Rauchverbot

200 Kneipen vor dem Aus

Rauchverbot: 200 Kneipen vor dem Aus Rauchverbot: 200 Kneipen vor dem Aus Foto: Hans-Juergen Bauer
Von |

Die rot-grüne Landesregierung will das Rauchen in Kneipen und Gaststätten im neuen Jahr ausnahmslos verbieten. Bei den Düsseldorfer Eckkneipenbetreibern geht die Angst um. Laut Gastwirteverband Dehoga sind 200 der 500 Düsseldorfer Kneipen dadurch in ihrer Existenz bedroht.

Aleksandar Kolevski betreibt mehrere Eckkneipen in Düsseldorf, darunter das Kepler-Eck in Friedrichstadt und das Cranach-Eck in Flingern. "Meine Gäste lieben es, beim Bier eine Zigarette zu rauchen. Deswegen kommen sie zu mir", sagt der Gastwirt.

Raucher (image/jpeg) Gastwirtin Juliane Henning hinter der Theke in der Bar Konvex in Friedrichstadt. „90 Prozent meiner Gäste sind Raucher“, sagt die 38-Jährige. „Wenn alle künftig zum Rauchen für die Tür müssen, ist die Atmosphäre futsch.“ Kritiker des absoluten Rauchverbots warnen vor einem Kneipensterben. Mit Angst blickt Kolevski auf die Pläne der rot-grünen Landesregierung, das Rauchen in Kneipen ganz zu verbieten. "Ein Rauchverbot wäre für mich existenzbedrohend", sagt Kolevski. "Dann kann ich zum Sozialamt gehen und meine 17 Mitarbeiter vielleicht auch."

Welche Auswirkungen ein Rauchverbot für Eckkneipen hat, hat er gerade erst selbst erfahren müssen. "Ich war bis Silvester Pächter der Bar Melone. Dort musste ich ein Rauchverbot erlassen, weil die Kneipe nicht mehr unter die 70-Quadratmeter-Ausnahmeregel fällt. Danach ist der Umsatz um 40 bis 50 Prozent eingebrochen. Die Ausgaben waren plötzlich größer als die Einnahmen", sagt Kolevski. Gestern hat er das Lokal an einen anderen Pächter abgegeben.

Verbot bereits Mitte 2012

Die rot-grüne Landesregierung hat dem Rauchen in Kneipen jetzt den Kampf angesagt. Im Gaststättenbereich soll ein "uneingeschränktes Rauchverbot" gelten. Bisher mögliche Ausnahmen für Brauchtumsveranstaltungen (Karneval, Schützenfeste) sowie für Festzelte und Raucherclubs werden aufgehoben; die Einrichtung von Raucherräumen "ist nicht mehr möglich". Dies geht aus einem Gesetzentwurf der Regierung von Hannelore Kraft (SPD) hervor.

Nichtraucherschutzgesetz soll verschärft werden: Rauchverbot: Wirte resigniert Nichtraucherschutzgesetz soll verschärft werden Rauchverbot: Wirte resigniert Zum Artikel » Der Gastwirteverband Dehoga schlägt Alarm. "In Düsseldorf gibt es 500 betroffene Gaststätten. 200 davon wären von einem absoluten Rauchverbot in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht", sagt Rainer Spenke, Geschäftsführer des Dehoga Nordrhein. Viele Gäste der Eckkneipen blieben lieber zu Hause als in eine Kneipe zu gehen, in der sie nicht rauchen dürfen. Außerdem machten Gäste, die regelmäßig zwecks Raucherpause vor die Tür gehen, deutlich weniger Umsatz, sagt Spenke.

Seit 2007 betreibt Juliane Henning das Konvex an der Oberbilker Allee. Die Bar ist eine typische Eckkneipe mit jungem und mittelaltem Publikum. "90 Prozent meiner Gäste sind Raucher", sagt Henning. Die Versuche, das Rauchen weiter zu beschränken oder in Kneipen ganz zu verbieten, sieht sie sehr kritisch: "Eine Zigarette zum Bier ist für meine Gäste eine Form von entspannter Gemütlichkeit. Wenn alle zum Rauchen vor die Tür gehen müssen, ist diese Atmosphäre futsch", so die 38-Jährige. Sie hält eine Verschärfung zum Schutz der Nichtraucher für nicht notwendig. "Es gibt Raucher- und Nichtraucherkneipen. Jeder hat die Wahl, kein Nichtraucher wird gezwungen, in unsere Bar zu kommen", sagt Henning.

Außerdem fürchtet sie den Ärger der Nachbarn. "Wenn nur fünf meiner Gäste abends vor der Tür stehen und sich beim Rauchen unterhalten, dann ist das für die Nachbarn irre laut", sagt Henning. Da gebe es schnell auch Ärger mit dem Ordnungsamt. Ein Rauchverbot in Kneipen träfe vor allem ältere Gäste, die nicht mehr gut zu Fuß sind", meint Anna Komar, Kellnerin in einer Bilker Bar.

Auch für Patrick Zielonka zählen Raucher zu den Stammgästen. Der Franzose ist Inhaber und Koch des Restaurants "Le Bouchon" an der Blücherstraße in Pempelfort. Erst im Mai hat er sein Restaurant nach aufwendigen Renovierungsarbeiten eröffnet. Einen fünfstelligen Betrag steckte er in einen separaten Raum für Raucher. "Viele Gäste kommen nicht nur wegen des Essens zu uns, sondern auch, weil sie bei uns rauchen dürfen", sagt der Franzose. Er fürchtet, dass diese Gäste künftig fern bleiben. Die Folge wären starke Umsatzeinbußen.

Geht es nach dem Willen von Rot-Grün, soll das uneingeschränkte Rauchverbot bereits Mitte des Jahres in Kraft treten.

Quelle: RP