Die vielseitige Düsseldorferin Sabrina Kihm

Stiefel bestimmen ihren Weg

Die vielseitige Düsseldorferin Sabrina Kihm: Stiefel bestimmen ihren Weg Die vielseitige Düsseldorferin Sabrina Kihm: Stiefel bestimmen ihren Weg Foto: www.instagram.com/gypsella/

Sie ist ein ehemaliges Tennis-Talent aus Düsseldorf, dessen Lebensweg durch ein Paar Stiefel auf den Kopf gestellt wurde. Sabrina Kihm (Fotos, oben) spricht fließen sieben Sprachen. Zuletzt lernte sie „einfach mal eben“ türkisch, um sich mit Geschäftspartnern in der Landessprache unterhalten zu können. Wir wollten wissen, warum ein Paar Stiefel ihren beruflichen Werdegang prägte, welche Lieblings-Restaurants die Weltenbummlerin in Düsseldorf hat und warum sie wegen Corona in Südafrika festsaß.

Sabrina Kihm lebte mit ihren 31 Jahren schon in zehn verschiedenen Ländern. Aufgewachsen ist sie in Düsseldorf-Oberkassel. Daher ist es auch kein Wunder, dass vier von fünf ihrer Lieblingsrestaurants auf der linken Rheinseite liegen: Saittavini (Luegallee 79, Brasserie Hülsmann (Belsenstraße 1), Muggel (Dominikanerstraße 4), Alfie’s (Luegallee 132) und als einziges rechtsrheinisch: ROBERT. (Rathausufer 10). „Es gibt so viele tolle Restaurants in Düsseldorf. Meine persönliche Top 5 zeigt, wo man gut essen, aber auch eine tolle Atmosphäre genießen kann.“

Genossen hätte sie auch gerne die Atmosphäre auf den Tennis-Courts weiten Welt. An der Universität in Michigan (USA) bekam die talentierte Düsseldorferin ein Sport-Stipendium angeboten. „Meine Eltern sind Ärzte. Daher gab es Zuhause den Druck nicht irgendwelchen Träumen hinterherzujagen, sondern etwas Handfestes zu lernen“, blickt Sabrina traurig auf die eventuell verpasste, sportliche Chance zurück. Dafür absolvierte sie in vier verschiedenen Ländern ihr Wirtschaftsstudium und kam sehr jung viel rum. Nach einem Jahr USA folgte Italien (Bologna), Spanien (Madrid) und am Ende des Master-Ablschusses ein Jahr in Frankreich (Paris).

Heutzutage bestimmt sie ihr Leben selbst. Sie hat sich geschworen ihre Träume zu verfolgen und vieles auszuprobieren. Wie die Teilnahme an dem TV-Format „Are You the One?“ auf RTL, das kurz vor dem Lockdown in Südafrika gedreht wurde. Dummerweise wollte die 31-Jährige noch eine Woche länger vor Ort bleiben und verpasste so knapp die Rückkehr in die Heimat bevor alle Flugverbindungen gestrichen wurden. Doch die Oberkasslerin ist es gewohnt in fremden Ländern gut auszukommen, auch wenn aus einer Woche Urlaub über sechs Wochen Aufenthalt wurden: „Zum Glück kann von überall aus arbeiten. So habe ich den gesamten Online-Shop meiner Marke Bobobali auf Vordermann gebracht. Privat habe ich stark an mir selbst gearbeitet, viel meditiert und jeden Tag Sport gemacht und so während dieser Zeit fünf Kilo abgenommen.“

Moment? Bobo…was?

„Na, Bobobali!“, erklärt Sabrina Kihm: „Der Name ist zusammengesetzt aus Bobo und Bali. Bobo ist die Abkürzung der beiden Wörter bourgeois und bohémien - also eigentlich ein nicht vereinbarer Gegensatz. Als ich im Stadtteil Marais in Paris gelebt habe, war ich regelrecht besessen vom Bobo-Stil. Die Kombination aus schickem, echten Luxus, der elegant, aber immer noch rebellisch, wild, freigeistig, aber auch aufgeschlossen ist. Es ist die perfekte Mischung! Daher habe ich zu der Zeit gegoogelt, welche die besten Bobo-Restaurants sind und wo Bobo-Leute abhängen, um selbst ein Teil von ihnen zu werden. Das hat mich in Bezug auf den Namen und das Design meiner Marke stark inspiriert.“

Doch wie kam es zur eigenen Modemarke?

