Der Kino-Erfolg hat reale Vorbilder

Es gibt zwei wirklich ziemlich beste Freunde

Der Kino-Erfolg hat reale Vorbilder: Es gibt zwei wirklich ziemlich beste Freunde Der Kino-Erfolg hat reale Vorbilder: Es gibt zwei wirklich ziemlich beste Freunde Foto: dpa, Senator Filmverleih
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In Frankreich und Deutschland füllt der Film "Ziemlich beste Freunde" die Kinosäle. Nur wenige Besucher kennen die Geschichte des Champagner-Königs Philippe Pozzo di Borgo, diesem Film zugrunde liegt.

Von da, wo er jetzt lebt, unweit von Essaouira an der marokkanischen Atlantikküste zwischen Ziegen und Dromedaren, dürfte Philippe Pozzo di Borgo das ganze Ausmaß des Rummels um ihn und seine Geschichte nur annähernd mitbekommen – seine Geschichte, die mit dem Film "Ziemlich Beste Freunde" einem Millionenpublikum bekannt wurde.

In Frankreich avancierte "Intouchables", wie er im Original heißt, zum zweiterfolgreichsten französischen Film aller Zeiten, und auch in Deutschland führt er seit Wochen die Kinocharts an.

Es ist die Story vom Millionär im Rollstuhl und seinem armen nordafrikanischen Pfleger, die kitschig wirken könnte, hätte sie nicht das Leben selbst geschrieben. Vorbild für eine der Hauptfiguren war der ehemalige Chef des Champagner-Hauses Pommery, Philippe Pozzo di Borgo (dargestellt von François Cluzet), der seit einem Gleitschirmunfall vor fast 20 Jahren querschnittsgelähmt ist.

Am 27. Juni 1993 stürzte di Borgo ab und landete "zwischen dem grünen Gras und der Hölle". Das Rückgrat zerschmettert, weit oben, zwischen den Wirbeln C3 und C4, konnte sich Pozzo di Borgo vom Hals bis zu den Zehen nicht mehr rühren. Da war er 42 Jahre alt. Als drei Jahre später seine Frau starb, fiel er in eine tiefe Depression.

Dies war der Moment, da sein Retter in sein Leben trat, sein "Schutzteufel", wie er ihn nennt: Im Film ist es der junge Driss aus dem Senegal, gespielt von Omar Sy. Im wahren Leben ist es Abdel Yasmin Sellou, ein junger Algerier von 21 Jahren aus der tristen Pariser Vorstadt, der gerade aus dem Gefängnis entlassen worden war.

Pozzo di Borgo, der damals das vornehme Pariser Palais Hôtel de Longueuil im 17. Bezirk bewohnte, suchte einen Pfleger, der sich rund um die Uhr um ihn kümmert. Es meldeten sich dutzende Langweiler und einer, der den Job eigentlich gar nicht wollte: Abdel.

"Wie im Film, hat er auf meine Anzeige nur geantwortet, um weiter Arbeitslosengeld zu bekommen, dann hat er sich gedacht, mein Stadtpalais sei wohl ein Tresor, der leicht zu knacken ist. Am Schluss ist er zehn Jahre geblieben", erzählt Pozzo di Borgo.

Abdel erfand alles Mögliche, um seinen Arbeitgeber bei Laune zu halten. Zwar hat es in Wirklichkeit keine Thai-Masseuse gegeben, wie im Film, dafür aber Reisen in die Karibik und nach Kanada. "Er hat mein Leben in die Hand genommen, mich überall hingeführt, mich zu meinen Töchtern gefahren. Wir sausten im Rolls-Royce durch die Gegend, den er ohne Führerschein fuhr, er brachte mich hinaus in seine Vorstadt, um Freundinnen zu treffen. Er gab mir Joints und legte das weibliche Personal im Salon flach. Unser Leben ist der Film mit so manchem Bonus, der sich nicht erzählen lässt", sagte Pozzo di Borgo.

Eine der letzten gemeinsamen Reisen führte die beiden 2003 nach Marrakesch, wo das Klima für den Gelähmten erträglicher ist. Dort lernte Pozzo di Borgo seine zweite Frau kennen, Khadija, mit der er heute in Marokko lebt. Auch Abdel hat geheiratet, ebenfalls eine Marokkanerin, hat drei Kinder und betreibt in Algerien eine Hühnerfarm. "Jahrelang haben den Kriminellen die ,poulets' (französischer Slang für Polizisten) verfolgt, jetzt steckt er sie in Käfige", sagt Pozzo di Borgo.

Ihre Freundschaft ist geblieben. Zu Geburtstagen steckt Abdel schon mal seine Familie ins Auto und fährt 1400 Kilometer, um seinen ehemaligen Chef und Berater zu besuchen, den seine Kinder "tonton" (Onkel) nennen.

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Quelle: RP