Open Source Festival

Ein Tag mit Kunst und Wumms

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Rund 4000 Gäste kamen zum Open Source Festival, das zum ersten Mal auf der Galopprennbahn in Grafenberg über die Bühne ging. Sie erlebten eine Veranstaltung mit Musik und Design vor wunderbarer Kulisse. Höhepunkt war der Auftritt der Band Tocotronic. Mit dem Shuttle-Bus vom Staufenplatz aus hochzufahren war schön, hinein in den Wald. Alle waren anders als sonst, netter und heiterer, bisschen wie Klassenfahrt und aus der Welt fallen. Mit Eis und Sekt saßen manche da, und an der Rennbahn hörte man den verheißungsvollen Lärm. Der Fahrer sagte: "Viel Spaß beim Open Source Festival", da gab's zum ersten Mal Applaus.

Nun also die Rennbahn, Grafenberg statt Strandbad Lörick. Schade, dachte man vorher. Nachher nicht mehr. Hinter der Hauptbühne das akkurate Grün, die Bäume und bald auch blauer Himmel. Bratwurst, Bierdunst, Sonnencreme. Auf der Wiese wurde gepicknickt, auf der Tribüne geknutscht. Obwohl es kein Wasser gab, keinen See, war da so eine Seebad-Atmosphäre, und wer zwischen den drei Bühnen wechselte, hörte unter den Füßen den Kies knirschen. Allerdings nur, wenn gerade keine Band spielte, und das kam nicht oft vor.

Höhepunkt war der wüst-melodische und wütende und doch edle Auftritt von Tocotronic. Da wurde es gerade dunkel, und keiner konnte sehen, dass man drauf und dran war, einen Tag älter zu werden. Weswegen man sich unmittelbar berührt fühlte, als Sänger Dirk von Lowztow aus dem lila illuminierten Bühnennebel solche Sätze schleuderte: "Wir haben gehalten in der langweiligsten Landschaft der Welt / Wir haben uns unterhalten / Und festgestellt, dass es uns hier gefällt. / Ich höre Dich sagen – mehr leise als laut: / Das haben sich die Jugendlichen selbst aufgebaut."

Bemerkenswert auch die Konzerte der Berliner Techno-Legende Mark Ernestus mit seinem Dub-Projekt Rhythm & Sound. Und der Durian Brothers, hinter denen sich der Düsseldorfer Stefan Schwander verbirgt und das Duo Institut für Feinmotorik. Sie häuften in ihren Stücken Lärm an und schlugen mit wuchtigen Bässen und harten Beats Melodien aus dem schroffen Gebirge. Das ist ja überhaupt ein Vorzug dieses Festivals, dass es ganz lässig den Spagat zwischen Kunst und Wumms schafft. Die Veranstaltung hat einen eigenen Charakter entwickelt, er spiegelt das Leben in der Stadt auf sympathische Weise. Nach dem Auftritt des Pianisten Hauschka mit der Cellistin Hildur Gudnadottir und dem Elektroniker Schneider TM wähnte man sich schon im Feenreich, so feingliedrig war diese Klanginstallation. Direkt danach trat Mike Skinner alias The Streets auf, ein englischer Jung-Rüpel, der seine Gossen-Poeme in Turnschuhen und abgeschnittener Jeans rappte – eher Brighton als Island. Aber beides passte zueinander und zum Ort, und The Streets war gut, der hatte die Leute im Griff, die meisten der 4000 Gäste hörten zu, "Let's Push Things Forward", sang er und "Ain't No Sunshine".

Wofür man dem Open Source dankbar sein muss, ist die Vermessung der jungen Kulturszene. Am Wettannahme-Häuschen präsentierten sich Galerien, Designer, Labelbetreiber: Pretty Portal, Slowboy, Ninasagt. Das sah gut aus, Düsseldorf! Und deshalb mochte man später beim Tocotronic-Song "Aber hier leben, nein Danke" trotz Aufforderung nicht mitsingen.

Beim Runterkutschiertwerden fragten sich im Bus viele: Warum war Open Source nicht immer schon auf der Rennbahn?

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Quelle: rpo