Viertel im Wandel

Verliert der Hafen sein Gesicht?

Viertel im Wandel: Verliert der Hafen sein Gesicht? Viertel im Wandel: Verliert der Hafen sein Gesicht? Foto: RP, A. Bretz
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Der Hafen wandelt sich: Auf der Landzunge, wo einst Strandkörbe lockten, sollen bald Wohntürme stehen. Hohe Mieten zwingen Geschäftsleute aufzugeben und öffnen Tür und Tor für die großen Gastronomie-Ketten. Sieht es auf der Szenemeile bald aus wie überall sonst?.

Veränderung war schon immer Programm im Medienhafen. Dort, wo bis 2006 „Monkey’s Island“ mit Strandleben lockte, haben Ende vergangener Woche die ersten Arbeiten für den Bau der „Königskinder“ begonnen. Trendiges Wohnen am Wasser soll in zwei Türmen auf der Landzunge Speditionstraße spätestens 2010 möglich sein und Leben in den Hafen bringen. Dass das bitter nötig ist, denken inzwischen auch viele Anwohner und Geschäftsleute. Sie sorgen sich um die Attraktivität des Standortes: Alteingesessene Lokale schließen, zwei von drei Discotheken machten im vergangenen Jahr zu. Und immer mehr Ketten schlagen ihre Zelte auf: „Starbucks“, „Subway“, „Woyton“, „Oehme“ - einige haben an der Hammer Straße schon lange Filialen.

Jetzt kommt „Maredo“. Wo bis vor kurzem japanische Küche angeboten wurde, eröffnet der Gastronomie-Riese ein großes brasilianisches Steakhaus. Das Café „Minol“ in der ehemaligen Tankstelle an der Wupperstraße, eine Hafen-Kneipe der ersten Stunde, hat den letzten Winter nicht überlebt. Seit drei Monaten ist es geschlossen. Wird Düsseldorfs Szeneviertel bald aussehen, wie jede andere Touristenmeile?

Das würde Mirko Weimer nicht wundern: „Die hohen Mieten können nur noch die Ketten bezahlen, Individualisten müssen da passen“, sagt der Geschäftsmann, der gemeinsam mit seiner Frau Vera an der Erftstraße das Catering-Unternehmen „Ess-Klasse“ betreibt. An der Hammer Straße zahle man inzwischen fünfstellige Mieten. Da müsse ein großes Lokal schon so gut laufen wie das „Eigelstein“. Das Kölsch-Lokal trifft mit dem „Brauhaus-Stil“ den Zeitgeist, bietet auch Mittagstisch an und ist immer gut besucht. Auch die „Ess-Klasse“ läuft gut, denn Mirko und Vera Weimer haben früh verstanden, dass sich im Hafen vorwiegend in der Mittagspause Geld verdienen lässt. Das Geschäft hat nur zwischen 12 und 15 Uhr geöffnet und manchmal stehen die Kunden bis auf die Straße, so wie beim italienischen Feinkostgeschäft gegenüber. Viele Geschäftsleute bedauern, dass das Hafenfest und der Fischmarkt nicht im Viertel geblieben sind.

„Gastronomie ist das einzige, was hier läuft“, sagt Jörg Laaks. Er wohnt seit 20 Jahren im Hafen, hat viele Läden kommen und schnell wieder gehen sehen: ein Lebensmittelgeschäft, ein Weinladen, eine Boutique. Nichts war von Dauer. „Die Medienmeile blendet viele. Sie denken, hier kann man gute Geschäfte mit hochwertigen Produkten machen. Aber das ist eine Fehleinschätzung.“

Wer im Hafen nicht mit hohen Mieten kämpft, plagt sich mit Anwohner-Beschwerden herum. Diese Erfahrung hat Michael Meyer, Geschäftsführer des „Trockendocks“ an der Stromstraße, gemacht. Der Füchschen-Brauerei-Ausschank hatte Anfang des Jahres neu aufgemacht - und musste direkt wieder schließen und umbauen: „Wir haben eine Schallschutz-Decke eingezogen.“ Jetzt hofft Meyer auf den Sommer und bedauert, dass es Fischmarkt und Hafenfest nicht mehr geben wird.

Quelle: rpo