Auch harte Rapper brauchen Liebe

Sido und B-Tight sind "Blutzbrüdaz"

Auch harte Rapper brauchen Liebe: Sido und B-Tight sind "Blutzbrüdaz" Auch harte Rapper brauchen Liebe: Sido und B-Tight sind "Blutzbrüdaz" Foto: dapd
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Der biografische Film "Blutzbrüdaz" erzählt die Geschichte zweier HipHopper, gespielt von den Berliner Rappern Sido und B-Tight.

Neuvorstellung: Sido im Kino: Blutzbrüdaz Neuvorstellung: Sido im Kino: Blutzbrüdaz Neuvorstellung: Sido im Kino: Blutzbrüdaz Neuvorstellung Sido im Kino: Blutzbrüdaz 5 Fotos Die ernsten Herren in Grün fahren Streife durchs Revier. Ihre Köpfe wippen im Takt. Zufriedenheit spricht aus den Gesichtern von Männern, die sich endlich angenommen fühlen. Der Soundtrack von "Blutzbrüdaz" präsentiert gerade "Hol doch die Polizei".

Aber Moment mal – das ist doch ein dreistes Spottlied, das in Özgür Yildirims Komödie über den Aufstieg der Rapper Otis und Eddy (gespielt von Sido und B-Tight) zum Hit im Berlin der Jahrtausendwende wird! Der Text droht aus der Sicht eines Straßenräubers, die Polizei zu rufen, sei sinnlos – bevor sie erscheine, sei die Action schon vorbei. Die mitwippenden Polizisten, könnte man jetzt also denken, seien ein Gag. Und ein wenig steckt solch ein Triumph der Straßenkids über die Regeln, Normen und Institutionen der Gesellschaft durchaus in dieser und mancher anderen Szene von "Blutzbrüdaz".

Aber das ist eben nur der eine, sogar der kleinere Teil dieses deutschen HipHop-Märchens. Den größeren Teil macht die Sehnsucht der Rapper nach Akzeptanz in der Breite der Gesellschaft aus. Und so signalisieren die mitwippenden Polizisten auch: Die Texte sind bloßes Rollenspiel und keine reale Kriegserklärung. Nichts wird so heiß gelebt, wie es gerappt wird. Otis und Eddy sind tatsächlich nette Verlierertypen voll unerschütterlichem Glauben an die Kraft ihrer Worte.

Erst werden die beiden von der Berliner Indie-Szene, dann vom beim Namen genannten Musikriesen Sony entdeckt. Dort will man sie zu Ghetto-Pfauen aus einem Glamour-Alptraum stylen. Otis und Eddy reagieren sehr unterschiedlich auf diese Einladung in den Express-Fahrstuhl in die Charts. Eddy macht mit, Otis bockt. "Blutzbrüdaz" erzählt wie fast jeder Spielfilm über Musikerkarrieren von den Schwierigkeiten, sich selbst und den alten Freunden treu zu bleiben.

Paradoxerweise ist diese Hymne auf den unverbiegbaren Otis der bisherige Höhepunkt der seit langem andauernden Versuche, das Image von Hauptdarsteller Sido umzubiegen. Sido, 1980 noch in der DDR geboren, galt lange als einer der bösen Buben im Musikgeschäft. Der Film erzählt nun, dass Sido nie so böse war, wie man seine Texte deuten konnte. Überraschenderweise ist der Film ein charmantes, schräg frisiertes Märchen. Das Timing stimmt, vor allem wirkt Sido selbst auf rührende Weise tolpatschig, stolz, gutmütig und aufrecht. Für Sido könnte "Blutzbrüdaz" jene neuen Wege öffnen, die Bushido auch nach der peinlichen Bambi-Verleihung nicht gefunden hat.

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Quelle: RP