Regulierte Lautstärke in Clubs

Tanzen ohne taub zu werden

Regulierte Lautstärke in Clubs: Tanzen ohne taub zu werden Regulierte Lautstärke in Clubs: Tanzen ohne taub zu werden Foto: rpo
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Der drastische Anstieg der Schwerhörigkeit unter Jugendlichen hat in Berlin zur Regulierung der Lautstärke in Diskotheken geführt. Düsseldorfs Tanztempel sind da längst Vorreiter.

Wer in jüngster Zeit in die Disco gegangen ist, ins 3001 oder ins Zakk, der wird sich gewundert haben, dass man sich dort unterhalten kann, ohne schreien zu müssen. Düsseldorf ist leise geworden, leiser zumindest. Die 127 Dezibel (dB), die bei einer aktuellen Studie über die Lautstärke von Musikveranstaltungen in einer bayerischen Diskothek gemessen wurden, wird hier jedenfalls niemand ertragen müssen. Der Grund sind neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, die Sorge um die Gäste - und die Angst vor Klagen.

Am Arbeitsplatz ist das Tragen eines Gehörschutzes ab 85 dB seit Februar 2006 gesetzlich vorgeschrieben. Zum Vergleich: Das Betriebsgeräusch eines Presslufthammers liegt bei 120 dB. Bei Musikveranstaltungen wird dieser Schallpegel oft überschritten. Lärm mit einer Lautstärke von mehr als 85 dB auf das ungeschützte Ohr führt bereits nach wenigen Stunden zu einer vorübergehenden Hörstörung. Besonders für Jugendliche kann das schwerwiegende Folgen haben. Allein in Berlin hat sich 2007 die Zahl der Hörgeräteverordnungen für 15- bis 30-Jährige im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Viele Clubs der Bundeshauptstadt gehen daher freiwillig und mit viel Werbeaufwand dazu über, den Schallpegel zu drosseln und eine Lautstärke von 99 dB nicht zu überschreiten.

Doch im Grunde macht die Haupstadt nur nach, was Düsseldorf vorgemacht hat. Hier war man in Sachen Lärmschutz Vorreiter. „Vor Jahren schon hat es angefangen, dass etliche Bands und Veranstalter von Gästen wegen zu hoher Lautstärke verklagt wurden, weil sie körperliche Schäden davongetragen hatten“, erinnert sich Miguel Passarge vom Team des zakk. „Deshalb achten wir immer darauf, innerhalb des gesetzlich erlaubten Lautstärkebereichs zu bleiben.“ Das zakk verfügt schon seit der damaligen Klagewelle über ein Dezibel-Messgerät. Auch im Altstadtclub Pretty Vacant wird über das Wohl des Gästegehörs gewacht. „Unsere Anlage ist top-modern“, erklärt Clubbetreiber Alex Brassel. Hier schützt eine digitale Bremse, ein so genannter Frequenz-Limiter, Ohren und Technik.

Ähnlich wird die Lautstärke im 3001 im Medienhafen geregelt. Hinzu kommt die Verkleidung mit Schallschutzplatten: „Das ergibt einen klaren Klang, der nicht übersteuert“, sagt Chef Fabian Veldmann. Eine lohnende Investition: Denn wer ohne Fiepen in den Ohren die Disco verlässt, kommt gerne wieder.

Quelle: rpo