Neuer Fotoband

Die Toten Hosen in Bildern

Neuer Fotoband: Die Toten Hosen in Bildern Neuer Fotoband: Die Toten Hosen in Bildern Foto: AP, AP
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Fryderyk Gabowicz begleitet seit 20 Jahren die Toten Hosen auf Tournee und im Studio. Dabei entstanden skurrile Schnappschüsse und stimmungsvolle Live-Aufnahmen. Der opulente Foto-Band erscheint kommende Woche.

Die Toten Hosen in der „Bravo“ - das passte den Düsseldorfer Punkern um Frontmann Campino anfangs kaum. Stets erteilten sie Mitte der 80er-Jahre dem Bravo-Fotografen Fryderyk Gabowicz eine Absage, wenn er wieder einmal darum bat, ein Foto von der Band schießen zu dürfen. Dass sich die Düsseldorfer irgendwann geschlagen gaben, ist einem einzigen Wutausbruch zu verdanken. Als der Münchner Starfotograf das 80er-Teenie-Idol „Limahl“ fotografierte und der ihm nur fünf Minuten Zeit lassen wollte, da flippte der Fotograf aus. Er schnauzte den jungen Burschen an: „Mit mir nicht.“ Diese Rebellion gefiel den Toten Hosen. Eine Freundschaft beginnt.

20 Jahre danach werden nun die gesammelten Tote-Hosen-Bilder in einem Bildband veröffentlicht. Gemeinsam haben Band und Fotograf die Fotos kommentiert. Dies macht Gabowicz’ Werkschau für Fans zu einer Offenbarung. Dokumentiert wird die Karriere der Hosen von der wilden Anfangszeit, in der die Band enge, kunterbunte Stoffhosen trägt, bis ins Jahr 2006. Diese Gegenwart sieht freundlich und ernster aus. Die Klamotten wirken stilvoll - die Band ist gereift. Es ist auffällig, wie sehr der musikalische Wandel der Düsseldorfer korrespondiert mit einem Wandel der fotografischen Inszenierung.

Die Karriere zwischen 1986 und 2006 ist ein Auf und Ab der Gefühlszustände einer Punk-Rock-Band im Deutschland unter Kohl, Schröder und Merkel. Das Buch zeigt die Hosen bei einer Radtour nach Bitterfeld im Rahmen ihrer Tournee durch Ostdeutschland nach der Wende. Campino sagt: „Die alten Chefs waren weg, die neuen noch nicht da. Ein Vakuum. Brillant eigentlich.“ Zu sehen sind die „Hosen“ auch während der Fußball-WM 1990 in Italien. Die Stimmung sei großartig gewesen, sagt Andi. Bis zu dem Moment, in dem ein Engländer namens Chris Waddle einen Elfer verschießt. Deutschland ist im WM-Finale - und Campino als Sohn einer Britin sehr traurig.

Manchmal ist der Bildband gnadenlos - wenn er etwa den Tote-Hosen-Frontmann zeigt, wie er nach einer falschen Mahlzeit auf einer Mauer liegt und sich übergeben muss. Oder wie es im Proberaum der Band aussieht. All dies dokumentiert Fryderyk Gabowicz schonungslos, so dass der Bildband an manchen Stellen mehr dokumentarischen als ästhetischen Charakter hat. Schön anzusehen sind viele der Tourneebilder. Immer wieder auch die Hosen in Verkleidung. Weil sie eben doch noch irgendwie Punks sind. Und die fallen eben gerne auf.

Auf der letzten Seite des Bildbandes schreibt die Band dem Fotografen eine Widmung ins Buch: „Es ist schön, dass Du Dein Archiv über die Jahre so in Ordnung gehalten hast. Wir selbst haben das nicht hingekriegt. Du bist unser Freund geworden. Ohne Wenn und Aber.“

Die Toten Hosen. Fotografien von Fryderyk Gabowicz 1986-2006. Mit Texten von den Toten Hosen und Fryderyk Gabowicz. Mitarbeit: Thorsten Schaar und Sabine Thomas 352 Seiten, 742 farbige Abbildungen Großformat 24x30 cm, durchgehend in Farbe gedruckt 49,90 EUR, ISBN 3-89602-732-8, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin

Quelle: rpo