"Barney's Version" im Kino

Der großartigste Stinkstiefel des Jahres

"Barney's Version" im Kino: Der großartigste Stinkstiefel des Jahres "Barney's Version" im Kino: Der großartigste Stinkstiefel des Jahres Foto: Universal Pictures

Barney Panofsky ist ein Stinkstiefel, der säuft, raucht wie ein Schlot und als zynischer Produzent unterirdischer TV-Serien jede Menge Kohle gemacht hat. Aber ist er auch ein Mörder? Als ein verbitterter Ermittler ein Enthüllungsbuch über einen alten Verdacht veröffentlicht, setzt bei Barney die Erinnerung an seine bewegte Existenz ein.

Paul Giamatti, Hollywoods kulleräugig-pummeliger ewiger Geheimtipp, läuft in der kanadischen Sittenkomödie "Barney's Version" zu ganz großer Form auf.

Die Schelmengeschichte basiert auf dem ausufernden Roman "Wie Barney es sieht" des kanadischen Schriftstellers Mordecai Richler von 1997. Natürlich ist die literarische Vorlage viel facettenreicher als die Verfilmung, die nur einen Bruchteil von Barneys Umtrieben abbilden kann - zumal seine Erinnerung von beginnendem Alzheimer getrübt wird.

Doch dieses Porträt eines nur allzumenschlichen Sünderleins, der drei Ehefrauen verschlissen, eine eher fragwürdige Karriere gemacht und Mist gebaut hat, ist der wohl unterhaltsamste und rührendste Film dieser Kinosaison.

Mal saukomisch und mal tieftraurig, entfaltet sich ausgehend von Barneys Gedenken an den Tod seines alten Kumpels Boggie eine Lebenslandkarte mit Höhen und Tiefen. Ziemlich gut drauf war Barney in seiner Jugend, als er in Rom im Kreise einer lustigen Künstlerclique dem "dolce vita" frönte.

Doch als er sich in eine Hochzeit mit einem schwangeren Hippie-Girlie lotsen ließ, begann der Ernst des Lebens. Zurück in Kanada ließ er sich zu einer zweiten Ehe mit einer guten Partie breitschlagen und lernte noch auf der Hochzeitsfeier seine große Liebe Miriam kennen. Und dann war da noch Boggie, bei dem sich herausstellte, dass man bei einem solchen Freund keine Feinde mehr braucht.

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Zurzeit hat Paul Giamatti einen phänomenalen Lauf: zwar gilt der Schauspieler, dessen Haupteinnahmequelle markante Gangster-Nebenrollen sind, seit der Süffel-Komödie "Sideways" als großartiger Charaktermime. Doch nun startet eine Woche nach seiner Golden-Globe-gekrönten Antihelden-Tour-de-Force in "Barney's Version" auch die Sportkomödie "Win Win", in der er eine ähnlich ambivalente Hauptrolle spielt: Lange dürfte es nicht mehr dauern, bis er einen Oscar in den Händen hält.

Als ein Mensch, der mal gelebt wird und mal mit Leidenschaft seine Ziele verfolgt, der abwechselnd Schlitzohr, Kotzbrocken und Seelchen ist, lässt Barney niemanden kalt. Umzingelt wird Giamatti von einem hochkarätigen Ensemble, in dem Dustin Hoffman Barneys burschikosen Polizisten-Vater gibt, der dem Antisemitismus seiner Kollegen offensiv begegnet, sowie Minnie Driver als "jüdischer Prinzessin", die gegen Barneys große Liebe Miriam keine Chance hat.

Rosamund Pike als kultiviertes Kontrastprogramm zu ihrem polternden, getriebenen Verehrer, ist vielleicht etwas idealisiert. Und weil Barney sich im Grunde nicht gut genug fühlt für diese Klassefrau, vermasselt er's prompt wieder - eine farbige Hommage an das Scheitern.

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