Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Modejournalismus studieren an der AMD

Ein persönlicher Erfahrungsbericht: Modejournalismus studieren an der AMD Ein persönlicher Erfahrungsbericht: Modejournalismus studieren an der AMD Foto: TONIGHT.de/Ronny Hendrichs
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Was steckt eigentlich hinter dem Studiengang Modejournalismus? Für all die Mode-Interessierten unter euch, die gerne etwas „mit Mode“ studieren möchten oder für die, die sich diese Frage schon immer gestellt haben: Unsere Fashion-Praktikantin Kristina Phillipp (24) klärt die Grübeleien um ihren Studiengang in diesem ausführlichen Bericht einmal auf. Hier erfahrt ihr alles über Aufgaben, Erfahrungen und Erfolge während ihrer dreieinhalb Jahre an der AMD (Akademie Mode und Design). Viel Spaß beim Lesen – durchhalten lohnt sich :-)!

Wenn sich Fremde auf einer Party nach Kristinas Studiengang erkundigen, gibt es genau drei Reaktionen auf ihre Antwort „Modejournalismus“. Reaktion 1: „Häh, das kann man studieren? Hab ich noch nie gehört! Braucht man das?“ ist die typische Männer-Variante. Bei Reaktion 2 wird jedes Mal der zweite Teil ihres Studienganges überhört. Nach „Mode-“ rattern wohl schon zu viele andere Gedanken durchs Hirn: „Oh cool, also schneiderst du deine eigenen Sachen?“ - „Nein. Ich SCHREIBE darüber was andere schneidern. Mode-J-O-U-R-N-A-L-I-S-M-U-S.“ Und bei Reaktion 3 (ausschließlich Frauen) sind die Zuhörerinnen meist völlig aus dem Häuschen: „Ohhh, Mode! Sowas wollte ich auch immer machen!“ Aha.

1. Die Studienwahl

Zunächst einmal vorweg: Ich wusste nicht schon von klein auf, dass Modejournalismus (Mojo) genau DAS ist, was ich machen möchte. Allerdings war ich schon immer begeistert von Mode und meine große Leidenschaft war immer das Schreiben - ganz egal ob in englischer oder deutscher Sprache. Über eine Freundin erfuhr ich von der AMD und dem Studiengang „Modejournalismus/Medienkommunikation“. Die Fächer des Stundenplans entsprachen genau dem, was mich interessierte und ich dachte mir: „Das ist es!“.

2. Der Studiengang: Inhalte & Fächer

Modejournalismus Kristina (image/jpeg) Kristina mit einer Auswahl ihrer Semester-Booklets.

Modejournalismus-Studenten sollen Mode als „Kulturphänomen“ begreifen und nicht bloß als Kleidung sehen. Mode ist viel mehr als das. Es geht darum, Hintergründe zu verstehen und ein Gespür für Mode und Stil zu entwickeln. Das Tolle an der AMD ist meiner Meinung nach, dass man wirklich praxisbezogen arbeitet und quasi zum Schreiben und Kreativ-sein „gezwungen“ wird!

Der Mojo-Tages-Ablauf ist sehr verschult. Die Woche umfasst circa 28-30 Unterrichtsstunden, an vier Tagen in der Woche. Ein Tag ist immer frei - er ist gedacht für Jobs oder Freie Mitarbeiten, die Studenten neben dem Studium haben. Ein Kurs besteht aus knapp zwanzig Leuten, was sehr angenehm ist. So ist die Beziehung zu den Dozenten auch entsprechend persönlich - sie kennen die Namen, Probleme und Stärken ihrer Studenten. Für jedes Semester gibt es einen richtigen Stundenplan, wie man ihn aus der Schule kennt. Fächer sind unter anderem:

Modeschulen in Düsseldorf: Hier werden die Nachwuchsdesigner ausgebildet Modeschulen in Düsseldorf Hier werden die Nachwuchsdesigner ausgebildet Zum Artikel » BEKLEIDUNGSSTILE - Mode vom 17 Jhd. bis heute, Kleidungsstile der Jahrzehnte // CAD - Photoshop, Indesign & Illustrator // JOURNALISMUS - Klassische Textformen (Bericht, Reportage, Feature, Interview) // MODEDESIGN - Trends & Kollektionen, Mode-Zeichnungen, Kollektionstexte & Moodboards // MODEFOTOGRAFIE - Umgang mit Spiegelreflex; Erstellen von Fotostrecken // MODEJOURNALISMUS - Kollektionsberichte, Designerportraits, Interviews usw. // MODEMARKETING - Marketing in der Modebranche // TEXTILTECHNOLOGIE - Stoffe im Detail; Webmuster; Färbearten usw. // 
VISUELLE KOMMUNIKATION - Grafik & Layout, Typografie

Die Fächer variieren von Semester zu Semester. Schwerpunktfächer wie Mojo, Journalismus Visuelle Kommunikation, PR und Marketing stehen in jedem Semester auf dem Plan, andere wechseln. Die Fächerauswahl des Studiums ist wirklich gut durchmischt und abwechslungsreich: Modespezifische Inhalte in Kombination mit Klassischem Journalismus, PR und Marketing sowie Italienisch und Englisch. Mir gefällt besonders der Schwerpunkt auf Layout und Gestaltung, denn fast jeden Text den man schreibt, muss man später auch in entsprechendem Layout - in Form von Booklets oder Magazinen - umsetzen.

