“Jeder für sich und alle für einen und dennoch für sich!”

Eine Maskenpflicht in der Altstadt würde viele Probleme lösen

“Jeder für sich und alle für einen und dennoch für sich!”: Eine Maskenpflicht in der Altstadt würde viele Probleme lösen “Jeder für sich und alle für einen und dennoch für sich!”: Eine Maskenpflicht in der Altstadt würde viele Probleme lösen Foto: Shutterstock.com

Spätestens seit dem Vatertag am 22. Mai löst sich die “neue Normalität” in der Düsseldorfer Altstadt in Wohlgefallen auf: Da nützen auch keine auf den Boden gezeichnete Abstandskreise mehr, denn spätestens wenn die Partymeute mal wieder gehörig einen über den Durst getrunken hat, sind alle Regeln vergessen. Ein Kommentar zur aktuellen Situation.

Egal ob Veranstalter, Gastronom, Club-Besitzer, Kellner, Tellerwäscher oder Kioskverkäufer - die Corona-Krise lässt die Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Düsseldorfer Altstadt nicht zur Ruhe kommen. Da tut es nur auf den ersten Blick gut, dass sich die Straßen wieder merklich füllen - und sich viele Leute wieder zurück in die Kneipen, Restaurants und Cocktailbars trauen.

Erst am 21. Juni kam es im Club Flamingo im weit entfernten Zürich zu einer solchen Situation, die niemand in der Düsseldorfer Altstadt erleben will: 300 Gäste eines Clubs mussten in Quarantäne. Das Gute: Der Betreiber konnte den Behörden eine Liste mit den Kontaktdaten der Besucher überreichen, womit diese schnell informiert werden konnten - ein Beweis dafür, dass diese Listen im Notfall durchaus ihren Sinn haben, und das man sich bei der Angabe von Fake-Namen nicht nur ins eigene Bein schießt, sondern gleichzeitig mit einer mit Viren gefüllten Maschinenpistole durch die Nachbarschaft rennt.

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Auf den Straßen der Düsseldorfer Altstadt werden keine Listen gefüllt: Dennoch drängen sich die Leute hier immer wieder dicht an dicht, zuletzt am Wochenende vom 26. bis zum 28. Juni 2020. Dass sich das Corona-Virus lieber in geschlossenen Räumen verteilt, wie zuletzt in der Fleischfabrik Tönnies mit mehr als 1.500 (!) Infizierten, bedeutet nicht, dass man draußen in der frischen Luft komplett immun dagegen ist.

Zum Anfang der Corona-Krise machten sich die Leute noch Gedanken darüber, dass ein vorbeiziehender Jogger und ein Fahrradfahrer eventuell einen größeren “Tröpfchenradius” hinter sich herziehen könnte. Im Juni hocken wir jetzt zusammen in der Altstadt, ignorieren aus “Gründen” (zu warm, zu häßlich, tödliche CO2-Inhalation) die Maskenpflicht und umarmen uns wieder mit wildfremden Menschen.

Dennoch muss man aufpassen nicht zu schnell zu dramatisieren: Nur weil die Kurze Straße oder die Rheintreppe mal wieder “voll” waren, bedeutet dies nicht zwingend, dass nur Verrückte und Bekloppte in der Altstadt unterwegs waren. Und Prügeleien und gewaltbereite Idioten gab es hier schon immer.

Wer genau schaut, der erkennt selbst auf den dramatisierendsten Pressebildern Menschen mit Masken. Eine komplette Stilllegung der Altstadt steht (hoffentlich) sowieso nicht zur Debatte: Hier geht es um die Kontrolle besonders beratungsresistenter Idioten, sowie einiger Menschen, die aufgrund ihres Alkoholgenusses nicht nur die Corona-Regeln vergessen haben - sondern meist auch ihren Namen, die Himmelsrichtungen, das ABC und jede Form von Würde und Niveau.

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Egal ob vernünftig oder unvernünftig: Wenn ich auf jedem Wochenmarkt eine Maske tragen muss, wieso dann nicht auch in der Altstadt? Die Einführung einer Maskenpflicht für die stark frequentierten Teile der Altstadt wäre doch einfach zu überprüfen und durchzusetzen - ab 22 Uhr soll einfach jeder das Teil tragen, der sich hier aufhält. Auch das mag kein hundertprozentiger Schutz sein, aber so viel besser als alles, was wir gerade sehen.

Hinzukommt der psychologische Faktor: Je mehr Leute eine Maske tragen, desto mehr dürften ihre ebenfalls aus der Tasche ziehen. Nicht nur Egoismus verbreitet sich - auch Altruismus.

In der Nacht vom 22. auf den 23. Juni hat die Veranstaltungsbranche deutschlandweit mit der “Night of Light” auf ihre aussichtslose Lage aufmerksam gemacht. Es liegt an uns allen, dass wir die “neue Normalität” nicht so einfach verspielen, weil wir uns egoistisch feiern wollen, weil wir den Medien und der Politik nicht trauen, weil wir uns kontrolliert und fremdbestimmt fühlen: Der kleine Lappen im Gesicht tut sicher niemandem weh, es gibt ihn in allen Farben und Formen - und er kostet längst nicht mehr die Welt.

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Das Problem: Diese Zeilen wird sicher niemand von denen lesen, die am Wochenende wieder für Randale in der Altstadt gesorgt haben. Es sind diese Unbelehrbaren, welche das Anliegen einer “Night of Light” komplett negieren können.

Eines sicher: Sollte es innerhalb von Düsseldorf erneut zu einem größeren Ausbruch kommen, was anhand der letzten Meldungen gar nicht mal so unwahrscheinlich ist, dann müssen das nicht die Feiernden ausbaden, sondern die weiter oben genannten Veranstalter, Gastronomen, Club-Besitzer, Kellner, Tellerwäscher und Kioskverkäufer.

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