Interview mit Dorthe Kollo

"Wär ich doch in Düsseldorf geblieben!"

Interview mit Dorthe Kollo: "Wär ich doch in Düsseldorf geblieben!" Interview mit Dorthe Kollo: "Wär ich doch in Düsseldorf geblieben!" Foto: dpa
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Dorthe Kollo machte sich 1968 in dem Schlager "Wärst du doch in Düsseldorf geblieben" über den Düsseldorfer Playboy lustig. Wird's nicht mal Zeit für eine Entschuldigung?

Wissen Sie, wo ich den Song "Wärst du doch in Düsseldorf geblieben" zum letzten Mal gehört habe?

Dorthe Kollo: In einer Disco?

Nein, im Düsseldorfer Straßenkarneval. Das verwundert mich etwas, denn im Text kommt der Düsseldorfer nicht so gut weg.

Kollo: Andererseits sollte man mir einen Preis geben dafür, dass ich Düsseldorf so berühmt gemacht habe.

Ich habe die Vermutung, dass viele Düsseldorfer den Text nicht kennen und den Song für ein Loblied auf die Stadt halten. Also erklären Sie noch mal, worum es in dem Stück wirklich geht.

Kollo: Ich veräppel den Playboy aus Düsseldorf, der auf meiner Ranch in Texas an mich ran möchte.

Und dann auf ein Pferd steigt und runterfliegt.

Kollo: Was will so ein feiner Mensch hier auf uns'rer Ranch. Und er setzte sich aufs Pferd. Doch das Pferd war verstört. Und der Herr aus Germany flog in die Prärie.

Wie würden Sie den Düsseldorfer in diesem Lied denn charakterisieren?

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Kollo: Das ist ein richtig gut aussehender, geiler Playboy, der aber einfach nicht auf eine Ranch passt. Und dem sage ich: Bleib doch, wo der Pfeffer wächst.

Das ist aber nicht sehr nett.

Kollo: Aber es ist auch nicht gemein. Ich sag ihm: Du bist schon ein lieber Kerl, aber lassen wir mal die Kirche im Dorf. Ich habe immer diese augenzwinkernden Lieder gesungen.

Wollen Sie sich nach 46 Jahren nicht trotzdem beim Düsseldorfer Mann entschuldigen?

Kollo: Finden Sie? Ach, ich glaube, die Düsseldorfer Männer stehen noch immer auf mich. Ich brauche mich nicht zu entschuldigen. Man soll das alles nicht so ernst nehmen.

Aber warum haben Sie sich die Düsseldorfer Männer rausgepickt und nicht die aus München oder Köln?

Kollo: Weil ich zu der Zeit in Düsseldorf gelebt habe und der Autor des Liedes gedacht hat, dass Düsseldorf gut auf die Melodie passt.

Sie haben in Düsseldorf gelebt?

Kollo: Ja, und wunderbar auf der Königsallee eingekauft. Zu der Zeit habe ich dort gewohnt, weil René Kollo, mein damaliger Mann, als Sänger an der Oper gearbeitet hat.

Und hatten Sie keine Angst, dass die Düsseldorfer Sie aus der Stadt jagen würden?

Kollo: Alle haben sich damals vor mir verbeugt, die Türen gingen auf. Die Leute fanden das herrlich. Ich fahr noch heute gerne nach Düsseldorf.

Dann sehen Sie ja viele dieser Düsseldorfer Playboys.

Kollo: Natürlich, das sind superschöne Männer. Die haben Stil. Die wissen, wie sie sich anziehen müssen. Die sind einfach geil.

Warum ist das Lied so erfolgreich geworden?

Kollo: Es ist gut gemacht und gut von mir vorgetragen. Ich kann gut verstehen, warum sich damals so viele Platten von dem Lied verkauft haben.

Hätte es denn auch mit einer anderen Stadt funktioniert oder lag es auch an Düsseldorf?

Kollo: Das glaube ich schon, Düsseldorf ist einfach eine besondere Stadt. Man fühlt sich einfach wohl. Ich habe leider nur drei Jahre dort verbracht. Heute könnte ich singen "Wär ich doch in Düsseldorf geblieben".

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Sie sind nicht mit einem Düsseldorfer verheiratet, sondern mit einem Bremer Reeder. Was hat der dem Düsseldorfer Playboy voraus?

Kollo: Er ist ein wohlerzogener Hanseat, ein Mann der alten Schule, der einem die Autotür aufhält.

Über welche Männer würden Sie heute ein Lied singen?

Kollo: Ich mag Männer, die Golf spielen oder die wandern oder segeln, die pfiffig sind und Humor haben, die verrückte Dinge tun.

Also wieder über Düsseldorfer?

Kollo: Nein, das mache ich kein zweites Mal.

Quelle: RP+