Piano-Bar an der Kö

"Bei Tino" gehen die Lichter aus

Piano-Bar an der Kö: "Bei Tino" gehen die Lichter aus Piano-Bar an der Kö: "Bei Tino" gehen die Lichter aus Foto: RP/Andreas Endermann
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Die exklusive Piano-Bar an der Kö muss schließen. Nach 36 Jahren hat der Vermieter, die Trinkaus-Bank, der Betreiberfamilie erklärt, dass der Mietvertrag nicht verlängert wird. Das Tino wurde 1975 gegründet, dort ging die Kö-Prominenz über Jahrzehnte ein und aus.

Jörg Immendorff war Stammgast, Markus Lüpertz ebenso. Düsseldorfer Prominenz wie Josef Klüh, nationale Prominenz wie Roberto Blanco und Udo Jürgens, Fußballprominenz wie Berti Vogts, Rudi Völler und Felix Magath gingen im "Bei Tino", Trinkaus-Passage, Kö 21, ein und aus. Doch dieses Kapitel Kö-Geschichte wird bald geschlossen: Die Trinkaus-Bank hat der jetzigen Betreiberin des "Tino" mitgeteilt, dass der im Juni 2012 auslaufende Mietvertrag nicht verlängert wird. Vanessa Meulendik-Bazzo ist schockiert: "Nach 36 Jahren ist man da richtig vor den Kopf gestoßen", erklärt sie. Vor 13 Jahren hatte sie die Bar von ihrem Vater Vittorio übernommen, er war von Anfang an dabei, war 1975 als Geschäftsführer eingestiegen und hatte das "Tino" 1985 selbst vom Gründer Agostino Andreatta übernommen.

Im Sommer 2007 wurde die Bar gründlich renoviert, während auch nebenan, an der Baustelle Breidenbacher Hof und rundherum langsam wieder der alte Glanz und Luxus einkehrte. Inzwischen ist die Westseite der Kö gefragter denn je. Neben dem Breidenbacher Hof wird das Haus Nummer 19 demnächst abgerissen. Das achtgeschossige Gebäude stammt aus dem Jahr 1953 und ist nicht mehr zeitgemäß, befand Mitte März die Bezirksvertretung und sprach sich einstimmig für einen Neubau aus.

Ins Haus Nummer 17 zieht voraussichtlich im November die US-Kultmarke "Abercrombie & Fitch" ein. Rund um den Breidenbacher Hof haben sich die unterschiedlichsten Flagship-Stores etabliert. In dieser Entwicklung liegen aus Sicht von Vanessa Meulendik-Bazzo auch genau die Ursachen für die ausbleibende Verlängerung ihres Mietvertrages. "Wir haben natürlich ganz andere Konditionen. Ich zahle nicht die Miete, die Chanel oder andere zahlen würden."

Sie weiß, dass sie den Lauf der Dinge nicht ändern kann. Aber sie ist enttäuscht vom Vorgehen des Vermieters und hat im Moment überhaupt keine Idee, wohin sie mit ihrer Bar ausweichen könnte. "Ich möchte das Lokal irgendwie erhalten", sagt sie. "Aber wir brauchen die exklusive Innenstadtlage," Und natürlich stellt sie sich die Frage, wie es auf der Kö überhaupt weitergehen soll, wenn nicht mal mehr Platz für eine Bar wie ihre ist. "Wir bedienen das exklusive Publikum", sagt sie. Champagner aller Sorten oder Cocktails und Longdrinks an lauen Sommerabenden auf der Terrasse – das wird es bald nicht mehr geben, so wenig wie die legendären Heiligabend-Feiern: Der 24. Dezember ist auch der Geburtstag ihres Vaters Vittorio, der immer noch an ihrer Seite mitarbeitet.

Was nach dem Auslaufen ihres Mietvertrages mit Tinos Bar passieren soll, weiß Vanessa Meulendik-Bazzo nicht. Und der Vermieter, der es wissen müsste, hält sich bedeckt. Vom Sprecher der Trinkaus-Bank, Steffen Pörner, gibt es keinen Kommentar. Nur so viel ist zu erfahren: "Wir sind im Zuge all der Entwicklungen auf der Westseite der Kö in Vorüberlegungen, wie wir die Trink-aus-Passage modernisieren und aufwerten können." Es ist davon auszugehen, dass nicht nur mit den Betreibern des "Tino" ", sondern auch mit deren Nachbarn in der Passage gesprochen wird. Pörner bleibt auch an dieser Stelle zurückhaltend: "Ich kann nur bestätigen, dass wir Vermieter der Trinkaus-Passage sind. Zu Mietverhältnissen im einzelnen sagen wir nichts."

Vanessa Meulendik-Bazzo wird nichts anderes übrigbleiben, als sich nach einem alternativen Standort umzusehen oder darauf zu hoffen, dass das Konzept ihrer exklusiven Piano-Bar vielleicht in die so genannten Vorüberlegungen der Bank einfließen kann. Im Moment graut ihr allerdings noch mehr vor den Bautätigkeiten der nächsten Monate. "Wenn nebenan abgerissen und gebaut wird, wird das auch Einfluss auf unser Terrassengeschäft haben."

Quelle: RP