3D-Trickfilmkomödie

"Cars 2": Ein Hoch auf alles, was Sprit säuft

3D-Trickfilmkomödie : "Cars 2": Ein Hoch auf alles, was Sprit säuft 3D-Trickfilmkomödie : "Cars 2": Ein Hoch auf alles, was Sprit säuft Foto: Disney/Pixar

Der rote Sportflitzer Lightning McQueen ist das schnellste Rennauto der Welt. Jetzt will er mal pausieren und seine Freundin Sally, einen hellblauen Porsche 911, treffen. Doch sein bester Freund, Abschleppwagen Hook, bringt ihn dazu, beim World Grand Prix anzutreten. So verlassen im neuen Trickfilm "Cars 2" die sprechenden Autos ihre Heimattankstelle Radiator Springs, um in Japan und Europa die Pisten unsicher zu machen.

Und während McQueen sich mit dem schicken Formel-1-Star Bernoulli herumärgert, wird Hook als Spion rekrutiert. Im neuen Abenteuer der Pixar-Trickfilmschmiede sind Autos wieder die besseren Menschen - falls man darunter Wesen versteht, die Benzin im Blut haben.

Regisseur und Produzent John Lasseter, der mit so großartigen Werken wie der "Toy Story"-Serie, "Monster AG" und "Findet Nemo" das Animationsgenre umkrempelte und die ehrwürdige Disney-Company zu neuen Ufern führte, hat sich mit der "Cars"-Fortsetzung wieder einen Lieblingsfilm geleistet. Dazu muss man wissen, dass Lasseter als Sohn eines Autoverkäufers aufwuchs und süchtig nach chromglänzenden Amischlitten ist.

Von A wie AMC Gremlin bis Z wie Professor Zündapp

Um auch seine Mitmenschen dafür zu begeistern, gibt der Autonarr Vollgas mit 3D, wenn Lightning und sein Boxen-Team von Tokio über Paris und Italien bis nach London die Rennstrecken aufmischt. Zur Hauptfigur steigt aber die Rostlaube Hook auf, die sich mit Lightning McQueen verkracht und vom britischen Geheimdienst für einen Superagenten gehalten wird.

Mit britischen Agenten verfolgt der naive Hook die Spur einer Autogang rund um Professor Zündapp, der die Verbreitung des Bio-Kraftstoffs Allinol verhindern will - jenem Kraftstoff, den der Milliardär und Rennsponsor Miles Axelrod mit dem World Grand Prix promoten will.

Mit zahllosen Details wird die PS-starke Parallelwelt dem menschlichen Biotop angeglichen. Die Provinzkarre Hook etwa, die scharfes Wasabi als Pistazieneis missinterpretiert, muss dringend zum "Ölwechsel" aufs Klo. Traktoren fungieren als Kühe, die Kirche im Dorf von Fiat-Kumpel Topolino ist der "Heiligen Jungfrau der Automobile" geweiht und der Brunnen den sechs Maserati-Brüdern gewidmet. Der Glockenturm des Londoner Parlaments heißt Big Bentley und besteht aus Bentley-Kühlergrillen, und der Eiffelturm hat die Form einer Retro-Zündkerze.

Das größte Rennen der Welt: "Cars 2" kommt in die Kinos Das größte Rennen der Welt "Cars 2" kommt in die Kinos Zum Artikel » Mix aus Raser- und Agentenkomödie à la James Bond

Die Anspielungen auf fahrbare (und flugtüchtige) Maschinen sind von enzyklopädischem Ausmaß. Da gibt es etwa den Sportjournalisten Brent Mustangburger, den Rennwagen Jeff Corvette und den Oldtimer-Jaguar David Hobbscap.

Lasseter hat überdies ein Herz für "Gurken" und Außenseiter wie einen verbeulten AMC Gremlin oder AMC Pacer. Und prominentester deutscher Synchronsprecher ist Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel als Rennauto Sebastian Schnell.

Um alle Insiderwitze zu entdecken, sollte man diesen Mix aus Raser- und Spionagekomödie à la James Bond Film mindestens zweimal sehen. Dennoch enttäuscht der Film, wenn auch auf hohen Niveau.

Denn das Spektakel ist zwar fantastisch animiert, aber so überladen wie ein Smart mit sechs Insassen und aufgeschnalltem Surfbrett - und für die eigentliche Zielgruppe zu kompliziert.

Und der tumbe Hook nervt so ausdauernd wie ein knatternder Auspuff, weil im Gegensatz zur ausgefeilten Animation die automobile Gefühlswelt allzu grobmotorisch ausfällt, um den Zuschauer zur Identifikation zu bewegen - ist doch nur verbeultes Blech.

So dürfte noch stärker als beim ersten "Cars"-Abenteuer der Hauptumsatz mit Merchandising-Artikeln wie Spielzeug gemacht werden. Daran ist nichts verkehrt - doch bei Pixar, sonst der Garant für Originalität, wirkt dieses kleinkrämerische Kalkül etwas ernüchternd.

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