Der Deutsche Filmpreis 2011

Barbara Schöneberger überglitzert alle

Der Deutsche Filmpreis 2011: Barbara Schöneberger überglitzert alle Der Deutsche Filmpreis 2011: Barbara Schöneberger überglitzert alle Foto: dpa

Was war das für ein Fest am Freitagabend in Berlin. Alles was Rang und Namen in der Promiwelt hat, ließ es sich nicht entgehen, bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises vorbeizuschauen. Wohl denen, die ihre Sonnenbrille dabei hatten. Denn was Moderatorin Barbara Schöneberger an Glitzerzeugs an sich hängen hatte, konnte leicht zu Augenschäden führen.

Tom Tykwer hatte Tränen in den Augen, als er die Lola für den besten Regisseur entgegen nahm - nicht aus Freude, sondern aus Trauer. Eben war an diesem Freitagabend bei der Gala zum 61. Deutschen Filmpreis in Berlin noch einmal an den überraschend im Januar gestorbenen Produzenten Bernd Eichinger erinnert worden. Zu diesem habe er eine sehr enge Verbindung gehabt. "Er war die Heimat für viele von uns", sagte Tykwer.

Dann bedankte er sich bei den 1.800 Gästen im Friedrichstadtpalast für die in diesem Moment für ihn zweitrangige Trophäe, die er für sein erotisches Beziehungs-Drama "Drei" erhalten hatte. Erinnerungen an Eichinger, der noch im vergangenen Jahr mit einer Lola für seine Lebenswerk ausgezeichnet worden war, standen auch sonst im Mittelpunkt der Gala.

Die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, Iris Berben, verkündete, ab 2012 werde alle drei Jahre ein Preis zu Ehren Eichingers vergeben. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) würdigte Eichinger als "beherzten und sensiblen Ausnahmeproduzenten mit einer brennenden Leidenschaft für den deutschen Film". Eichinger war auch Mitbegründer der Filmakademie.

Nicht der alles überragende Sieger

Anders als in den Vorjahren gab es dieses Jahr nicht den alles überragenden Sieger. Die Lolas wurden breit gestreut, mehr als vier für einen Film gab es nicht. Das Roadmovie "Vincent will Meer" von Ralf Huettner gewann die mit 500.000 Euro dotierte goldene Lola für den besten Film. Eine zweite Lola erhielt die Produktion für den besten Hauptdarsteller: Florian David Fitz wurde für sein Spiel des am Tourette-Syndrom leidenden Vincent ausgezeichnet.

Vier Lolas - allerdings in Nebenkategorien - räumte das Historienepos "Poll" von Chris Kraus ab. Und Tom Tykwer durfte sich über insgesamt drei Lolas freuen, ging allerdings in der Königskategorie "Bester Film" leer aus.

In dieser holte die bereits auf der Berlinale gefeierte Einwanderer-Komödie "Almanya - Willkommen in Dreutschland" von Yasemin Samdereli den zweiten Platz, der mit 425.000 Euro dotiert ist. Und Andres Veiels RAF-Drama "Wer wenn nicht wir" erreichte den dritten Platz - dafür gab es 375.000 Euro.Die Vielfalt deutscher Produktionen

Die Gewinner der goldenen, silbernen und bronzenen Lola für die besten Filme des vergangenen Jahres zeigen, wie vielfältig Produktionen aus Deutschland sein können. Zugleich aber bewies die Wahl der 1.200 Mitglieder der Deutschen Filmakademie, dass es die alles überragende Produktionen im vergangenen Jahr nicht gab. Was sich auch im Marktanteil deutscher Filme widerspiegelt. Der sank von mehr als 27 Prozent auf unter 20 Prozent 2010.

Mit der Wahl folgten die Akademie-Mitglieder in diesem Jahr anders als häufig in der Vergangenheit immerhin ein wenig dem Publikumsgeschmack: "Vincent will Meer" sahen bereits über eine Million Besucher. Und "Almanya - Willkommen in Deutschland" nähert sich in großen Schritten dieser Grenze.

Schweiger bleibt außen vor

Der größte Publikumserfolg tauchte aber noch nicht einmal in der Vorauswahl auf: Til Schweiger war wieder einmal außen vor, obwohl seine Komödie "Kokowääh" bereits mehr als vier Millionen Zuschauer sahen. Kassenerfolg und Qualität scheinen für die Mitglieder der Deutschen Filmakademie noch immer nicht so richtig zusammenzupassen. So sahnen andere die Lolas und damit verbundene Förderprämien des mit knapp drei Millionen Euro höchstdotierten Kulturpreises in Deutschland ab, der in 16 Kategorien vergeben wird. Das Fördergeld muss dann wieder in Folgeprojekte investiert werden.

Neumann jedenfalls will die Förderpraxis überdenken. "Führt unsere Förderung zu zu vielen Filmen, die sich im Kino gegenseitig die Zuschauer wegnehmen", fragte er und fügte hinzu: "Ist der Erfolg an der Kinokasse zu wenig im Blickwinkel?" Schweigers Name blieb an diesem Abend aber unerwähnt.

Quelle: rpo