„Ich war auf dem Görres-Gymnasium direkt an der Königsallee. So ging ich jeden Morgen an Louis Vuitton, Prada, Chanel und allen anderen großen Namen vorbei. Das hat wohl einen gewissen Einfluss auf mich gehabt. Ich habe die Welt immer in vielen Farben gesehen und schon immer gedacht, dass es wichtig sei, sich durch aufmerksamkeitsstarke Kleidung auszudrücken. Was meinen persönlichen Stil angeht, war ich immer sehr extrem. Dabei war es schon in meiner Jugendzeit - neben professionell Tennis zu spielen - ein Traum, meine eigene Modemarke zu entwerfen.“

Der Traum vom Profi-Tennis ist zerplatz. Dann eben die Modemarke! Und so erzählt uns die junge Unternehmerin, wie die ganze Stiefel-Geschichte schon früh ihren Lauf nahm: „Es gibt ein Ereignis, das wichtig ist. Als ich mit 16 Jahren zusammen mit meiner Mutter an einem heißen Sommertag einkaufen war, kamen wir in einen Laden, der nur Sommerschuhe ausgestellt hatte. Logisch, mitten im Hochsommer. Doch dann standen da noch ein Paar Stiefel herum, die meine ganze Aufmerksamkeit auf sich zogen. Es war eine Marke ohne Namen, nichts Besonderes, aber ich hatte mir vorgestellt, die Boots mit Shorts und einem Rock zu tragen. Am nächsten Schultag fragten mich gefühlt alle, woher ich diese Stiefel hatte und sie liebten den Stil mit Shorts und Rock. Also bin ich nach der Schule wieder schnell in das Geschäft zurückgekehrt und habe alle Stiefel, die es gab aufgekauft. Drei weitere Paare in der Größe 38 und einen in 39. In den folgenden Wochen trugen immer mehr Mädels in meinem Umfeld Shorts, Rock und Stiefel, aber keine hatte dieselben wie ich. Es war ein Keilstiefel, aber der Keil bestand aus Espadrilles-Material. Der Stiefel war anders als alle anderen. Er war wirklich cool.“

Stiefel für zehn Jahre gekauft

Mit fünf Paaren war Sabrina Kihm für die nächsten zehn Jahre gut mit Stiefeln ausgerüstet und trug diese jeden Tag. Kein Wunder, dass irgendwann die ersten Löcher kamen, die Stiefel an einigen Stellen brachen und sich immer mehr abnutzten. Nach dem Master in Paris, begab sie sich auf eine einjährige Weltreise- und Arbeitstour. In Hongkong angelangt, war ihre letztes Traum-Paar Stiefel total zerschlissen. Sabrina war verzweifelt: „Ich bin nie auf den Gedanken gekommen, dass ich eines Tages ohne diese Stiefel auskommen müsste. Sogar der Straßenschuhmacher in Hongkong, der sonst alles repariert bekommt, weigerte sich seine Zeit an den Stiefeln zu verschwenden. Auch nicht als ich ihm mehr Geld bot. Nun wurde mir klar. Das Ende meiner Lieblingsschuhe nahte.“

Aber hey, kennt ihr das nicht? Manchmal trägt man seine Lieblingsschuhe ob Stiefel oder Sneaker so lange, wie sie noch irgendwie am Fuß hängen bleiben. So auch die junge Weltenbummlerin. Noch einige Wochen ging es gut, doch dann bekam sie Besuch aus Düsseldorf. Ihre Eltern kamen nach Asien und als ihre Mutter schockiert auf die Füße ihrer Tochter blickte, sagte sie Sabrina, wie peinlich das aussehen würde und dann einen Satz, der das Leben der jungen Düsseldorferin kurze Zeit später verändern sollte:

„Eines Tages wirst du diese verdammten Schuhe selbst produzieren, damit du sie tragen kannst!“

In dem Moment war ihr noch nicht klar, was das Schicksal mit ihr vorhatte. Denn eine Woche später war Sabrina Kihm in Vietnam unterwegs, wo sie zufällig der Mitarbeiter eines amerikanischen Reisekanals ansprach. Sie suchten eine Reisende, die sie interviewen und filmen konnten und gaben ihr eine Liste mit möglichen Aktivitäten. Zur Auswahl stand auch der Besuch einer Schuhfabrik. Da fiel es ihr erstmals wie Schuhe von den Augen: „Das war ein Zeichen! Ich dachte zurück an den Satz meiner Mutter und versuchte direkt vor Ort in Hanoi einen ersten Prototypen zu entwerfen. Allerdings war es ein totaler Misserfolg, aber die Idee war geboren!“

