Interview mit Jochen Molck

„Die Stadt braucht viele Zakks“

Interview mit Jochen Molck: „Die Stadt braucht viele Zakks“ Interview mit Jochen Molck: „Die Stadt braucht viele Zakks“ Foto: Thomas Busskamp
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Wer das Zakk nur von abendlichen Konzertbesuchen kennt, ahnt nicht, wie verwinkelt das Gebäude in Flingern ist. Bevor man das Büro von Jochen Molck erreicht, muss man mehrere Stahltüren öffnen und viele Meter unbeleuchtete Gänge hinter sich bringen. Der 52-Jährige ist seit acht Jahren Geschäftführer des Zakk. Der Vater von zwei erwachsenen Kindern arbeitete als Student als Türsteher im Zakk und betreute von 1991 bis 2001 an die Öffentlichkeitsarbeit des Clubs. Eigentlich passt das Zakk ja gar nicht zu Düsseldorf.

Molck Warum?

Zu alternativ.

Molck (lacht) Es kommt darauf an, was man unter alternativ versteht.

Was verstehen Sie darunter?

Molck Dass wir flexibler und offener sind als andere. Alternativ ist doch nicht gleich Müsli und politisch links, sondern: Alternativen bieten zum gesellschaftlichen Mainstream, Kultur für alle. Wir haben zum Beispiel keinen kommerziellen Ansatz. Unser Bier ist zwar nicht immer das billigste in der Stadt. Dafür gibt es Ermäßigungen oder viele Veranstaltungen bei freiem Eintritt. Einen Volker Pispers etwa werden sie nirgendwo so günstig sehen wie bei uns.

Wenn man aus dem Hafen kommt oder aus der Altstadt, dann wirkt das Zakk so anders. Rock statt Elektronik. Beton statt Design. Ein Hauch von 1977.

Molck Und gerade danach gibt es ein Bedürfnis in der Stadt! Viele Leute mögen das etwas Ruppigere. Natürlich sind wir kein stylisher Club. Aber wir sind in den 30 Jahren unseres Bestehens jung geblieben. Wir haben eigene Ideen. Den interkulturellen Ansatz etwa, Kultur und gesellschaftliche Fragen nicht zu trennen und nicht nur für eine kleine Kulturelite da zu sein.

Gibt es den klassischen Zakk-Besucher?

Molck Nein, nicht mehr. Es liegt daran, dass die Szenen spezieller werden und wir möglichst alle versorgen wollen. Zu den Yard Vibes mit Reggaemusik kommen die Jüngeren, nebenan tanzen zur gleichen Zeit die Älteren auf der 50+Party.

Wie hat sich die Zahl der Besucher in der Vergangenheit entwickelt?

Molck Wir zählen konstant rund 150000 Gäste pro Jahr. Allerdings ist es im Lauf der Zeit schwieriger geworden, die Leute zu begeistern.

Inwiefern?

Molck Es ist einfacher, 20000 Leuten eine Karte á 100 Euro für eine bekannte Band wie die Rolling Stones zu verkaufen als 100Leuten eine Karte á 10 Euro für eine sehr gute, aber noch nicht so bekannte Gruppe. Früher hat es gereicht, dass ein Musiker im Zakk auftrat. Das hat ihn automatisch interessant gemacht. Heute ist es schwerer, diese Neugier zu vermitteln. Trotzdem sehen wir das als unsere Aufgabe an.

Wie wollen Sie das hinbekommen?

Molck Indem wir aktuelle Entwicklungen abbilden und Künstler an das Haus binden. Whitest Boy Alive ist da ein gutes Beispiel. Deren Sänger Erlend Oye hat hier vor Jahren mit seiner früheren Band Kings of Convenience gespielt. Er fühlte sich wohl bei uns, also kommt er wieder, nun auch mit seiner aktuellen Gruppe, die sehr erfolgreich ist.

Ein Problem könnte das räumliche Umfeld des Zakk sein...

Molck ...das stimmt leider...

...das Tor 3 hat geschlossen, das Stahlwerk öffnet nur noch sporadisch. Es ist nicht mehr viel los hier.

Molck Die Ecke droht ein wenig ins Abseits zu geraten. Unsere Straßenbahnhaltestelle soll wegfallen, ein Nachtbus wurde gestrichen. Diese Abschottung macht uns Sorgen. Das Zakk wird weiter weggerückt von der Stadt. Das ist ein allgemeines Problem: Den Unique-Club gibt es nicht mehr, die alte Paketpost auch nicht. Düsseldorf fehlen die Orte für eine lebendige Subkultur.

Wie kann man die Entwicklung aufhalten?

Molck Wir planen Kooperationen, um auch anderswo präsent zu sein. Das haben wir schon recht erfolgreich mit dem Poetry Slam ausprobiert. Zudem überlegen wie, ob es sinnvoll ist, eine Dependance zu schaffen. Ein Literatur-Café in Oberbilk etwa. Da laufen Gespräche mit den Stadtplanern.

Was sagen Sie denen?

Molck Ich sage: Das sind Investitionen in unsere Zukunft. Die Stadt braucht viele Zakks.

Philipp Holstein führte das Interview.

Quelle: rpo