Interview

Pop-Hochburg Düsseldorf

Interview: Pop-Hochburg Düsseldorf Interview: Pop-Hochburg Düsseldorf Foto: Jessica Schwarzer
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Dirk Matejovski, Leiter des Wissenschaftszentrums NRW, organisiert heute und morgen eine Tagung zur Popkultur in der Region. Musiker, Literaten und Wissenschaftler sprechen über den Ratinger Hof, den Standortfaktor Pop und die Punk- und Rapszene. Popmusik, Popstars, Popkultur - Pop ist in aller Munde. Doch was genau ist eigentlich Pop, und welche Bedeutung hat er für Düsseldorf und Umgebung? Diesen Fragen geht „Pop in R(h)einkultur“ nach, eine Tagung, die das Wissenschaftszentrum NRW und das Heinrich-Heine-Institut heute und morgen organisieren. Theoretiker und Macher, Wissenschaftler und Musiker beschäftigen sich mit der Popkultur im Rheinland. Mitorganisator ist Dirk Matejovski (48), Leiter des Wissenschaftszentrums.

Welche Aspekte greifen Sie auf?

Matejovski Wir analysieren die regionalen Besonderheiten der Popkultur im Rheinland. So geht es beispielsweise um Pop als Standortfaktor. Popkultur wird unmittelbar auf die Orte ihrer Entstehung bezogen, so sprechen wir über den Ratinger Hof. Das war Ende der Siebziger Jahre die Hochburg der Pop-Szene in Düsseldorf. Damals wie heute braucht Kreativität in der Region wie überall Toleranz, Talente und Technologie. Wenn alles brav, bieder und geordnet ist, entsteht nichts.

Ist Düsseldorf chaotisch genug für eine Pop-Hochburg?

Matejovski Ja, auf jeden Fall. Aus der Region kommen seit jeher wichtige Künstler mit internationaler Ausstrahlung. Ohne die Band „Kraftwerk“ wäre die internationale Elektro-Szene undenkbar, überdies war die Stadt Sammelbecken für Post-Punk-Gruppen wie Liaisons Dangereuses, DAF und Propaganda. Oder denken Sie an Pop-Literaten wie Rolf-Dieter Brinkmann aus Köln und Thomas Kling aus Düsseldorf.

Glauben Sie, dass man zu alt werden kann für Pop?

Matejovski Nein. Der Großteil der Konzertgänger ist heute Ü 30 oder Ü 40, und sie werden Pop auch noch als Senioren mögen. Auch junge Leute hören Pop, nur glaube ich, dass sie sich heute nicht mehr so festlegen und viele Stile mögen. Tokio Hotel kommt genauso an wie Bushido oder Sven Väth. Entweder nur Beatles oder nur Rolling Stones, das gilt heute nicht mehr.

Auf welchen Gast der Tagung sind Sie besonders stolz?

Matejovski Eigentlich sind das alles Headliner. Ich freue mich, dass der Kölner DJ Hans Nieswand dabei ist und der Verlagschef von Kiepenheuer&Witsch, Helge Malchow. Namhafte Referenten sprechen über die Geschichte des Rockpalastes, das Kölner Rap-Netz und Underground-Filme. Auch die Podiumsdiskussion über Popliteratur und -kunst wird sicher spannend.

Soll die Veranstaltung auch mit Vorurteilen aufräumen?

Matejovski Auf jeden Fall. Leider werden viele Formen der Popkultur immer noch als ästhetisch minderwertig betrachtet. Nur klassische Musik und Literatur sowie bildende Kunst gelten als Hochkultur. Dabei ist Pop in vielerlei Hinsicht mehr als seichte Unterhaltung. Das hat auch die Kulturwissenschaft erkannt, die intensiv zu diesem Thema forscht. Und zur Tagung lade ich jeden, der sich auch einmal damit beschäftigen möchte, ein.

Sarah Dickmann führte das Interview.

Quelle: rpo