3. Aufgaben & Projekte: Mojo ist kein Zuckerschlecken!

Modejournalismus (image/jpeg) Kristina blättert in ihrem selbstentworfenen Magazin. Ihr müsst euch darüber bewusst sein, dass das Studium kein Zuckerschlecken ist. Es ist ziemlich zeitintensiv und anstrengend! Zwar gibt es Semesterferien, allerdings gehen diese eigentlich fast immer für die Semesteraufgaben drauf, die für die unterschiedlichen Fächer anstehen. Von 14 Fächern hat man oftmals nur fünf bis sechs Klausuren - in allen anderen Fächern gibt es dann Semesteraufgaben oder Projekte. Das bedeutet im Fach „Modedesign“ beispielsweise ein Booklet zum Trend „Color Blocking“ mit Moodboard, Trendanalyse, Hintergründen des Trends, Kollektionsanalyse, Vergleichsanalyse, Streetstyles und Prognose - alles mit passendem Bilmaterial und in entsprechendem Layout. Für eine Fächer-übergreifende Semesteraufgabe mussten wir einmal ein Magazin entwickeln, das es so auf dem Markt noch nicht gibt. Von der Recherche und dem Texten bis hin zum Knipsen der Fotostrecke, dem Layouten und der Auswahl des Papiers war es ein langer Weg und hat mich und meine Mitbewohnerin und Co-Studentin Vici viel Nerven und Tränen gekostet! Zusätzlich zum Magazin war es unsere Aufgabe, ein Konzept mit der Idee dahinter, PR und Marketing (Onlineauftritt, Werbekampagne, Preispolitik etc.) zu erstellen.

Im dritten Semester steht für jeden Student eine „Zwischenprüfung“ an. Es gibt drei Dachthemen, zu denen sich jeder selbst ein eigenes Thema auswählt und dazu eine Arbeit erstellt, in der die Fächer Mojo, Journalismus, Modedesign und Visuelle Kommunikation abdeckt werden. Das bedeutet: Ein Booklet mit einem Essay über das gewählte Thema als „Kulturphänomen“ (Mojo), verschiedene Texte in Journalismus, Entwurf einer zum Thema passenden Kollektion mit Kollektionstext, Inspiration, Farbauswahl, Zeichnungen und Stoffmuster (Modedesign) - alles verpackt in einem entsprechenden Booklet mit Layout (VK).

Modejournalismus (image/jpeg) Eine Seite aus dem Zwischenprüfungs-Booklet im Fach "Modedesign". Modejournalismus (image/jpeg) Moodboard im Modedesign-Booklet zum Thema "Color Blocking" Modejournalismus (image/jpeg) Der Seitenspiegel im Konzept für das selbstgestaltete Magazin.

4. Workshops und Praktika

Innerhalb des Studiums soll jeder Student an insgesamt vier fünf-tägigen Workshops teilnehmen. Sie sind kostenlos und beginnen immer eine Woche vor Semesterbeginn an den unterschiedlichen Standorten (Düsseldorf, München, Hamburg, Berlin). Es gibt zum Beispiel "Jeans-Workshops", "Modefotografie", "Musikjournalismus", „Videoschnitt“ und viele andere.

Neben den Workshops müssen im Rahmen des Studiums zwei Praktika à 3 Monate absolviert werden - egal ob im In- oder Ausland, bei einer PR- oder Marketingagentur, bei einem Fashion-Blog oder in einer Moderedaktion. Für mein erstes Praktikum war ich als Modepraktikantin bei der INSTYLE in München und mein zweites habe ich beim Online-Fashionportal Keylooks.tv in Köln absolviert. Freundinnen aus meinem Kurs waren beispielsweise bei Marc Jacobs, Anna Sui oder bei der Marie Claire in New York, bei Les Mads, Modeopfer110 oder Gala Online. Viele von ihnen hatten sogar das Glück, über das Praktikum an eine Freie Mitarbeit oder sogar einen festen Job nach der AMD heranzukommen.

5. Kein Bachelor? Kein Grund zur Panik!

Düsseldorfer Jung-Designer präsentieren Abschlusskollektion: Fashion-Shooting im Kö-Bogen Düsseldorfer Jung-Designer präsentieren Abschlusskollektion Fashion-Shooting im Kö-Bogen Zum Artikel » Anfangs habe ich nicht verstanden, warum Mojo an der AMD nicht als Bachelor-Studiengang angeboten wird, aber im Nachhinein macht es Sinn. Es hätten einfach zu viele Dinge aus dem Studienplan gestrichen werden müssen. So ist der Studiengang nun viel freier und sehr, sehr praxisorientiert. Mir hat es anfangs Bauchschmerzen bereitet, ein Studium ohne Bachelor-Abschluss anzutreten. 
Durch Erfahrungen, die ich bei meinen Praktika sammelte, wurde meine Skepsis allerdings ausgeräumt. Einige der InStyle-Redakteurinnen beispielsweise waren selber an der AMD und haben ebenfalls Mojo studiert. Generell bin ich der Auffassung, dass es im Modebusiness „egal“ ist, ob man nun einen Bachelor, Master oder keines dergleichen hat. Wenn man wirklich etwas kann und zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, dann hat man gute Chancen auf einen tollen Job.

Mir hat das AMD-Studium im Großen und Ganzen viel Spaß gemacht. Natürlich gibt es immer mal wieder Tage an denen man am Liebsten alles hinschmeißen würde, weil man gerade in Arbeit versinkt, aber das gibt sich auch wieder. Spätestens wenn man dann sein fertiges Magazin oder ein anderes Booklet in der Hand hält, ist man glücklich und stolz, dass man es geschafft hat.