Anstehen auf der Königsallee

"Isabel Marant pour H&M": Eine Schlange für Designermode

Anstehen auf der Königsallee: "Isabel Marant pour H&M": Eine Schlange für Designermode Anstehen auf der Königsallee: "Isabel Marant pour H&M": Eine Schlange für Designermode Foto: Andreas Endermann
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Sie kommen um 2 Uhr. Sie warten und haben dann nur 15 Minuten. H&M verkauft die Kollektion von Isabel Marant.

Wenn in Zeiten von Onlineshops sich morgens um 7 Uhr im beginnenden Winter vorbeihuschende Passanten verwundert nach einer langen Menschenschlange vor einem Bekleidungsgeschäft umgucken, dann kann das nur zwei Gründe haben: Entweder lockt der Schlussverkauf mit Wahnsinns-Angeboten oder H&M beginnt den Verkauf einer Designer-Kooperations-Kollektion.

"Isabel Marant pour H&M" - 14. November: Isabel Marant bringt französisches Flair zu H&M "Isabel Marant pour H&M" - 14. November Isabel Marant bringt französisches Flair zu H&M Zum Artikel » So stehen also an diesem Morgen etwa 100 Menschen vor der Filiale des schwedischen Modekonzerns an der Königsallee und warten und frieren. Frauen natürlich, die von einem Bein aufs andere hüpfen, obwohl sie dicke Wollmützen tragen – gern mit Pelzbesatz – und Parkas einschlägig bekannter Marken – auch gerne mit Pelzbesatz. Außerdem tragen sie UGG-Boots, damit ja die Füße beim Sturm nicht versagen.

Denn der wird kommen, dieser Sturm. Spätestens, wenn die H&M- Angestellten um 8 Uhr die Türen öffnen. Es ist aber auch aufregend. Isabel Marant hat schließlich diesmal mit H&M kooperiert, schon seit Wochen ist die Stadt mit Werbeplakaten der Kampagne zugepflastert. Normalerweise kosten die Shirts der Französin 300 Euro, heute sollte es sie für 60 Euro geben. Pia-Patricia Plahuta war schon um 2 Uhr vor Ort, "als eine der ersten", wie sie sagt. Mitten in der Nacht stand die Studentin mit zwei Kommilitoninnen auf der Kö.

Von der Aktion erfuhr die 21-Jährige in der Uni. "Ich habe vor Freude laut im Hörsaal aufgeschrien", sagt sie. Seitdem plant sie mit ihren Freundinnen den Einkauf generalstabsmäßig. Vorab wurden die Favoriten ausgesucht. "Wir haben uns systematisch aufgeteilt. Falls uns jemand in die Quere kommt, stellen wir ihm ein Beinchen", sagt sie. Und man kann sich in dem Moment nicht wirklich sicher sein, ob das ein Scherz ist.

Mehr Menschen kommen an die Königsallee, stellen sich an, einige ungläubig staunend. Denn, ja, auch Männer sind unter den Wartenden. So etwa einer, der seinen Namen nicht nennen will. "Ich kaufe ein Weihnachtsgeschenk für meine Freundin. Sie weiß nichts davon, dass ich hier bin." Der "Angestellte bei der Polizeiverwaltung" ist "erschrocken" über den Ansturm. Aber auch über sich selbst, wie er zugibt: "Dass ich mir das antue", sagt er noch. Irgendwann schließlich geht es doch los. Mit doppelt so vielen Mitarbeitern, wie es bei H&M hieß, die – damit alles fair bleibt – verschieden farbige Bändchen verteilen, die den Einlass zeitlich regulieren. 15 Minuten darf man sich im Damenbereich umgucken, dann kommt die nächste Gruppe. Doch Zeit spielt keine Rolle. Maria Hebel, die bereits dreimal an solchen Veranstaltungen teilgenommen hat, ist nicht einmal außer Atem: "Insgesamt habe ich neun Oberteile, ein Paar Schuhe und noch jede Menge Accessoires geshoppt", sagt sie. Insgesamt für circa 450 Euro. Auch Plahuta und ihre Freundinnen sind zufrieden. Die 21-Jährige hat eine graue Jogginghose gekauft – für 30 statt 130 Euro.

Ein Marant-Teil überlebt allerdings nicht mal den Ansturm der ersten Gruppe. Die grobe Strickjacke mit Fransen ist sofort weg. Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, muss auf den nächsten Coup warten. "Bereits am Mittag war fast alles weg", sagt die Geschäftsleitung.

Auch im Onlineshop prangt am Mittag unter den meisten Teilen bloß noch ein "Ausverkauft".

Quelle: RP