"Schoßgebete"

Ein Sonntagabend mit Charlotte Roche

"Schoßgebete": Ein Sonntagabend mit Charlotte Roche "Schoßgebete": Ein Sonntagabend mit Charlotte Roche Foto: DDP
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Sonntag. Der perfekte Wochentag, um etwas mehr über Blow-Jobs, den ehelichen Sex und Sperma zu erfahren. Das dachten sich die zahlreichen, gespannten Gäste des proppevollen Savoy Theaters, die zur Lesung von Charlotte Roches neuem Bestseller "Schoßgebete" gekommen waren.

Neues Buch: "Schoßgebete" von Charlotte Roche – viel Lärm um wenig Neues Buch "Schoßgebete" von Charlotte Roche – viel Lärm um wenig Zum Artikel » "Herzlich Willkommen bei meiner Lesung – ich kann Ihnen versichern, dass ich bei den ersten Lesungen schon ordentlich geübt hab. Das war also Petting. Und heute ist dann mit Reinstecken und so“, begrüßte die 33-jährige Bestseller-Autorin ihr Publikum im Blümchenkleid mit Umhang ("Superman-Kleid" nannte sie übrigens selbst ihr gelungenes Outfit), apricotfarbenen High-Heels und jeder Menge Tattoos auf den Armen. Vertreten waren von 20 bis 60 Jahren wohl alle Altersklassen. Denn auch in ihrem neuen Roman spricht Charlotte Themen an, die jeden Menschen beschäftigen, über die aber keiner wagt, so offen zu sprechen wie sie.

"Wo andere aufhören, weil es ihnen zu peinlich ist, da fängt mein Interesse erst an. Ich zoome in Details rein - mit einer Grubenlampe auf dem Kopf.“

So beschreibt die 33-Jährige selbst ihre detailgetreue Wiedergabe der sexuellen Erfahrungen ihrer neuen Hauptperson Elisabeth. Und damit sind wir auch schon beim Thema. Elisabeth und ihr Mann Georg sind seit Jahren verheiratet und leben gemeinsam als eine Patchwork-Familie zusammen. Eine perfekte Grundlage also, um Themen wie den ehelichen Sex einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Charlotte Roche beginnt die Lesung mit den ersten zwanzig Seiten ihres Romans, die sich in gewohnter Offenheit dem Vorspiel zwischen Elisabeth und Georg widmen. Die absolut charismatische Autorin lässt dabei natürlich keine Gelegenheit aus, ihre seitenlange Beschreibung des Blow-Jobs auch mit Gestiken anschaulich zu illustrieren. Und wird für diese Lockerheit mit einem komplett begeistertem Publikum entlohnt. Denn was Charlotte Roche hier abliefert, ist mehr als eine bloße Lesung. Es ist vielmehr pure Stand-Up Comedy. Und die ist um Längen besser als die immer gleichen Witze über Mann und Freundin von Mario Barth.

Sonntag im Savoy Theater: Ehelicher Sex: Charlotte Roche liest aus "Schoßgebete" Sonntag im Savoy Theater Ehelicher Sex: Charlotte Roche liest aus "Schoßgebete" Zum Artikel » Wahrscheinlich, weil die Autorin den Menschen aus der Seele spricht und dabei authentisch - aber auch respektvoll - Fragen nachgeht, mit denen sich viele beschäftigen. Ist eine Ehe kaputt, wenn es im Bett nicht mehr läuft? Wie kann ich mein Sexualleben vor meinen Kindern geheim halten? Und: Liebt mich mein Mann auch, wenn ich nicht jede seiner sexuellen Phantasien teilen möchte?

Wer jetzt denkt, Charlotte Roche gebe in ihrem neusten Roman eine Anleitung zum perfekten Sex, der liegt jedoch falsch. Nachmachen soll man die Handlungen ihre Charaktere nämlich nicht: "Boa, ich will mir gar nicht vorstellen was passiert, wenn jemand denkt, er müsse sich wie zum Beispiel in Feuchtgebiete Avocado-Kerne vaginal einführen. Derjenige stirbt ja an einer bakteriellen Vergiftung.“ Und so steht sie auch generell kritisch zu den Hauptpersonen ihrer beiden Romane: "Ich würde Elisabeth manchmal gerne ausschimpfen für das, was sie tut. Von meiner feministischen Sichtweise aus gesehen, ist die Art, wie sie in dieser viel zu symbiotischen Ehe handelt, nämlich alles andere als richtig.“

"Ich liebe meine Therapeutin!"

Neben dem Geschmack und Geruch von Sperma und gemeinsamen Besuchen im Puff von Elisabeth und Georg, sind es aber auch ernste und traurige Themen, mit denen sich die Autorin sowohl im Buch als auch in der anschließenden "offenen und ehrlichen Fragerunde“ beschäftigt. So macht sie kein Geheimnis daraus, dass sie selbst wegen Depressionen in Therapie ist und nicht immer die lustige Charlotte ist: "Meine Freunde und meine Familie erleben mich ganz anders. Im Prinzip bin ich sowas wie ein depressiver Clown. Wenn ich aber unter Fremden bin, so wie bei einer Lesung, dann fallen alle Ängste vor einer Katastrophe von mir und dann will ich ihnen ja auch eine lustige Show bieten.“

Und das tut sie auch. Mit solchen offenen Antworten überrascht sie das sehr an ihrer Person interessierte Publikum geduldig eine ganze Stunde lang. Doch anschließend wollen alle nur noch Eins: eine Signatur in ihre mitgebrachten Bücher. Apropos Bücher, "Schoßgebete“ ist nicht ihr letzer Roman. In ihrem nächsten Buch will sie sich Themen wie Cellulite, dem weiblichen Körperfett und anderen Themen widmen, die ihr auf der Seele liegen. Wir dürfen also gespannt sein.

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