Fünf Fakten

Das Büdchen als Lebensretter

Fünf Fakten: Das Büdchen als Lebensretter Fünf Fakten: Das Büdchen als Lebensretter Foto: RP/Andreas Endermann
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In Düsseldorf gibt es 650 Büdchen. Ein Glück, denn sonst wäre die Stadt nicht dieselbe. Fünf Fakten über die Lebensretter an der Straßenecke.

Nichts macht die Großstadt mehr zur Großstadt als das Büdchen. Es hat viele Namen: Trinkhalle, Kiosk, Stehcafé, Call-Shop. Alle sind Lebensretter (ohne Gewähr für langfristige Folgen). Büdchen sorgen dafür, dass man auch ohne minutiöse Planung durch den Tag und die Nacht kommt. Sie bewahren Raucher vor dem Entzug und versorgen fröhliche Runden mit Bier-Nachschub. Sie sind der Ort, an dem man morgens die Tasse Kaffee kauft und nachts, wenn sich auf dem Land Hase und Igel schon lange gute Nacht gesagt haben, noch eine Zeitschrift. Und sie sind der Mittelpunkt der Straße, für Gespräche über das Wetter und obskure Aushänge. Kurz: Büdchen halten die Stadt am Laufen.

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Das Büdchen ist eine schlechte Geschäftsidee. Der hohe Wert für die Kunden zahlt sich für die Betreiber selten aus. Die Arbeitszeiten sind überlang, die Umsätze gering. Die Zahl der Büdchen in Düsseldorf liegt konstant um 650. Allerdings bedeutet das nicht, dass sich jeder Betreiber halten kann. Es gibt auffallend viele An- und Abmeldungen. "Der eine Pleitier geht, ein anderer tritt an seine Stelle", sagt einer, der die Zahlen gut kennt. Dass inzwischen viele Supermärkte bis 24 Uhr öffnen, verschärft die Konkurrenz.

Das Büdchen ist die kleinste gastronomische Einheit. Dass es im Büdchen Kaffee aus Pappbechern gibt, ist nicht nur guter Service, sondern auch der Rechtslage geschuldet. Denn so gilt ein Büdchen als Schankwirtschaft – und ist nicht mehr an Ladenöffnungszeiten gebunden. Als, so heißt es im Gesetz, "kleinste gastronomische Einheit" dürfen Büdchen rund um die Uhr und auch an Sonntagen öffnen. Es gilt nur die Sperrstunde von 5 bis 6 Uhr, in der Altstadt nicht mal die.

Das Büdchen ist eine Düsseldorfer Erfindung (oder zumindest teilweise). Wer im Büdchen einkauft, kann sich damit rühmen, eine Tradition am Leben zu halten. Die ersten Trinkhallen entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts in den Industriestädten am Rand des Ruhrgebiets: in Aachen, Barmen und – Düsseldorf. Zunächst wurde in den Holzbuden aber nur Mineralwasser verkauft. Erst später kamen Spirituosen dazu. Heute haben die verschiedenen Bezeichnungen übrigens keine Bedeutung mehr: Ob sich ein Büdchen doch lieber Trinkhalle oder Stehcafé nennen will, ist dem Betreiber überlassen.

Das Büdchen ist der perfekte Ort für die Party von RP+. Das Team von RP+ feierte am 2. Mai das Erscheinen der ersten Ausgabe im Kiosk an der Ratinger Straße 48. Zu allem, was im Büdchen so Leben retten kann, gab es dort auch noch Live-Musik von der Band "From Major To Minor" und einen Hate-Slam mit den fiesesten Leserbriefen, die die Redaktion jemals erreicht haben.

Quelle: RP+