Rheingoldsaal

Ricardo Villalobos feiert die Nacht

Rheingoldsaal: Ricardo Villalobos feiert die Nacht Rheingoldsaal: Ricardo Villalobos feiert die Nacht Foto: L*Étoile PR
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Er ist einer der prominentesten und besten DJs der Welt: Ricardo Villalobos legt Samstag im Rheingoldsaal am Hauptbahnhof auf. Seine Sets sind mitreißend und ungewöhnlich emotional - und sie dauern schon mal 20 Stunden.

Das alles macht Ricardo Villalobos: Glück, Gleichheit, Ekstase, Freiheit, Freude, Euphorie. Er macht das, indem er Platten auflegt, und er macht das morgen im Rheingoldsaal am Hauptbahnhof, und wer erleben will, mit welcher Wucht die Mischung aus Rhythmus, Rhythmus, nochmal Rhythmus und ein bisschen Melodie eine tanzende Menge in verschiedene Gefühlszustande transformieren und über den Alltag erheben kann, der soll bloß hingehen zu Ricardo Villalobos. Allerdings darf man sich nichts vornehmen am nächsten Tag, denn die DJ-Sets von Villalobos dauern schon mal 20 Stunden - zum „Tatort“ am Sonntagabend schafft man es also so gerade.

Villalobos ist einer der drei, vier DJ-Superstars aus Deutschland, die jährlich mehr Flugkilometer sammeln als ein Pilot, weil sie an jedem Wochenende woanders in der Welt auflegen. Man kann Villalobos schlecht einordnen, Autoren-Techno, sagen manche, ein Spielkind sei er, ein Freigeist, meinen andere. Er beginnt oft mit stark reduzierten Stücken, Minimal-Techno, entwickelt dann aber eine eigene Dynamik, mischt den Tracks Gesang bei, fügt folkloristische Percussion hinzu, legt mal einen Hit auf, Dubstep auch, und lässt das Ganze in einer Klangfläche mit südamerikanischem Einschlag verebben. Das ist oft spektakulär, was er macht, meistens ungewöhnlich und immer ein Erlebnis - und obwohl Villalobos die Tänzer gern mit harten Beats peitscht, kann man nicht anders, als seinen Stil so zu beschreiben: romantisch.

Der 39-jährige Berliner kam mit drei Jahren aus Chile nach Deutschland, seine Eltern verließen die Heimat wegen des Militärputsches. Sein Vater fand einen Job am Frankfurter Flughafen, und im Airport-Gebäude gab es damals das „Dorian Gray“, eine der großen Discos der 80er Jahre. Mit 15 betrat Villalobos sie zum ersten Mal, danach war es um ihn geschehen, er war süchtig - nach Techno und House, nach Beats und der Masse, nach dem Gemeinschaftserlebnis des Tanzens und der Feier der Nacht. Heute legt er regelmäßig in Sven Väths edlen „Cocoon-Club“-Dependancen in Frankfurt und auf Ibiza auf und im „Robert Johnson“ in Offenbach und in der „Panorama Bar“ in Berlin und morgen dann auch in Düsseldorf.

Im Gegensatz zu vielen anderen guten DJs ist er außerdem ein sehr guter Produzent. „Fizheuer Zieheuer“ heißt sein letzter großer Hit; er ist über 30 Minuten lang und läuft über zwei Platten-Seiten - Villalobos darf sich alles erlauben.

Zur Vorbereitung auf morgen Abend sollte man sich das 2003er Album „Alcachofa“ anhören, sein Meisterwerk, vor allem die Stücke „Dexter“ und „Easy Lee“.

Aber Vorbereitung ist eigentlich egal. Wichtiger: hingehen, ihn machen lassen, sich glücklich machen lassen.

Liga Elektronika „Extra“ im Rheingoldsaal am Freitag, den 9. November ab 22 Uhr; Eintritt: 12 Euro.

Quelle: rpo