Wenig später reiste Sabrina Kihm nach Bali – der zweite Namensteil von Bobobali - wo sie sich dazu entschloss ihren Traum zu verwirklichen. Sie wollte eine Marke aufbauen mit ihrem legendären Traum-Stiefel. Also reiste sie zurück nach Italien. Denn bekanntermaßen kommen die besten Schuhe aus Italien. Eine Produktion dort wäre aber so teuer geworden, dass ihr das Risiko zu hoch war. Schade, denn neben spanisch, portugiesisch, französisch und englisch spricht sie auch fließend italienisch, was die gesamte Kommunikation vereinfacht hätte.

Doch wo sollte sie nun den Stiefel produzieren?

Bei einer früheren Reise durch Istanbul hatte sie einige Hersteller für Lederprodukte gesehen und sich daran zurückerinnert. Also ging es wieder in die Türkei, was für sie aufgrund der Sprachbarriere ein Problem war. Also erster logischer Schritt für Sabrina Kihm: Türkisch lernen. Schnell konnte sie sich in ihrer neuen Heimat verständigen und fand einen Schuh-Produzenten. Dabei kam ihr eine Idee. Sie arbeitete gleichzeitig mit mehreren Produzenten zusammen, da man in der Türkei für Prototypen nichts bezahlen musste:

„Großartig! Dachte ich. Ich könnte kostenlos zehn Paar Schuhe bekommen, diese für Fotoshootings nutzen und am Ende mit dem besten Produzenten weiterarbeiten. Doch leider klappte es nicht, wie erhofft.“ Denn alle Prototypen waren nicht so komfortabel wie ihr Traumschuh. Als ehemalige Leistungssportlerin hat Sabrina Kihm breite Füße, die ein bequemes Schuhwerk benötigen: „Ich wollte einen Schuh der perfekt auf meinen Fuß passt. Wenn der schon bei mir bequem sitzen würden, dann doch auch bei allen anderen!“ Doch es gab eine weitere Hürde. Der Prototyp wurde in allen Fabriken in derselben Form gefertigt und die Produzenten zeigten sich sehr unflexibel.

Und so musste eine neue Fabrik her. Irgendwann belauschte sie in einer weiteren Schuhfabrik das Gespräch von zwei Italienern, die den 3D-Druck für Schuhe erwähnten. Das sollte doch die Lösung sein! Kurze Zeit später kam die erste Form aus dem 3D-Drucker, der die Schuhe nach der Form ihrer Füße herstellte. Es folgte ein kleiner Jubel-Tanz und Sabrina strahlte, als hätte sie gerade Wimbledon gewonnen. Denn die Stiefel passten perfekt! Einziger Wermutstropfen: Die Herstellung war sehr, sehr teuer. Also musste ein neuer Plan her und so war eine neue Idee geboren: Die von austauschbarem Schuh-Zubehör: „Wenn Schuhe aus mehreren austauschbaren Teilen bestehen, sind sie flexibler, nachhaltiger und am Ende auch günstiger. Denn anstatt einen komplett neuen Schuh nachzukaufen, benötigt man nur neues Zubehör. Man kann so auch den Stil verändern und braucht keine weiteren paar Schuhe zu kaufen - lediglich andere Varianten der austauschbaren Teile.“

Der Traum wird allmählich wahr: „Ich habe für mich selbst den perfekten Schuh entworfen und hoffe damit auch viele Frauen auf der ganzen Welt glücklich zu machen!“ Und wo ein perfekter Schuh sitzt, da sollte es auch einen passenden Hut geben. „Das war die logische Erweiterung meines Sortiments“, blickt Sabrina Kihm stolz auf das zurück, was sie bisher geschafft hat und will auch allen anderen Frauen, die große Träume haben Mut zusprechen: „Glaubt an euch und lasst euch von nichts und niemandem unterkriegen!“ Und auch wenn es für Sabrina Kihm ein schier endloser Marathon war. Heißt es am Ende: Spiel. Satz und Sieg, Sabrina Kihm!

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