Kirmes in Düsseldorf

Die Angst vor der Katastrophe

Kirmes in Düsseldorf: Die Angst vor der Katastrophe Kirmes in Düsseldorf: Die Angst vor der Katastrophe Foto: TONIGHT.de/Ronny Hendrichs
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Seit Duisburg ist alles anders: Warum die Parteien sich auffallend deutlich aus dem Hickhack um das Kirmes-Sicherheitskonzept heraus halten.

Duisburg liegt zwar gleich nebenan und ist buchstäblich Nachbarstadt, aber den dortigen Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) dürften die meisten Düsseldorfer erstmals bewusst wahrgenommen haben, als er im Juli 2010 völlig hilflos und überfordert im Strudel der Love-Parade-Katastrophe versank.

Den meisten Politikern der Düsseldorfer Parteien wird es ähnlich gehen: Sauerland haben sie erst auf dem Film, seit dem er zum abschreckenden Beispiel wurde - so wie er will keiner enden: Ein Kommunalpolitiker auf Abruf, sein Abgang nur noch eine Frage der Zeit.

Nur wer sich das klar macht, der versteht, warum sich hiesige Politiker sehr bedeckt halten, wenn man sie nach ihrer Meinung zum Hickhack um die Sicherheitsvorschriften der Kirmes fragt. Da wird auf die Schützen und die Schausteller verwiesen, die das Spektakel den Regeln entsprechend zu managen hätten. Und auf Bezirks- und Landesregierung - die seien schließlich für die Sicherheits-Gesetze und deren Umsetzung zuständig. Also wolle man sich auf keinen Fall einmischen.

Größte Kirmes am Rhein: Auch der Uerige sagt Bier-Zelt ab Größte Kirmes am Rhein Auch der Uerige sagt Bier-Zelt ab Zum Artikel » Das mit den Zuständigkeiten ist korrekt. Aber spielen wir mal den Fall der Fälle durch - und auf dieser Kirmes käme es wirklich zu einer Massen-Panik mit Verletzten oder gar Toten. Es ist das Düsseldorfer Volksfest - und alle Welt wird nicht erwarten, dass eine Ministerpräsidentin Hannelore Kraft oder Anne Lütkes (das ist die Regierungspräsidentin) vor die Kameras treten. Sondern Oberbürgermeister Dirk Elbers würde das tun müssen. Und man kann nur hoffen, dass er bessere Ratgeber hat als der unselige Sauerland. Vor diesem schweren Auftritt könnte Elbers nichts und keiner bewahren.

Folge der Love-Parade-Katastrophe: Kirmes ohne Füchschen-Zelt Folge der Love-Parade-Katastrophe Kirmes ohne Füchschen-Zelt Zum Artikel » Dann würde es auch nicht interessieren, dass er mehrfach vor Journalisten gesagt hat „Ich mach doch nicht den Sauerland“, wenn man ihn fragte, wie er zu dem Streit um die jetzt konsequent kontrollierten Sicherheitsregeln stehe. Natürlich wäre er weder persönlich noch als OB verantwortlich, aber als oberster Repräsentant dieser Stadt müsste er Präsenz zeigen. Klar ist: Jeder hat Angst vor diesem Fall der Fälle, vor einer möglichen Katastrophe.

Denn Duisburg hat allen klargemacht, wie schnell es dazu kommen kann, wenn man allzu sorglos nach dem rheinischen Prinzip des „Et hätt noch immer jot jejange“ verfährt. Natürlich stimmt es: Fast immer geht es gut, in Jahrzehnten Kirmes war der bisher dramatischste Zwischenfall ein Fahrgeschäft ohne Strom, dessen Fahrgäste in ein paar Dutzend Meter Höhe auf Rettung warten mussten. Für sie unangenehm, gewiss. Aber von Massenpanik mit schwerwiegenden Folgen ist Düsseldorf bisher verschont geblieben. Und das wird sich auch auf der Mitte Juli beginnenden Kirmes mit sehr hoher - aber eben nicht 100prozentiger - Sicherheit nicht ändern. Aber es bleibt ein Risiko.

Weil alle das wissen, ist nun die Angst so groß. Daher wagt es keiner, so weiter zu machen wie bisher: Vorschriften lesen, sie an alle Wirte und Schausteller versenden, sich den Empfang bestätigen lassen - und dann nicht so genau hinschauen. Weil es doch viele so schön fanden, wenn es sich knubbelte und tausende schunkelten, klatschten, jubelten. Das ist nun beileibe nicht vorbei, wird aber deutlich luftiger ablaufen. Der Zugang zu den Zelten wird kontrolliert, und wer dennoch zu viele reinlässt, der riskiert zur Verantwortung gezogen zu werden.

Das ist übrigens das zentrale Thema bei dem ganzen Streit: Man versucht jetzt, möglichst jedes Risiko ausschließen, aber wenn das nicht gelingt und es kommt zum Unfall, dann will man einen eindeutig Verantwortlichen haben. Es soll keine Hintertürchen geben, und kein sich gegenseitig die Schuld zuschieben - falls was passiert, soll eindeutig klar sein, auf wessen Kappe das geht. Und: Wer für die Folgen haftet.

Die Schützen haben das erkannt, und die Risiken daraus. Daher haben sie eine GmbH gegründet, die nun als Veranstalter der Kirmes auftritt und Vertragspartner ist. Konkret heißt das: Diese GmbH haftet, und nicht mehr der Vorstand der Sebastianer.

Aus Sicht dieser Männer die einzig vernünftige Lösung.

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Quelle: RP