihr sollt als Rechteinhaber der Marke Monkey’s Island beteiligt sein. Was kannst du uns dazu sagen?

Rainer und wir sind bereits seit zwei Jahren regelmäßig in Kontakt zu dem Thema. Wir haben da einiges gemeinsam angestoßen und viele mögliche Optionen durchdacht. Leider hat es im letzten Jahr nicht geklappt und jemand anders ist beauftragt worden, einen Stadtstrand beziehungsweise mehrere Stadtstrände für die Stadt Düsseldorf umzusetzen.

Im Moment ist das Thema wieder ziemlich heiß in den Medien. Was sowohl Rainer Wengenroth als auch wir umsetzen können, haben wir in den vergangenen Jahren sicherlich alle bewiesen. Ob dazu in diesem Jahr dann auch noch einen Stadtstrand in Düsseldorf dazu kommen wird, wird sich zeigen.

Grundsätzlich sind wir mit unserem Biergarten in Duisburg im Moment erst mal sehr happy und warten mal ab, was sich in Düsseldorf noch ergibt. Rainer ist da in sehr engem Austausch mit der Politik und wir halten uns gegenseitig ständig auf dem Laufenden.

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Mit Blick auf die nächsten Monate: Was wünscht beziehungsweise erhoffst du dir für eure Branche?

Grundsätzlich lässt die jetzige Situation zu, dass wir wieder Luft zum Atmen haben. Solange das Wetter mitspielt, können wir so unser Unternehmen unter realistischen Bedingungen über den Sommer bringen. Grundsätzlich nehmen wir natürlich jede Lockerung dankend an und ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn auch wieder getanzt werden darf.

Man merkt schon ganz deutlich, dass sich das die Menschen sehr wünschen. Es ist auch manchmal hart, wenn wir einschreiten müssen, um die Gäste darauf aufmerksam zu machen, dass Tanzen derzeit noch untersagt ist.

Insgesamt wünsche ich mir natürlich auch, dass alle Gastronomen wieder wirtschaftlich überleben können. Dafür müssen definitiv weitere Lockerungen her. Es hat ja nicht jeder die Möglichkeiten, die wir haben.

Info und Kontakt Villa Rheinperle

Rund 600 Gästen in verschiedenen Slots können in den Biergarten. Die Tischreservierung erfolgt vorab, die Gebühr dafür liegt bei 15 bzw. 25 Euro pro Person. Diese wird vor Ort in einen Mindestverzehr umgewandelt.

Adresse: Villa Rheinperle, Villenstraße 2 47229 Duisburg
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Tischreservierung

Und hier noch ein Rückblick auf das Luft & Liebe-Festival 2019:

Luft und Liebe Festival Vol.I | Samstag, 8. Juni 2019 Luft und Liebe Festival Vol.I // Sa 08.06.19 Villenpark 153 Fotos