Interview mit Geschäftsführer Marcel Oelbracht

20 Jahre Nachtresidenz – (k)ein Geburtstag im Corona-Jahr

Interview mit Geschäftsführer Marcel Oelbracht: 20 Jahre Nachtresidenz – (k)ein Geburtstag im Corona-Jahr Interview mit Geschäftsführer Marcel Oelbracht: 20 Jahre Nachtresidenz – (k)ein Geburtstag im Corona-Jahr Foto: Tonight.de
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Das Jahr 2020 steht ganz im Zeichen der Corona-Pandemie – und die Auswirkungen für die Gastronomie- und Veranstaltungsbranche sind extrem. Restaurants sind aufgrund der neuen Beschlüsse seit dem 2. November für vorerst vier Wochen wieder geschlossen, gleiches gilt für Bars. Und Clubs wie die Nachtresidenz sind seit März dicht. Mitte November würde die Location eigentlich das 20-jährige Jubiläum feiern... Wir haben mit Geschäftsführer Marcel Oelbracht gesprochen.

Zuerst einmal ein Wort zur aktuellen Situation und den neuen Einschränkungen seit dem 2. November. Wie ist deine Meinung dazu?

Marcel Oelbracht: Ich weiß, dass meine Aussage nicht jedem gefallen wird – aber das war vorherzusehen. Gehofft habe ich natürlich etwas Anderes. Die Politik hat sich verrannt und der Ausgang ist noch gar nicht in Sicht. Ich befürchte, dass nach den vier Wochen noch lange keine Erholung für die Gastronomie eintreten wird.

Wer soll das alles bezahlen und vor allen Dingen – wie sieht die Gastronomiebranche in 12 Monaten aus? Die Regierung schmeißt mit Milliarden von Euro um sich und irgendwann muss das Geld wieder zurück kommen. Doch das ,,Wie kommt es zurück?" wird hinterher besprochen und darin sehe ich eine große Gefahr. Mal ganz abgesehen von den ganzen Stundungen seitens des Finanzamtes.

Ich bin gespannt, was aus Silvester wird. Sollte auch hier die Brechstange ausgepackt werden, wovon ich aktuell ausgehe, dann ist "Game Over" für viele...

Von ganzen Herzen wünsche ich allen Kollegen viel Kraft und Ausdauer für diesen langen Corona-Winter.

Normalerweise würde Mitte November eine große Geburtstagsparty anstehen – 20 Jahre Nachtresidenz. Stattdessen wird der Club wohl noch mindestens bis nächsten Frühsommer geschlossen sein. Wie geht’s euch damit?

Es ist der Wahnsinn! Nach der Geburtstagsparty im letzten Jahr habe ich bereits im Kopf angefangen, das 20-jährige Jubiläum zu planen. Doch dann kam Corona…

Natürlich ist das gesamte Team mehr als nur traurig, dass wir diesen runden Geburtstag nicht wie geplant feiern können. Aber dieses Jahr ist halt alles andere als normal. Und wenn wir irgendwann wieder öffnen dürfen, werden wir eine große Party mit noch mehr Kuchen, Konfetti und Live-Acts veranstalten.

Foto-Rückblick: So wurde im letzten Jahr der Resi-Geburtstag gefeiert:

19 Jahre Nachtresidenz | Samstag, 23. November 2019 19 Jahre Nachtresidenz // Sa 23.11.19 Nachtresidenz 287 Fotos

Keiner kann aktuell sagen, wann die Clubs wieder öffnen können. Ihr meldet euch trotzdem regelmäßig über die sozialen Medien bei euren Gästen mit der Kernaussage, dass ihr 2021 stärker zurückkommt. Gleichzeitig sieht es für viele Clubs und Bars sehr schlecht aus – was bedeutet das für das Nachtleben der Stadt?

Das Nachtleben hat es in den letzten Jahren sowieso schon schwer gehabt. Auch die Nachtresidenz war an einem kritischen Punkt – wir haben mit einen fünf Jahresplan und ständiger Erweiterung und Anpassung noch die Kurve bekommen.

