Geruch stinkt den Altstadt-Wirten

Gestank aus dem Gully

Geruch stinkt den Altstadt-Wirten: Gestank aus dem Gully Geruch stinkt den Altstadt-Wirten: Gestank aus dem Gully Foto: RP/Andreas Bretz
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Der fiese Geruch aus den Kanaldeckeln stinkt den Altstadt-Wirten. Deshalb legen Gastronome an der Bergerstraße Teppiche über die Gullys. Der Entwässerungsbetrieb der Stadt sagt: Es ist zu wenig Wasser im Kanal. Im „Angelo’s“ an der Bergerstraße bestellen die Gäste gerne Austern zur Vorspeise und trinken dazu italienischen Weißwein. „Eine Flasche Leone aus Sizilien“, empfiehlt Angelo Santoro. Dem Chefkoch stinkt es allerdings gewaltig, wenn ein fieser Geruch aus dem Kanal aufsteigt und die Nase der Gäste von seinen Speisen ablenkt. „Bevor wir öffnen, hole ich immer diese schwere Fußmatte hervor und lege sie über den Gully-Deckel“, sagt Angelos Ehefrau Elena Martinez.

Die Duftwolken, die an Dixi-Klo-Dörfer bei Großveranstaltungen erinnern, ärgern auch Samran Park, die ein paar Hausnummern weiter ein koreanisches Restaurant führt. „Ohne den Teppich, den ich auslege, würde draußen kein Gast Platz nehmen.“ Eine andere Taktik verfolgt Danijel Miholic, der im Restaurant gegenüber kellnert: „Wenn der Gestank zu schlimm wird, kippen wir Essig in den Gully.“

Claus-Henning Rolfs, Leiter des Entwässerungsbetriebs der Stadt, rät ihm dagegen, als Erste-Hilfe-Maßnahme lieber einen Eimer Wasser in den Kanal zu kippen und dann den Entstördienst anzurufen (siehe Info). „Das Problem mit dem Gestank hat zugenommen“, sagt Rolfs. Und er weiß, warum. „Es ist zu wenig Wasser in den Rohren.“

Düsseldorf hat eine Schwemmkanalisation - im freien Gefälle bewegt das Wasser Fäkalien, Abfälle, Essensreste. „Seit Jahren wird etwa bei Waschmaschinen und Toilettenspülungen der Verbrauch reduziert - Wasser, das uns im Kanal fehlt“, sagt Rolfs. Deshalb sei der Sparkurs kontraproduktiv und entlaste noch nicht mal das Portemonnaie. „Wir haben genügend Wasser in unseren Breiten, was wir brauchen ist sauberes Wasser“, meint der Leiter des Entwässerungsbetriebs. „Unsere Gebühren steigen, wenn wir mit weniger Wasser reinigen müssen.“ Denn die Verschmutzung ist unverändert hoch. So kommt es zu den Ablagerungen, vor allem in dicht bebauten Wohngebieten. Der Entstördienst macht letztendlich nichts anderes, als frisches Wasser in den Kanal zu füllen.

In der Altstadt kämpft der Entwässerungsbetrieb zudem dafür, alle Restaurants mit Fettabscheidern auszurüsten. „Das Fett wird entsorgt, bevor es in den Kanal kommt und sich darin festsetzt“, sagt Rolfs. Obwohl ein solcher Abscheider verpflichtend ist, gibt es noch Restaurants ohne.

Was sich so alles in den Rohren abgesetzt hat, erfahren die Kanalbauer, die ab Mitte Juni das Netz unter der Altstadt erneuern. „Die Kanäle sind teilweise mehr als 100 Jahre alt, da gibt es natürlich Kanten und Verschiebungen, an denen Dreck hängen bleibt“, sagt Rolfs. Die neuen Kanäle, die etwa 1200 Meter lang sind, dürften deshalb auch den Gestank verringern. Insgesamt 12,2 Millionen Euro kostet die Sanierung, bis 2011 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Quelle: rpo