Nach Großrazzia am Hauptbahnhof

Stadt prüft Rheingold-Konzession

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Düsseldorf: Razzia im Rheingold Düsseldorf: Razzia im Rheingold Düsseldorf: Razzia im Rheingold Düsseldorf Razzia im Rheingold 20 Fotos Der Großrazzia, bei der am Samstag in dem Club am Hauptbahnhof mehr als 400 Gramm Drogen sichergestellt wurden, sollen weitere folgen. Ziel der Polizei ist es, die weitgehend geschlossene Partydrogen-Szene aufzubrechen. Auch im Rathaus ist man an den Ergebnissen interessiert.

Der Herausgeber des Partysan-Magazins, dessen Geburtstags-Party in der Diskothek Rheingold am Wochenende von einer Polizeirazzia unterbrochen wurde, hat die Nase voll von Techno-Partys. Seit 15 Jahren gebe das Magazin eine Party im Jahr und "noch nie hat es ein Drogenproblem gegegen".

Die Razzia, bei der die Party-Gäste "drei Stunden lang nicht einmal Wasser trinken durften, während die Polizisten gut versorgt wurden", habe ihn ebenso geschockt wie ihr Ergebnis, wonach rechnerisch jeder zweite der rund 400 Gäste Drogen dabei hatte. "Vielleicht lassen wir die Partys künftig ganz", sagt der Magazinchef. Im Rheingold aber will er "ganz sicher nicht mehr" feiern.

Zehn minderjährige Gäste

Dabei genießt der Club am Hauptbahnhof schon seit Jahren den zweifelhaften Ruf, nicht nur für die Partyszene, sondern auch für die Dealer synthetischer Drogen erste Adresse zu sein. Deshalb ist man auch im Rathaus sehr gespannt auf den Abschlussbericht der Polizeiaktion. "Wir werden danach sehr genau prüfen, ob der Betreiber die Voraussetzungen für eine Konzession erfüllt", sagte ein Sprecher des Ordnungsamts. Ganz sicher werde ein Verfahren wegen Verstoßes gegen den Jugendschutz eingeleitet, weil unter den Gästen am Samstagmorgen um 2 Uhr auch zehn Jugendliche waren.

Sein Magazin sei nicht Veranstalter der Party gewesen, versicherte der Herausgeber. Als Werbepartner habe er nur den Namen zur Verfügung gestellt und Werbung für die dreitägige Veranstaltung gemacht. Für deren Abwicklung sei inklusive Kasse allein der Rheingold-Betreiber zuständig gewesen.

Der hatte sich schon während der Razzia nicht zu den Drogengeschäften in seinen Räumen äußern wollen. Die clubeigene Homepage gibt keine Auskunft über die Besitzer des Unternehmens. Das residiert, glaubt man der Länderkennung cc in der Internetadresse, übrigens auf den Kokosinseln im Indischen Ozean. Marketingstrategen handeln die Domains der 600-Seelen-Insel als besonders geeignet, um junge Kunden anzusprechen.

Der Bahnhofs-Club ist nicht der einzige, der mit elektronischer Musik junge Raver und auch Rauschgifthändler lockt. Die anderen, sagt Kriminaloberrat Rüdiger Korp, der die Großrazzia am Samstagmorgen leitete, dürften denn auch demnächst mit unangemeldetem Polizeibesuch rechnen. Im Kampf gegen die Partydrogen sei die Rheingold-Razzia nur ein erstes Signal an die Szene gewesen. Die bereitet den Drogenfahndern vor allem deshalb Sorge, weil sie weitgehend hinter geschlossenen Clubtüren agiert. "Das wollen wir aufbrechen."

Zwar sind die meisten der in Düsseldorf jährlich festgestellten rund 3500 Drogendelikte solche mit Marihuana und Haschisch. Doch die Partydrogen sind nicht zuletzt deshalb so gefährlich, weil sie vielfach toleriert werden. "Die Konsumenten sehen nicht so elend aus wie die der so genannten harten Drogen, viele gehen noch einer geregelten Arbeit nach", sagt der Chef des Rauschgiftkommissariats, Detlef Sostak. Aber die Folgen der chemischen Drogen sind fatal: "Amphetamine schädigen das Hirn. Vielleicht haben wir in einigen Jahren schon 30-Jährige mit Demenz."

Quelle: rpo