Wirte prüfen Sicherheitssysteme

Kontrollen gegen Bier-Betrug

Wirte prüfen Sicherheitssysteme: Kontrollen gegen Bier-Betrug Wirte prüfen Sicherheitssysteme: Kontrollen gegen Bier-Betrug Foto: RP/Werner Gabriel
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Nach dem Betrug im "Schlüssel" überprüfen viele Wirte ihre Sicherheitssysteme – damit sie oder die Gäste nicht geschädigt werden. Fässer werden nummeriert, Material und Umsatz hochgerechnet.

Die Wirte der großen Düsseldorfer Gastronomie-Betriebe sehen sich als Konkurrenten und sind nicht gerade in Freundschaft verbunden. Aber in einer Sache sind sie sich einig: "Die Kreativität möglicher Betrüger in den Betrieben ist extrem hoch" und "Vor Beschiss ist keiner gefeit", sagten gestern zwei von ihnen. Und: "Über die verschiedenen Methoden könnte ich ein Buch schreiben."

Ein paar Beispiele: 1. Mitarbeiter einer kleinen Altstadtkneipe haben Flaschen Schnaps mitgebracht und verkaufen den Inhalt heimlich auf eigene Rechnung. 2. Ein Gastronom hat derzeit einen Rechtsstreit mit einem fristlos entlassenen Kellner, der die Reste aus zurückgehenden Gläsern zusammenpanschte und verkaufte. 3. Brauereien kennen Fälle von Wirten, die ihnen vertraglich abgesichert nur ihr Markenbier abkaufen und ausschenken sollen, aber in Großmärkten heimlich Billig-Biere erwerben und es unter dem Namen der bekannten Brauerei zapfen. Die Brauer wehren sich dagegen mit fahrbaren Laboren, in denen man verdächtige Biere untersucht. 4. Betrügerische Zapfer holen aus einem 25-Liter-Fass 30 Liter Bier - in den Gläsern ist viel Schaum. Für die fünf Liter Schankgewinn kassieren sie das Geld, der Wirt merkt nichts, da er korrekt den Umsatz eines 25-Liter-Fass bezahlt bekommt. 5. Zu vorgerückter Stunde wird angetrunkenen Gästen der Deckel frisiert – aus 20 Strichen werden 25. Und wenn's auffällt, entschuldigt man sich für den Irrtum.

Nach dem Bekanntwerden des Betruges in der Hausbrauerei "Zum Schlüssel" besteht bei den großen Betrieben allerdings auch die Übereinstimmung, dass man einen Betrug in diesem Umfang (Schaden rund 1,1 Millionen Euro) über einen so langen Zeitraum nicht hätte übersehen können. Da sind sich Helga Krümpelmann (Finanzfachfrau im Füchschen), Thea Schnitzler-Ungermann (Schumacher), Michael Schnitzler (Uerige) und Rolf Klostermeier (Schiffchen, Altstadt) einig. Sie alle haben umfassende Kontrollsysteme in ihren Abrechnungen, regelmäßig werden Materialzahlen und Umsätze abgeglichen und hochgerechnet – um sich und die Gäste zu schützen.

So haben die Hausbrauereien beispielsweise alle Fässer nummeriert. Jedes volle Fass wird entsprechend registriert, wenn es vom Brauer zum Ausschank geht – und am nächsten Tag muss auf der Abrechnung der Kasse die passende Menge an gezapften Gläsern auftauchen. Ähnlich mit den Waren, die in die Küche gehen, dort verarbeitet werden und auf den Teller der Gäste landen: Die Kellner erstellen Bons, gegen die die Küche ausliefert und später abrechnet. Allerdings wissen alle, dass die Kontrollen nicht nur regelmäßig, sondern auch häufig erfolgen müssen. Einige schauen täglich auf die Zahlen, andere wöchentlich. Hilfreich sind zudem moderne Kassensysteme, die eine Manipulation nahezu unmöglich machen. Das dachten wohl auch drei Kellner eines Betriebes, die nach Einführung eines solchen Systems kündigten: Schmu ging nicht mehr – und ehrliche Arbeit lohnte nicht.

Kriminelle Teams

Die größte Schwachstelle der Sicherheitssysteme tut sich auf, wenn innerhalb eines Betriebes mehrere Mitarbeiter gemeinsame Sache machen. Fällt das auf, verschärft das aber auch die Strafe, weil das Merkmal der „Bandenmäßigkeit“ die Schwere der Tat steigert. Im konkreten Fall im Schlüssel könnte das zutreffen.

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Quelle: rpo