Tokio Hotel in der Philipshalle

„Wir lieben alles - außer Georg“

Tokio Hotel in der Philipshalle: „Wir lieben alles - außer Georg“ Tokio Hotel in der Philipshalle: „Wir lieben alles - außer Georg“ Foto: RP (Thomas Busskamp)
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Düsseldorf (RP). Sie sind zwischen zehn und 15 Jahre alt - kaum jünger als die Band, für die sie am Donnerstag Stunden lang im Kalten standen. Für die fast ausschließlich weiblichen Tokio Hotel Fans war der Schneeregen so warm wie der Monsun, den ihre Idole besingen. „Lasst uns rein, lasst uns rein“ - so gegen 15 Uhr haben die meisten der Mädels die Nase schon voll vom Regen. Denn es ist nicht der warme Monsun, den Tokio Hotel besingen.

Sondern bloß schmuddeliger Düsseldorfer Schneeregen. „Uns ist kalt“, skandieren die Teenies, die so dicht nach vorne drängen, dass für Kälte eigentlich kein Platz mehr ist. Sogar die Thermo-Folien, die das DRK verteilt hat, passen kaum zwischen die Mädchen.

Resi Gärtner aus Düren ist schon seit Viertel nach Fünf da. Die 50-Jährige hat ihren Hund „Two“ in ein Jäckchen gehüllt, zieht einen Trolley mit Brötchen, Kakao und Iso-Matte hinter sich her. Und hofftin einem Trolley. Jetzt hofft, „dass es hier einen Elternhort gibt, in dem ich auf Kristina warten kann.“ Die Cafés und Büdchen um die Philipshalle kennt sie nämlich schon. Da hat sie sich tagsüber aufgewärmt, während Tochter Kristina vor der Halle auf Einlass wartete - der ist für 17 Uhr angekündigt. Kristina ist 13 und hat einen 600 (!) Seiten langen Brief an Tom, Bill, Gustav und Georg geschrieben. „Da war sie wenigstens zuhause,“ sagt die Mutter nachsichtig. Früher hätte sie für Pink Floyd dasselbe getan.

Wurfmaterial haben auch Anna (12), Jasmin (13) und die Duisburgerinnen Michelle (15) und Andrea (14) mit: rote Plüschherzen und Stofftiere, alle mit Schildchen versehen: „Von Michelle für Bill“. Außerdem haben sie ein Poster selbst gemalt. Was sie an der Band toll finden? „Alles außer Georg.“ Der Bassist, mit demnächst 19 der älteste der Band, sei nämlich hässlich. Kriegt zwar auch ein Stofftier. Aber nur ein ganz Kleines.

Maria, Katja und Saskia aus Köln stehen erst seit zwei Stunden im Regen. Aber die Jungs aus Magdeburg sind’s ihnen wert. „Die sehen so toll aus“, schwärmen die Fans, die seit dem Hit „Durch den Monsun“ auch die Musik „ganz toll“ finden.

Auf die Musik von Tokio Hotel steht auch Christopher aus Plettenberg. Damit steht der 14-Jährige nicht nur daheim bei seinen Kumpels ziemlich allein da: Auch vor der Philipshalle ist er ziemlich einsam unter all den Mädchen, denen die Liebe zu Bill, Gustav und Tom ins Gesicht geschrieben steht. „Meine Freunde finden doof, dass ich her gefahren bin. Aber ich hör das lieber als Rap.“

Im Gegensatz zu Adalbert Mroz. Der mag’s gar nicht. Trotzdem kennt er die Namen von immerhin drei Bandmitgliedern. Das hat er von Melanie gelernt. Weil seine 13-jährige Tochter ein braves Mädchen ist auf dem Gymnasium gute Noten schreibt, hat der Arnsberger Melanie zu Weihnachten mit dem Ticket überrascht. Jetzt hat er im Gedränge Frau und Kind verloren. Und schaut misstrauisch auf das kreischende Gewühl hinterm Absperrgitter: „Ich mach mir Sorgen.“ Um 16.40 Uhr gibt dann auch die Security nach. Die breitschultrigen Männer haben eingesehen, dass sie gegen den unbändigen Willen hunderter verliebter Mädchen keine Chance haben, und öffnen die Türen. Vielleicht auch, weil sie wissen, dass in der Halle der Hormonpegel erst mal sinken wird. Um 18 Uhr spielt nämlich erst die Vorgruppe. BLOG27. Ein Mädchen-Duo.

Quelle: rpo