Lebensmittelkontrollen

Hygienemängel in 1000 Düsseldorfer Lokalen

Lebensmittelkontrollen: Hygienemängel in 1000 Düsseldorfer Lokalen Lebensmittelkontrollen: Hygienemängel in 1000 Düsseldorfer Lokalen Foto: Thomas Busskamp
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Verbraucherschützer beklagen: Die Beanstandungen in der Gastronomie sind seit Jahren konstant hoch. Mehr als jeder zweite Betrieb verstößt gegen Vorschriften. Experten fordern: Wirte müssen besser geschult werden.

Düsseldorfs oberster Verbraucherschützer schlägt Alarm. Klaus Meier, Leiter des Amts für Verbraucherschutz, fordert verschärfte Gesetze bei Zugangsbestimmungen für die Gastronomie. Nur so könnten die hygienischen Mängel in Kneipen und Imbissen verringert werden. Bei 1600 Kontrollen im vergangenen Jahr hat es fast 1000 Beanstandungen gegeben. In 60 Fällen waren die hygienischen oder baulichen Zustände so schlimm, dass die Gastro-Betriebe vorübergehend geschlossen werden mussten.

Meier: "Den Wirten kann man da selten einen Vorwurf machen. Das Wissen über den richtigen Umgang mit Lebensmitteln und auch Getränken ist so komplex, dass man es nicht an einem Tag lernen kann." Nur wer einen Alkoholausschank betreiben will, wird bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) geschult. Anwesenheit reicht, eine Prüfung gibt es nicht. In der Branche wird ein wenig abschätzig vom "Frikadellen-Kursus" gesprochen.

Rainer Spenke, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), würde es begrüßen, wenn die Anforderungen für Wirte verschärft werden würden. Eine Kneipe oder einen Imbiss zu eröffnen, erscheine für manchen als rettender Strohhalm, um der drohenden Arbeitslosigkeit zu entgehen. Wer früher Autos repariert habe, sei mit Zubereitung und Lagerung von Lebensmitteln überfordert.

Deshalb ist die Dehoga beim IHK-Kursus dabei und schult Existenzgründer in Betriebswirtschaft und hygienischen Fragen. "Ich würde mir wünschen, dass mehr Wirte davon Gebrauch machen", sagt Spenke. Auch deshalb gebe es so viele Pächterwechsel und Insolvenzen.

Im Durchschnitt einmal im Jahr erhält ein gastronomischer Betrieb Besuch von einem der 14 Lebensmittelkontrolleure – unangemeldet, versteht sich. Dabei werden die Einhaltung der Hygienevorschriften und der bauliche Zustand überprüft. Ein Klassiker: In der Küche lösen sich in der Nähe des Herds Fliesen von der Wand, und Putz rieselt herunter. Ein anderer: Die Oberseite der Arbeitsplatte ist zwar sauber, aber beim Abrücken von der Wand stoßen die Kontrolleure auf Fett und alte Lebensmittel. Die höchsten Bußgelder, die die Verbraucherschützer in den vergangenen Jahren verhängt haben, betrugen 3000 Euro. Anzeige erstatten sie in den Fällen, wenn Mäuse oder anderes Ungeziefer in der Küche oder in Vorratsräumen nachgewiesen werden.

Manchmal sind es aber auch nur Kleinigkeiten: Wenn beispielsweise in der Speisekarte nicht sämtliche Zusatzstoffe der Majonäse verzeichnet sind, erhält der Wirt eine Frist, dies zu ergänzen. Meier: "Wer häufiger auffällt, den besuchen wir aber häufiger.". Grundlage ist eine Risikobeurteilung. Spenke von der Dehoga: "Damit können wir leben. Denn die Faktoren sind für jeden transparent." Mehr Transparenz hatte sich der Verband auch von "Smileys" erhofft. Sie werden an Betriebe verliehen, die nachweislich sauber sind. Doch nur wenige Gastronomen machten mit. Verbraucherschützer Meier fordert daher eine Negativ-Klassifizierung: "Gäste haben ein Recht darauf zu sehen, wenn ein Betrieb wiederholt gegen Bestimmungen verstößt."

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Quelle: rpo