So viel steht fest: Corona wird alles verändern. Wie früher zu feiern – dieser Weg wird noch lange dauern. Unsere Gastronomie wird sich verändern und so mancher Betrieb wird leider nicht überleben. Da ist definitiv mehr finanzielle Hilfe und Unterstützung seitens der Politik nötig. Auch die Vermieter sind gefragt, sie müssten die Mieten bezahlbarer machen als es aktuell der Fall ist.

Düsseldorf ist eine großartige Stadt – und diese Stadt braucht auch in Zukunft Bars, Clubs, Restaurants!

In den letzten Monaten habt ihr die Nachtresidenz renoviert, auch das Restaurant im Erdgeschoss sieht aus, als ob es jeden Moment losgehen könnte…

Marcel: Ja, die Renovierung ist im Großen und Ganzen abgeschlossen. Es wird nur noch etwas gestrichen. Aber ein Restaurant ohne Nachtresidenz fühlt sich nicht richtig an. Ganz abgesehen davon gibt es aufgrund der aktuellen Verordnungen auch keine wirkliche Perspektive, die Kosten zu refinanzieren. Und noch mehr Miese angesichts der ganzen Verluste, die wir ohne hin schon zu verbuchen haben, wäre wirtschaftlicher Wahnsinn.

Restaurant Nachtresidenz (image/jpeg) Erst wenn die Nachtresidenz wieder öffnet, startet auch das neue Restaurant.

Du bist nicht nur Geschäftsführer der Nachtresidenz, sondern steckst auch in anderen Projekten drin – wie etwa Lulu Fashion in Kaarst. Kannst du uns hier etwas mehr erzählen?

Das ist richtig. Ich habe mehrere Firmen, die fast alle mit der Eventbrache zu tun haben… Und dazu noch die Mode Boutique in Kaarst.

Meine Tante war 37 Jahre in der Modebranche für das Label ,,Vanilla“ tätig. Nachdem die Firma geschlossen wurde, habe ich ihr ein Laden gebaut. Durch meine Reisen habe ich vieles gesehen – auch in Sachen Dekoration. Mit diesen Inspirationen habe ich die Boutique selber gebaut und designt.

Zum Team zählt auch unser Videografen Kevin, mit dem wir eigene Videos produzieren. Oder unsere Grafikerin Nadja, die unsere Shoppingevents in Szene setzt. Wir füllen Instagram, Facebook und Co. regelmäßig mit Content - Karina präsentiert hier die neuen Outfits.

Meine Tante kümmert sich natürlich auch um das Wohl der Damen. Da gibt es den ein oder anderen Prosecco auch schon vor 16 Uhr (lacht).

Der Herbst ist da, der Winter steht vor Tür: Wie sehen deine Tipps in Corona-Zeiten für die kalte Jahreszeit aus – und mit wem verbringst du sie am liebsten?

Da sagst du was: Am liebsten würde ich in den Flieger steigen, um dem ganzen Chaos zu entfliehen. Aber leider sieht die Realität anders aus. Daher lese ich im Moment viel, höre mir interessante Podcasts an und telefoniere mit meinem Marketing-Guru aus Wien. Dabei entstehen viele gute Ansätze für neue Geschäftsideen.

Und ich fahre wöchentlich zu meiner Uroma, die im November schon 97 Jahre alt wird und lass mir Geschichten aus früheren Zeiten erzählen - natürlich mit entsprechendem Abstand.

Marcel Oelbracht mit Karina (image/jpeg) Ob privat oder beruflich: Marcel und Karina sind ein gutes Team.

Meine Zeit verbringe ich am liebsten mit meiner Freundin und my best Buddy Homer - meinem Hund. Und die guten Gespräche mit meinem Onkel sind mir sehr wichtig.

Für die nächsten Wochen habe ich mir vorgenommen, weniger auf Instagram und Co. unterwegs zu sein (lacht). Und nicht dauernd über das Thema „Corona“ zu sprechen.

Mehr Zweisamkeit, neue Gerichte kochen – dazu ein guter Wein. Außerdem möchte ich wieder mehr lesen. Und Sport ist mir wichtig, ob „Home Fitness“ oder Joggen an der frischen Luft.

Ich hoffe einfach, dass wir alle so gut wie möglich durch diese unruhigen und schweren Zeiten kommen.