Emma Watson als Einbrecherin

Raubzüge durch die Villen in Hollywood

Emma Watson als Einbrecherin: Raubzüge durch die Villen in Hollywood Emma Watson als Einbrecherin: Raubzüge durch die Villen in Hollywood Foto: dpa, Tobis
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Sofia Coppola erzählt in ihrem neuen Film "The Bling Ring" von Jugendlichen, die in Promi-Häuser einbrechen, um ihren Idolen nah zu sein. Sie zeigt die Star-Besessenheit einer Generation, überlässt das Urteil aber dem Zuschauer.

Einbruch ist kein Kavaliersdelikt. Selbst wenn niemand bedroht oder verletzt wird, die Einrichtung intakt bleibt und alle Wertsachen noch da sind, stehen die Opfer, die Bewohner, unter Schock. Sie leiden an Schlafstörungen und sind am Arbeitsplatz unkonzentriert, weil sie ihr Haus am liebsten rund um die Uhr bewachen würden. Dennoch hat man am Ende von Sofia Coppolas "The Bling Ring" Mitleid mit den fünf Schülern, die zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt werden. Ihr Diebesgut hat einen Wert von drei Millionen Dollar, das wiegt in jeder Hinsicht schwer, aber sie haben keine armen Leute bestohlen und keine Banken ausgeraubt. Sie sind lediglich bei Prominenten eingebrochen, die ohnehin kaum zu Hause sind, und die ihre Wertsachen gar nicht vermissen, weil sie keinen Überblick mehr haben.

Einbruch leicht gemacht

Einige dieser Prominenten scheinen ihre Einbrecher regelrecht einzuladen. Orlando Bloom ("Herr der Ringe", "Fluch der Karibik") ist so einer. Wo und wie er wohnt, erfährt man über Google Earth. Wer will, kann auch sehen, von welcher Seite aus man am einfachsten auf sein Grundstück gelangt, ohne von den Nachbarn gesehen zu werden. Bleibt noch das Problem, wie man dem Hausherrn aus dem Weg geht. Woher weiß man, wann er zu Hause ist und wann nicht? Auch hier hilft das Internet. Wie die meisten Prominenten macht Orlando Bloom seine Termine öffentlich. Hier eine Filmpremiere, da ein Mittelmeerurlaub, im Anschluss die Hochzeit eines guten Freundes. Orlando Blooms Terminkalender steht im Netz.

Der zweite abwesende Star in Sofia Coppolas Film ist die Hotelerbin Paris Hilton, die sogar Dreharbeiten in ihrer Villa erlaubt hat. Das ist keine Wohnung, sondern ein Kaufhaus.

Der Schuhschrank ist so groß wie eine Sozialwohnung, an der Wand hängen Bilder von Paris Hilton, und auf den Sofas liegen Kissen mit dem Gesicht von Paris Hilton. Kein afrikanischer oder nordkoreanischer Diktator hat jemals solch einen Personenkult betrieben.

Diebstahl aus Fanliebe

"The Bling Ring" handelt von fünf Promi-Fans, die bei ihren Idolen einbrechen und sie bestehlen, um ihnen auf diese Weise näherzukommen. Nicki (Emma Watson), Sam (Taissa Farmiga), Chloe (Claire Julien) und Rebecca (Katie Chang) haben einen Vertreter des männlichen Geschlechts an ihrer Seite, Marc (Israel Broussard), an dessen Männlichkeit man allerdings zweifeln darf. Er ist in keines der vier Mädchen verliebt und gibt ihnen stattdessen Modetipps. Bei sich zu Hause, in seinem Zimmer, trägt er rote Stöckelschuhe.

Verfilmung von "Shades of Grey": Spielt Emma Watson die Sex-Sklavin? Verfilmung von "Shades of Grey" Spielt Emma Watson die Sex-Sklavin? Zum Artikel » Er ist nicht der einzige Außenseiter in der Gruppe. Rebecca fühlt sich als Tochter asiatischer Einwanderer ausgegrenzt. Nicki wirkt fehl am Platze, weil sie von Emma Watson verkörpert wird, die dank "Harry Potter" selbst eine Berühmtheit ist, die Einbrecher anlockt. Und Taissa Farmiga ist die 20 Jahre jüngere Schwester der Oscar-nominierten Schauspielerin Vera Farmiga. Der Eindruck von Hollywood-Selbstbespiegelung wird durch die Tatsache verstärkt, dass Nickis streng religiöse, nächstenliebende Mutter (Leslie Mann) ihre Kinder auffordert, dem guten Beispiel von Angelina Jolie zu folgen.

Wie leicht hätte das schiefgehen können. Ein Film über oberflächliche Jugendliche, die mittels Einbruch die Nähe zu oberflächlichen Erwachsenen suchen. Gedreht mit aktiver Unterstützung von Paris Hilton, die offensiv dazu steht, keinen Tiefgang zu haben. Selten haben so schlechte Voraussetzungen einen so guten Film ergeben.

Die Sucht nach Prominentenklatsch ist weit verbreitet, man sollte seine Augen nicht davor verschließen, und Sofia Coppola hält dieses bedenkliche Phänomen fest. Sie ist aber weder fasziniert, noch deprimiert. Die Bewertung überlässt sie dem Publikum.

Die Regisseurin

Den ersten Auftritt hatte Coppola als Säugling

Sofia Coppola, 1971 geboren, ist die Tochter der Regielegende Francis Ford Coppola und war als Säugling in seinem Klassiker "Der Pate" (1972) zu sehen.

Ihre größten Erfolge erlangte sie hinter der Kamera, als Regisseurin von "The Virgin Suicides" (1999), "Lost in Translation" (2003, Oscar für das beste Drehbuch), "Marie Antoinette" (2006) und "Somewhere" (2010).

Privat Sie ist von dem Regisseur Spike Jonze geschieden und hat aus einer weiteren Ehe zwei Kinder.

Quelle: RP