Markenschutz

Gütesiegel für Altbier? Skepsis und Zuspruch

Markenschutz: Gütesiegel für Altbier? Skepsis und Zuspruch Markenschutz: Gütesiegel für Altbier? Skepsis und Zuspruch Foto: RP/Werner Gabriel
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Wer auch immer Bier brauen kann – er darf, wenn er will, ein dunkles Gebräu herstellen (im obergärigen Verfahren) und dieses Getränk Alt nennen. Denn der Begriff ist nicht geschützt, vor allem nicht regional.

Eine ganze Reihe von Erzeugern hat (oder hatte) daher ein solches Produkt im Angebot, mit unterschiedlichem, zuletzt meist wenig erfreulichem Erfolg. Es gab sogar mal ein Bier namens Alt aus der bayrischen Brauerei Löwenbräu.

Die Grünen im Düsseldorfer Rat machen jetzt einen Vorstoß, die Marke "Alt" stärker zu schützen – ein Gütesiegel nach EU-Norm soll her, das Herkunft, Ursprungsbezeichung und geographische Zugehörigkeit garantiert. Vorbild ist das Bier der Kölner, das dort Kölsch heißt. Schon vor Jahren vereinbarten die dortigen Brauer eine "Kölsch Convention". Sie hat unter anderem zum Inhalt, dass ein Bier sich nur dann Kölsch nennen darf, wenn es tatsächlich in Köln gebraut wurde.

Ist das mit dem Alt aus Düsseldorf möglich? Einige hiesige Wirte sehen das skeptisch, die meisten mögen sich zu dieser seit Jahren immer wieder auftauchenden Frage gar nicht äußern. Einer sagt nur so viel: "Ich bin freudig gespannt, nach welchen Kriterien ein solches Gütesiegel verliehen werden soll."

Er spielt damit auf eine ganze Reihe von Problemen an. Beispielsweise sind die größten Altbierbrauer keine Düsseldorfer: An der Spitze steht Diebels (Issum am Niederrhein), Schlösser braut schon lange nicht mehr an der Münsterstraße und Frankenheim gehört zu Warsteiner . Bleiben die Hausbrauereien. Die stellen – mit großem Erfolg – ihr Alt jeweils im Hause her und schenken es dort auch aus. Aber sie verfolgen völlig unterschiedliche Marketing-Strategien. Das Füchschen lockt mit einer seit Jahren viel beachteten, sehr schrägen Werbung vor allem sehr junge Leute an, Schumacher hat an der Oststraße eine riesige Gastronomie mit umfassendem Angebot aus der Küche und der Uerige reicht zum "leckeren Dröppken" lediglich "bierbegleitende Speisen". Der Schlüssel verfährt ähnlich wie Schumacher.

Werbefachmann Dirk Popp (Deutschland-Chef Pleon) hält die Idee mit dem Güte-Siegel ebenfalls für schwierig. Die Kleinteiligkeit der Brauerei-Szene stehe dem entgegen, Alt sei eben als klar umrissene Marke nicht vergleichbar mit Parma-Schinken oder Spreewald-Gurken. Außerdem gebe es keine wirklich großen Brauer mehr, die das Geld investieren könnten, um den Begriff so zu penetrieren. Er sieht die Chance in der Re-Positionierung. Dass das funktioniert, zeigten die seinerzeit völlig neuen Bier-Mixgetränke.

Schlüssel-Chef Karl-Heinz Gatzweiler dagegen hält die Idee für ausgezeichnet und würde sich persönlich dafür engagieren. Er erinnert an den verlorengegangenen Ruf Düsseldorfs als Bierstadt und meint "Alt ist schon wegen seiner Farbe und des Namens ein Produkt, das sich besser vermarkten ließe."

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Quelle: RP