Auch Gruseln will gelernt sein

Gruselkino: "The Cabin in the Woods"

Auch Gruseln will gelernt sein: Gruselkino: "The Cabin in the Woods" Auch Gruseln will gelernt sein: Gruselkino: "The Cabin in the Woods" Foto: Universum Film
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Die amerikanische Produktion "The Cabin In The Woods" soll ein ganzes Genre retten. Die Macher, die zuvor an TV-Serien wie "Buffy" und "Lost" beteiligt waren, sehnen sich zurück nach dem klassischen Gruselkino der 80er Jahre. Ihr Horror-Thriller ist selbstironisch, bisweilen aber arg überjuxt.

Der Film beginnt klassisch, nach fünf Minuten meint man das Ende voraussagen zu können – und dann wird doch alles ganz anders, aber sowas von anders. "The Cabin In The Woods" ist ein Horror-Thriller, der mit den Regeln bricht.

Regisseur Drew Goodard möchte sein Kino-Debüt als "loving hate letter to the genre" verstanden wissen, als einen Liebesbrief also, der aufrütteln soll. Goodard ist Spezialist für das Abseitige, er hat das Gruseln gelernt.

Der Mann aus dem Umfeld des Regie-Exzentrikers J. J. Abrams ("Star Trek") schrieb für TV-Serien wie "Lost" und "Buffy", er ist Drehbuchautor des Films "Cloverfield". Er mag es, wenn auf der Leinwand Monster große Städte schikanieren.

In der jüngeren Vergangenheit waren Gruselfilme aber entweder zu sadistisch oder zu pornografisch, finden Goodard und sein Drehbuchautor Joss Whedon (Erfinder der TV-Serie "Angel – Jäger der Finsternis"). Sie sorgen sich um das Genre, deshalb produzierten sie "Cabin In The Woods".

Tatsächlich ist das eine Produktion, die Kennern Spaß machen dürfte. Goodard und Whedon zitieren Klassiker wie "Alien", "The Evil Dead" und "Hellraiser", es ist kurzweilig, den Verweisen zu folgen, sich an die Originale zu erinnern. Aber – und das macht die Qualität dieses Films aus – "The Cabin In The Woods" funktioniert eben auch als eigenständiges Werk, das man unvorbereitet genießen kann.

Fünf College-Studenten (unter ihnen Chris Hemsworth, der Star aus "Thor" und "Snowhite & The Huntsman") brechen im Wohnmobil zu einem Wochenende im Ferienhaus auf. Es gibt die Sportskanone und das Cheerleader-Girl, den Denker, das Mauerblümchen und den Kiffer. Soweit, so banal.

Allerdings geht es im Folgenden gänzlich unkonventionell zu: Die Hütte, in die das Quintett einkehrt, wird von Wissenschaftlern überwacht. Die klugen Männer mit den weißen Kitteln verfolgen jeden Schritt der jungen Leute, und sie können aus der Ferne eingreifen und das Geschehen lenken. Sie schicken die Ahnungslosen in den Keller und hinaus in den Wald, und in diesem Themenpark des Grauens passiert, was in Filmen eben passiert, wenn sie ab 16 Jahren freigegeben sind.

Im Grunde bedienen sich die fiktiven Spielleiter des Personals, als befinde es sich in einem Videospiel. Wer nun Angst hat, damit sei die Pointe des Films bereits verraten, täuscht sich: Die Studenten wehren sich, jetzt geht der Irrsinn erst los.

Man könnte die beiden Wissenschaftler durchaus mit Goodard und Whedon gleichsetzen: Ihnen geht es ausschließlich um die Qualität der Show. Entscheidend sind indes die Einschaltquoten und der Zuspruch eines Publikums, das sich selbst an entlegene Fantasien gewöhnt hat."The Cabin In The Woods" ist ein perfides Experiment mit der Erwartungshaltung der Zuschauer und den Möglichkeiten des Genrekinos, meistens raffiniert, manchmal abstrus. Der Film funktioniert als Satire, aber er ist dann doch nicht ganz so klug, wie die Macher es gern hätten und wie er in den einschlägigen Online-Foren beschrieben wird, in denen sich die Fan-Gemeinde seit Monaten die Zeit bis zur Ankunft des Werkes in den Kinos mit erwartungsfrohem Geraune vertreibt.

Trotz seines Charms ist "The Cabin In The Woods" also nicht durchgängig gelungen. Am Ende begegnen fast alle Monster der Horrorfilm-Geschichte einander im Showdown, der blutig ist bis an die Grenze der Albernheit. Er wirkt wie ein Klassentreffen, sogar Sigourney Weaver, die einst in Ridley Scotts "Alien" spielte, hat ihren Auftritt. Die Auflösung der bisweilen trashigen Handlung ist dann schlichtweg ein Scherz; Goodard und Whedon gingen offenbar die Ideen aus.

Aber so ist das mit Liebesbriefen: Man darf nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.

4 von 5 Sternen

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Quelle: RP