Neues "Ballermann"-Lokal kommt

Die Altstadt driftet auseinander

Neues "Ballermann"-Lokal kommt: Die Altstadt driftet auseinander Neues "Ballermann"-Lokal kommt: Die Altstadt driftet auseinander Foto: ila
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An der Bolkerstraße eröffnet ein weiteres Ballermann-Lokal. Dadurch verschärft sich die Teilung des Viertels: die Ratinger Straße gilt als gepflegte Adresse für die Einheimischen, die Bolkerstraße als Anlaufpunkt für Trink-Touristen. Die Wirte sehen die Entwicklung mit Sorge.

Die "Villa Wahnsinn" ist schon Wochen vor ihrer Eröffnung Gesprächsthema in der Landeshauptstadt. Die Altstadt-Wirte diskutierten gestern bei ihrem regelmäßigen Treffen über das Lokal an der Bolkerstraße, dessen Konzept an die einschlägigen Häuser am Ballermann auf Mallorca erinnert. Die Mehrheit der Wirte äußerte sich skeptisch und fürchtet, dass das Viertel weiter auseinanderdriftet.

In den vergangenen Jahren sieht es immer stärker so aus, als habe Düsseldorf zwei Altstädte. Auf der einen Seite ist die Ratinger Straße, die Landeshauptstädter vor allem mittwochs, freitags und samstags besuchen, um sich mit Freunden zu treffen, ein Bier zu trinken und bei jeder einigermaßen erträglichen Wetterlage bis in die Nacht auf der Straße zu plaudern. Die andere Altstadt bildet die Bolkerstraße, an der der die Lokale "Ballermann 6", "Oberbayern" oder "Anton's Bierkönig" heißen, auf der die meisten Kneipen übergroße Fernseher vor die Tür stellen und mit Spezialitäten namens "Froschkotze" für sich werben.

Düsseldorfer sorgen sich um Altstadt: Neue Erlebnis-Kneipe "Villa Wahnsinn" Düsseldorfer sorgen sich um Altstadt Neue Erlebnis-Kneipe "Villa Wahnsinn" Zum Artikel » Die Ursachen für diese Teilung erscheinen einfach zu erklären und schwierig zu beseitigen. Die Ratinger Straße liegt nahe zur Kunstakademie, zur Tonhalle und zu den Museen des Ehrenhofs, die Bolkerstraße liegt nahe zu den großen U- und Straßenbahn-Haltestellen. Das heißt: Wer nach Vorlesung, Konzert oder Ausstellung noch etwas trinken gehen will, wählt die nächstgelegene Kneipe an der Ratinger Straße. So entwickelte sich zum Beispiel auch die Punk-Bewegung rund um den Ratinger Hof in den Siebzigern.

Es handelte sich dabei nicht um eine Ansammlung randalierender Prolls, sondern vielmehr um einen Treffpunkt von Künstlern und Lebenskünstlern, die diverse Formen der Darstellung erprobten. Auch damals wollten die Freunde der Ratinger Straße nichts mit den Stammgästen der anderen Altstadt zu tun haben. "Die Bolkerstraße war eine spießige Spaßmeile. Da haben sie Holländer-Käse auf die Pizza gelegt. Da wollte keiner von uns sein", berichtet der Bestseller-Autor Jan Weiler ("Maria, ihm schmeckt's nicht"), der seine Jugend zu wesentlichen Teilen auf der Ratinger Straße verbracht hat.

Die Bolkerstraße profitiert und leidet gleichermaßen unter ihrer guten Anbindung. Weil dort alle U-Bahn-Linien und zahlreiche Straßenbahnen halten, ist es für Menschen, die fremd in Düsseldorf sind, dort einfach sich zu orientieren. Da die Station sogar Altstadt im Namen trägt, steigen die Touristen dort aus und landen sofort auf der Bolkerstraße oder in einer der angrenzenden Straßen. Mit jeder Parallelstraße nimmt die Zahl der Junggesellenabschiede und angetrunkenen Passanten ab.

Ein Ansatz, das Problem zumindest zu verkleinern, wird derzeit im Düsseldorfer Landtag diskutiert. Die CDU-Fraktion hat dort einen Antrag eingebracht, Alkoholkonsum an bestimmten Orten zu bestimmten Zeiten zu verbieten. Morgen hört der Innenausschuss des Landtags dazu Sachverständige. Setzt sich die CDU mit ihrem Vorschlag durch, würde die Bolkerstraße nicht schöner, aber zumindest entspannter.

Wie seht ihr die Entwicklung der Altstadt? Fürchtet ihr, dass das Viertel zur Partymeile verkommt oder befürwortet ihr, dass Düsseldorf so mehr Touristen anlockt? Schreiben eine E-Mail an stadtpost@rheinische-post.de oder schreibt uns eure Meinung bei Facebook.

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Quelle: RP