Raucherclubs

Wut statt Toleranz

Raucherclubs: Wut statt Toleranz Raucherclubs: Wut statt Toleranz Foto: rpo
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Raucherclubs: Wut statt Toleranz Ein Ärgernis für die einen, für die anderen die Chance zum geschäftlichen Überleben: Fast noch mehr als das Nichtraucherschutzgesetz entzweien die Raucherclubs, die in Düsseldorfer Gaststätten wie Pilze aus dem Boden schießen, Raucher und Nichtraucher. Die Politik ist ratlos. Wirte, die nach dem 1. Juli ihre Lokale zu Vereinslokalen flugs gegründeter Raucherclubs erklärten, „verhohnepiepeln das Nichtraucherschutzgesetz“, sagt Rainer Hollstein. „Der Hotel- und Gaststättenverband bietet seinen Mitgliedern ein fragwürdiges Modell als Ausnahmeregelung an - das schafft keine Toleranz, sondern Wut über so viel Dreistigkeit.“ Die Clublösung sei eine „schallende Ohrfeige“ für all die Wirte, die für viel Geld Raucherräume einrichten, um dem Gesetz Genüge zu tun.

Hollstein, selbst passionierter Zigarettenraucher, akzeptiert das Nichtraucherschutzgesetz, weil „der überwiegende Teil der Gesellschaft aus Nichtrauchern besteht“. Für alle anderen hat er schon vor einem Jahr einen Verein gegründet, der sich von den Raucherclubs, die seit Inkrafttreten des Gesetzes immer mehr Düsseldorfer Kneipen und Gaststätten bevölkern, deutlich unterscheidet.

Die derzeit knapp 100 Mitglieder im Porky’s Smokers Club zahlen Mitgliedsbeitrag (24 Euro im Jahr), haben ordentliche Clubausweise und exclusiven Zugang zur Club-Lounge an der Bahnstraße. Dort gibt’s regelmäßig Partys und Live-Musik, alles nicht öffentlich, versteht sich, Gäste der Vereinsmitglieder müssen Eintritt zahlen.

Die Lounge, betont Hollstein, ist keine Gaststätte. Draußen gibt’s weder Bierreklame noch Getränke- oder Speisekarte, stattdessen ein selbstgemalter Warnhinweis: „Rauchen kann tödlich sein.“ Von fünf Mitgliedern „gegründet zum Zweck des gemeinschaftlichen Rauchens von Tabakwaren aller Art“ hält sich der Club streng ans Vereinsgesetz. Demnächst, sagt Hollstein, „funktioniert der Türöffner für Mitglieder per Fingerabdruckkontrolle“.

Manfred Rieger im Gangelshof hat „vielleicht eine halbe Stunde“ über die Raucherclub-Lösung in seiner Oberbilker Gaststätte nachgedacht, die irgendwo zwischen Eckkneipe und Speiserestaurant beliebter Treffpunkt im Stadtteil ist. Er hat sich entschieden, sich ans Gesetz zu halten. Ein Raucherraum kam für ihn nicht in Frage, und so gehört der Gangelshof zu den letzten Gastrobetrieben in Oberbilk, die keinen Raucherclub beherbergen. „Ich habe viele neue Gäste gewonnen. Familien mit Kindern kommen jetzt mehrmals pro Woche zu uns,“ zieht er nach drei Wochen Bilanz. Wer rauchen will, geht vor die Tür. Das gilt aber bloß für die Gäste, Riegers Personal hat während der Arbeitszeit Rauchverbot. „Das sind die Einzigen, die damit ein Problem haben“ sagt der Wort lachend. Er sieht im Rauchverbot „eine große Chance - der Markt der Nichtraucher ist jedenfalls da“.

Das sieht auch Karin Kortmann so, die mit den unzähligen Raucherclubs nicht glücklich ist. „Ich bin sicher, dass diese Wirte sich verrechnen und gewaltige Einbußen haben werden“, sagt die OB-Kandidatin der SPD, die sich nach einem Wahlsieg alle Beteiligten an einen Tisch holen und nach einer einvernehmlichen Lösung suchen will. „Ich will nichts verbieten, habe auch Verständnis für die Wirte der kleinen Einraumkneipen, in denen hauptsächlich Raucher verkehren.“ Als Lösung schwebt Kortmann deshalb „etwas Pragmatisches vor, das keinen vor den Kopf stößt - eine rheinische Lösung eben“.

Gegenkandidart Dirk Elbers, der sich erst kürzlich vom „höllisch starken Raucher“ zum Nichtraucher entwöhnte, wird auch im Wahlkampf auf die Raucherclubs angesprochen. „Aber was sollen wir tun? Das Gesetz hat sie als Ausnahme nun einmal vorgesehen.“ Dass die Ausnahme in Düsseldorf fast als Regel erscheint, sieht der CDU-Politiker besorgt: „Das ist wirklich heftig, Ausgehen macht so keinen Spaß.“ Jetzt will er in der Verwaltung Möglichkeiten der Gegensteuerung „thematisieren“.

Quelle: rpo