Open-Source-Festival

Die Stadt zum Klingen bringen

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So rockt die Crowd: Das LineUp auf dem Open-Source-Festival So rockt die Crowd: Das LineUp auf dem Open-Source-Festival So rockt die Crowd: Das LineUp auf dem Open-Source-Festival So rockt die Crowd Das LineUp auf dem Open-Source-Festival 11 Fotos Düsseldorf (RP). Philipp Maiburg organisiert das „Open Source Festival“ für elektronische Musik im Strandbad Lörick. Popkultur, sagt der 34-jährige Musiker, sei in Düsseldorf zu wenig präsent. Dabei gibt es eine lange Tradition.

Mal ein Festival machen, das an die popkulturellen Wurzeln der Stadt erinnert. Das hatte sich Philipp Maiburg vorgenommen. Nun, anderthalb Jahre später, sind es nur noch wenige Tage, bis am Samstag, 19. August, das „Open Source Festival“ im Strandbad Lörick beginnt.

Und die Liste der angekündigten Künstler verspricht ein Ereignis, das sich mit internationalen Veranstaltungen in Sachen anspruchsvoller elektronischer Musik durchaus messen kann: Zoot Woman hat zugesagt, die Band, die die 80er Jahre mit zeitgenössischen Mitteln wiederbelebt; der größte deutsche Elektroniker, Jan Jelinek; die sogar in Japan gefeierten Mouse on Mars und die extrem scheuen und selten live spielenden Rhythm & Sound mit ihrem elektrifizierten Reggae.

„Die musikalische Vergangenheit ist in Düsseldorf zu wenig präsent, das wollte ich ändern“, sagt Maiburg, der Neu-Organisator (mit Christian Fleischer), und versprüht literweise Euphorie. „Es gab ja nicht nur Kraftwerk . Da waren Neu, Propaganda, Die Krupps, Der Plan und DAF.“ Und da sind die Phoneheads, vielleicht Deutschlands einzige noch aktive Drum&Bass-Formation - deren eine Hälfte Maiburg ist. Der gebürtige Mönchengladbacher Maiburg war vor elf Jahren im Architektur-Studium von Frankfurt nach Düsseldorf gewechselt. Er begann nebenbei aufzulegen, begründete die legendäre Reihe „Wednesday Breaks“ im „Unique Club“. Dort war zu den Hoch-Zeiten jeder Düsseldorfer, der sich für Clubkultur interessiert.

Die Phoneheads änderten Maiburgs Leben

Unter anderem Michael Scheibenreiter. Mit ihm gründete Maiburg 1995 die Phoneheads. „Mein Leben änderte sich binnen weniger Monate“, sagt Maiburg. Die Phoneheads hatten früh Erfolg: hohe Rotation auf Viva, gute Verkaufszahlen, es lief. Maiburg brach das Studium ab, lebte für die Musik. Lebte von der Musik.

Maiburg lebt Musik. „Wir haben im Vorverkauf rund 1500 Karten für das Open Source verkauft“, sagt er. „Wenn am Ende 2500 Leute kommen, kann es das Festival nächstes Jahr wieder geben.“ Er träumt bereits von einem zweitägigen Ereignis, parallel dazu vielleicht eine Ausstellung über elektronische Musik in Düsseldorf. Es laufe da bereits ein Brainstorming mit Medienwissenschaftlern der Heine-Uni.

Der Klamottenfirma „Carhart“ gefielen die Musik und der Stil der Phoneheads. Sie unterstützte das Duo, und vor fünf Jahren beschloss man, gemeinsam ein Plattenlabel zu gründen. Auf jeder Veröffentlichung von „Combination Records“, das in einem Hinterhof in Bilk arbeitet, prangt nun das Logo der Kleiderfabrikanten. „Aber das ist eigentlich der einzige künstlerische Kompromiss“, sagt der 34-Jährige, der inzwischen verheiratet ist und kürzlich Vater wurde. Er und Mitinhaber Frank D’Arpino wählen die Musiker nach eigenem Gusto aus. Es erscheinen drei, vier Alben pro Jahr auf „Combination“, dazu eine Handvoll Maxis.

Ein Faible für elektronische Musik

Im Gegensatz zu anderen Plattenfirmen vergleichbarer Größe ist „Combination“ nicht auf einen Stil festgelegt. „Ich bin interessiert an allem Neuen“, sagt Maiburg. Er habe früher schon die Stile wild gemischt: The Cure gehört, Saxofon gespielt, in einer Rock-Band gesungen - so durcheinander geht das heute noch. Nur elektronisch sollte die Musik dann doch sein. Die bekanntesten „Combinaton“-Künstler sind Swimmingpool, das neue Projekt von Phoneheads-Kollege Michael Scheibenreiter, der Düsseldorfer Matt Flores und Norken.

DJ, Produzent, Label-Chef, Festival-Macher: Seine „Patchwork-Karriere“, wie er den eigenen beruflichen Lebenslauf nennt, hat Maiburg im vergangenen Monat bis zum „Sonar“-Festival in Barcelona geführt. Das ist das Salzburg der elektronischen Musik, so ungefähr jedenfalls. „Combination“ war eingeladen, seine Künstler mit einem eigenen Showcase vorzustellen. Ritterschlag halt.

Warum er in Düsseldorf bleibt, wo doch so viele Musik-Geschäftige weggehen, nach Köln oder nach Berlin? „Ich wüsste keinen Grund wegzugehen“, sagt Maiburg. „Es gibt hier eine aufgeschlossene Gemeinde für unsere Musik.“ Nach „Open Source“ dürfte sie noch einmal gewachsen sein.

Open-Source-Festival im Strandbad Lörick, Samstag 19. August, ab 14 Uhr, Eintritt 17 Euro (Tageskarte 12-22 Uhr) und 22 Ezro (Tag- und Nachtticket)

Quelle: rpo