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Partyveranstalter trickst Jugendschutz aus

Internet-Formular: Partyveranstalter trickst Jugendschutz aus Internet-Formular: Partyveranstalter trickst Jugendschutz aus Foto: Thomas Lammertz

Lichtblitze zucken durch den Raum, die Musik wummert laut aus den Boxen, Tänzer bewegen sich rhythmisch im Takt. Die Party ist gerade auf ihrem Höhepunkt angelangt, doch für die Besucher, die noch keine 18 Jahre alt sind, ist schon Schluss mit der Feierei. Sie müssen um 24 Uhr nach Hause – so sieht es das Jugendschutzgesetz vor. Nun wirbt ein Düsseldorfer Partyveranstalter auf einem Plakat mit den Worten "U18? Länger feiern mit Partyzettel.de". Auf der genannten Webseite bietet der Ansbacher Betreiber den Jugendlichen direkt auf der Startseite ein Formular an, das Eltern ausfüllen können, wenn sie damit einverstanden sind, dass ihre Kinder länger als bis Mitternacht ausgehen. Dazu müssen sie ihre Erziehungsaufgaben auf eine andere volljährige Person übertragen.

Partyveranstalter haben das Schlupfloch im Jugendschutzgesetz schon lange gefunden – und nutzen dies aus. Das Anbieten des Formulars, das Hinweisen auf diese Möglichkeit ist jedoch völlig legal. "Die Formulare fragen alle Informationen ab, die bei einer Kontrolle wichtig sind", sagt Michael Zimmermann, der kommissarische Leiter des Düsseldorfer Ordnungsamtes.

Neben Namen der Eltern und des Kindes müssen Eltern auch eine Rufnummer angeben, unter der sie zu erreichen sind, falls ein Kontrolleur oder der Veranstalter eine Nachfrage haben. Sie tragen ein, wie lange ihr Nachwuchs auf der Party bleiben darf und versichern, dass sie die Aufsichtsperson gut kennen und ihr zutrauen, den Minderjährigen in die Schranken zu weisen. Nicht nur die Unterschrift der Eltern wird verlangt, sondern auch eine Kopie des Ausweises, damit die Unterschrift abgeglichen werden kann.

Für Zimmermann ist die juristische Seite völlig eindeutig. "Das Gesetz sieht vor, dass Jugendliche mit einer Genehmigung auch nach Mitternacht noch unterwegs sein dürfen." Eltern rät er jedoch, sich genau zu überlegen, wann sie das Einverständnis geben. Und wem sie den Erziehungsauftrag erteilen.

"Es ist wichtig, dass sie die Person, die sich um ihr Kind kümmern soll, gut kennen", sagt Zimmermann. Er empfiehlt Eltern nicht leichtfertig mit dem Formular umzugehen. Das Gesetz sei schließlich zum Schutz der Jugend erlassen worden – und könnte auf diesem Weg ausgehöhlt werden.

Die Kontrolleure des Ordnungsamtes begegnen relativ häufig den Formularen. "Manchmal sind die Angaben jedoch unvollständig und müssen mühsam abgefragt werden", sagt Zimmermann.

Besonders bei Abitur-Feiern wollen unter 18-Jährige länger als bis Mitternacht dabei sein. "Und genauso sind wir auch auf die Idee gekommen, ein Download-Formular anzubieten", sagt Webseiten-Betreiber Julian Meier. Er selbst veranstaltete vor einigen Jahren eine Abitur-Feier, zu der alle Jugendliche mit den unterschiedlichsten Zetteln auftauchten. Viel Arbeit sei es gewesen, all die Erklärungen zu überprüfen. "Und viel schlimmer – es hätte richtig Ärger geben können", sagt Meier.

Die Gefahr des Missbrauches seines Angebotes schätzt er eher gering ein. "Die Jugendlichen sind sowieso gut informiert. Sie wissen, dass es dieses Angebot gibt. Daher setzen wir lieber auf Offenheit und Aufklärung, als auf ein Verbot." Auf seiner Webseite gibt es Tipps für die Eltern, wann und wem sie einen Erziehungsauftrag erteilen sollen.

Sorgen bereitet ihm jedoch, dass er viele Mails von 14- oder 15-jährigen Mädchen bekommt, die Nachfragen zu seiner Homepage haben. "Die sind definitiv zu jung, um bis nach Mitternacht auszugehen", sagt Meier.

Info zu gesetzlichen Vorgaben

Laut Jugendschutzgesetz „ist erziehungsbeauftragte Person jede Person über 18 Jahren, soweit sie auf Dauer oder zeitweise aufgrund einer Vereinbarung mit der personensorgeberechtigten Person Erziehungsaufgaben wahrnimmt oder soweit sie ein Kind oder eine jugendliche Person im Rahmen der Ausbildung oder der Jugendhilfe betreut." Die erziehungsbeauftragte Person muss außerdem in der Lage sein, den Erziehungsauftrag auszuführen, darf also nicht unter Alkoholeinfluss stehen.

Quelle: rpo