Dokumentation "Something from Nothing"

Ice-T feiert grandioses Regiedebüt

Dokumentation "Something from Nothing": Ice-T feiert grandioses Regiedebüt Dokumentation "Something from Nothing": Ice-T feiert grandioses Regiedebüt Foto: The Art Of Rap (Kaleidoscope Home Entertainment/VERY US RECORDS)
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Als Musiker hat sich der Rapper Ice-T längst den Status einer Legende erarbeitet. Im Filmgeschäft gilt er eher als ehrlicher Arbeiter, der in 278 Folgen von “Law & Order: Special Victims Unit” eine gute Leistung gezeigt hat, die aber nicht mit den Talenten am Mikrofon vergleichbar ist. Das Regiedebüt bei “Something from Nothing - The Art of Rap” ist jedoch eine großartige Hommage an die Rap-Musik und eine technisch brilliante Dokumentation.

Sowohl in den USA wie auch in Deutschland ist die Hiphop-Kultur und der Rap medial so stark vertreten wie kaum einer andere Musikrichtung. Dabei stellt die erste Regiearbeit von Ice-T, bürgerlich Tracy Marrow, eine Neuerung dar, weil sie den Anspruch hat, Rap in seiner Reinheit als Kunstform darzustellen. Für den Film hat der Erfinder des “Gangster-Rap” über 20 Künstler interviewt.

Der Gegenentwurf zu “MTV Crips”

Dass das Filmkonzept von “Something from Nothing” so neu ist hat viel mit der bisherigen Sichtweise auf Rap und Hiphop zu tun. Rap-Künstler haben längst den Weg in Talkshows, zu “Wetten, dass..?!” oder in den Tatort gefunden. Die direkte Sicht auf Musik und Text war jedoch oft verstellt durch die Reduktion auf einzelne Charaktere oder durch Klischees, die in Formaten wie MTV Crips unterstrichen wurden. Hierbei zeigten zahlreiche Rapper ihr Eigenheim samt Studio. Wie die Musiker darin arbeiteten war jedoch eher nebensächlich.

Zwar besucht auch Ice-T als Reporter und Moderator die Künstler zu Hause, doch nutzt Marrow sein Wissen und seine Liebe zur Musik, um den Fokus auf das Wesentliche zu lenken. So erzählen Künstler wie Dr. Dre, Kanye West oder Snoop Dogg davon, wie sie Texte schreiben, welche Inspirationen sie nutzen und welchen Stellenwert die Rap-Musik für sie hat. Von Eminem erfährt man, dass er bei seinem Auftritt keinen einzigen Ton herausgekriegt hat und dass dies die Triebfeder für seine folgende Kreativarbeit war.

Die Dokumentation zeigt detailreich, wie Legenden (KRS-One, Run DMC, Grandmaster Caz) und aktuelle Stars (Common, Jim Jones) an ihren Texten, ihrer Betonung, ihrem Auftritt und der Musik arbeiten. Diesen Detailreichtum bietet auch die Dokumentation in ihrer technischen Umsetzung. Der Film greift mit Schnitten und Panoramabildern den Rhythmus der jeweiligen Musik auf. Der Rap-Fan kann sich diesem Takt kaum entziehen und manchmal ist man kurz davor selber den Schreibblock oder das Reimbuch hervor zu kramen.

"Erfunden hat Hiphop nichts"

Neben den Einblicken in die Entstehung von Rap-Songs ergeben sich immer wieder philosophische Momente, bei denen die Künstler die Rolle der Rap-Musik in der Musikgeschichte einordnen. Das Motto dazu liefert Grandmaster Caz, wenn er sagt: “Erfunden hat Hiphop garnichts, neu erfunden hat Hiphop alles.”

Für Liebhaber des Sprechgesangs ist der Film ein Muss. Aber auch wer in Zukunft über Rap mitreden will, sollte ihn gesehen haben. Das liegt daran, dass er einfach gut gemacht ist und nebenbei aufwendige visuelle und musikalische Portraits der amerikanischen Großstädte liefert.

Quelle: RPO