Interview mit PM-Chef Weber zur Gema

„Einige Clubs werden das nicht überleben“

Interview mit PM-Chef Weber zur Gema: „Einige Clubs werden das nicht überleben“ Interview mit PM-Chef Weber zur Gema: „Einige Clubs werden das nicht überleben“ Foto: iStock
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Droht Deutschland der Untergang der Clubkultur? Seitdem die Gema angekündigt hat, ihre Tarife zu erhöhen, ist die Partyszene in Aufruhr. Ulrich Weber, Chef der Moerser Disco „PM“ und Präsident des Deutschen Diskothekenverbands, erhebt schwere Vorwürfe an die Musik-Verwertungsgesellschaft Gema.

Herr Weber, wie viel Prozent Ihrer Einnahmen an einer Clubnacht in Ihrer Disko geben Sie an die Musiker weiter, deren Musik bei Ihnen im PM gespielt wird?

Weber: Das sind derzeit rund fünf Prozent des Eintrittspreises.

pm-aussen (image/jpeg) Ulrich Weber ist Chef der Moerser Disco „PM“ und Präsident des Deutschen Diskothekenverbands. 

Die Gema, die im Namen der Musiker die Lizenzgebühren eintreibt, will nun die Preise kräftig anheben. Das heißt, es wird teurer für Sie.

Weber: Nach dem Willen der Gema soll sich der Anteil, den wir Clubbetreiber zahlen müssen, auf mindestens zehn Prozent erhöhen. Das geht allerdings nur, wenn man die Härtefallklausel geltend machen kann. Ansonsten gilt der Regeltarif. Und der bedeutet einen Aufpreis von 300 Prozent im Vergleich zum bisherigen Tarif.

Diesen Preis wollen Sie nicht zahlen.

Das sagen DJs, Musiker, Veranstalter und Club-Betreiber: Ärger über neue GEMA-Gebühren Das sagen DJs, Musiker, Veranstalter und Club-Betreiber Ärger über neue GEMA-Gebühren Zum Artikel » Weber: Sollte ich diesen Tarif zahlen müssen, stehe ich vor einem ernsten Problem. Schließlich reden wir hier über eine Summe von mehr als 100.000 Euro im Jahr. Dieses Geld muss erstmal erwirtschaftet werden. Bisher hatten wir mit der Gema einen Pauschalvertrag für feste Großveranstaltungen. Davon haben auch kleinere Partys wie zum Beispiel Abi-Feten profitiert. Diese werden nun schwerer zu finanzieren sein.

Werden in der Konsequenz jetzt die Eintrittspreise steigen?

Weber: Ob man die höheren Kosten an die Kunden weitergeben kann, muss sich noch herausstellen. Es können sich viele Clubs nicht leisten, Preise zu fordern, die sich am Markt nicht etablieren können.

Und schon macht die Rede vom Clubsterben die Runde.

Weber: Das Szenario, dass es Clubs geben wird, die diese Tariferhöhung nicht überleben werden, ist durchaus realistisch.

Was wäre die Lösung aus dem Dilemma?

Weber: Dass die Gema uns endlich entgegenkommt und ihre Tariferhöhung in dieser Form zurücknimmt. Und dass wir uns wieder zu Gesprächen zusammen setzen. Es ist ja gar nicht so, als wollten wir nicht mit der Gema reden. Aber wir wollen die Gespräche nur unter einer Prämisse fortsetzen: Die Tarif-Forderungen müssen angemessen sein. Schließlich fordert die Gema von einem Tag auf den anderen im günstigsten Fall den doppelten Preis – im schlechtesten das 20-Fache des bisherigen Entgelts. Das ist nicht mehr verhältnismäßig.

marina-laser-pm (image/jpeg) Wenn die Gema-Tarife wie geplant kommen, schließt Weber erhöhte Eintrittspreise nicht aus. 

Bei der Gema heißt es, mancher Clubbetreiber zahlt an einem durchschnittlichen Clubabend mehr für Toilettenpapier als für die Musik, die er abspielt.

Weber: Diese Behauptung ist einfach nur unverschämt. Man sollte nicht mit einem lustig gemeinten Spruch, der schon einige Jahre alt ist, nicht die aktuelle Debatte anheizen.

Es hört sich so an, als wären die Fronten zwischen Clubbetreibern und der Gema verhärtet.

Weber: Es gibt derzeit tatsächlich keine Gespräche von uns mit der Gema. Aktuell werden die Forderungen der Gema von einem Schiedsgericht geprüft, danach wird die Gema höchstwahrscheinlich den Rechtsweg beschreiten. Und wir werden ihn mitgehen.

3-2-1 ab ins PM | Samstag, 11. August 2012 3-2-1 ab ins PM | Samstag, 11. August 2012 3-2-1 ab ins PM | Samstag, 11. August 2012 3-2-1 ab ins PM // Sa 11.08.12 Generation 124 Fotos DJ-Legende Sven Väth hat nicht gerade dazu beigetragen, die Wogen zu glätten, als er sich empörte, dass die Gema Tantiemen für Musik eintreibe, die zum größten Teil gar nicht Gema-lizensiert ist.

Weber: Diese Kritik ist berechtigt. Die sogenannte Gema-Vermutung besagt, dass jegliche dargebotene Musik höchstwahrscheinlich lizensiert ist. Sollte dies nicht der Fall sein, muss man dies im Einzelfall widerlegen. Das bedeutet: Sobald ich bei einer Party nur einen Gema-lizensierten Song spiele, muss ich die Gebühr bezahlen. Und da stellt sich natürlich die Frage der Gerechtigkeit.

Lässt sich denn ausschließen, dass die Preise in Ihrem Club demnächst teurer werden?

Weber: Nein. Irgendwie werden wir auf die Tariferhöhungen reagieren müssen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es doch noch zu einer außergerichtlichen Einigung kommt?

Weber: Das ist sehr unwahrscheinlich. Aber man weiß ja nie.

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