Erste Show bei "Voice of Germany"

"Aber der Anfang war geil"

Erste Show bei "Voice of Germany": "Aber der Anfang war geil" Erste Show bei "Voice of Germany": "Aber der Anfang war geil" Foto: The Voice of Germany
Von |

Eine 42-Jährige Hauswirtschafterin aus dem Ruhrpott hat in der ersten Ausgabe der Castingshow „Voice of Germany“ die Herzen erobert. Sie ist der Beweis, wie sympathisch das Konzept der Sendung ist: So kann es halt gehen, wenn „nur die Stimme zählt.“ Neun von zwölf Sängern kamen weiter. Die Qualität: beachtlich.

Zweite Staffel "The Voice of Germany": "The Voice" geht in eine neue Runde Zweite Staffel "The Voice of Germany" "The Voice" geht in eine neue Runde Zum Artikel » Da sitzen sie wieder, die sogenannten Coaches. The Voice of Germany ist am Donnerstag in die zweite Staffel eingestiegen. Zwölf Kandidaten stellten sich der Jury vor, neun schafften den Sprung in die nächste Runde, die sogenannten Battles.

Das Konzept altbewährt: Nena, Xavier Naidoo, Rea Garvey sowie Alec Völkel und Sascha Vollmer von Boss Hoss hatten zu entscheiden, wen sie in ihr Team aufnehmen wollten, konnten aber nicht sehen, was für ein Mensch da auf der Bühne stand.

Die wirklich beste Musik-Castingshow

An diesem Donnerstag zeigte sich aufs Neue, warum die Castingshow sich im vergangenen Jahr den Ruf erworben hat, die beste Deutschlands zu sein. Die in Vorab-Castings ausgewählten Künstler auf der Bühne legten ein beachtlich hohes Niveau an den Tag, die fünf Coaches bewerteten glaubhaft und auf Augenhöhe, außerdem beharkten sie sich gegenseitig auf bemerkenswert witzige Weise.

The Voice of Germany: Und plötzlich guckt man wieder Castingshows... The Voice of Germany Und plötzlich guckt man wieder Castingshows... Zum Artikel » Frotzeleien, Ironie, Gelächter - die Chemie stimmt jedenfalls nach wie vor. Beispiel: Wenn die beiden Boss-Hoss-Jungs einen Künstler an Rea Garvey verlieren und dann herummäkeln, dieser Sänger hätte es (an ihrer Seite) weit bringen können, dann lacht auch der Zuschauer vor dem Bildschirm mit.

Die mehr als zweistündige Sendung schlägt einen geschickten Rhythmus an, der den Zuschauer vor der Glotze hält. Die Kandidaten auf der Bühne sind gut gemixt, gelegentlich zeigt ein Einspieler, wie Moderator Thore Schölemann die Bewerber mit der Einladung zum Vorsingen überrascht, ab und zu scheitert einer, obwohl er eigentlich alles Sympathien des Publikums hat, vor und hinter den Kulissen geht es weniger grell als menschlich zu.

Wettbewerb der Coaches

"Men Do What They Can": Ivy Quainoo liefert Titelsong zu "Mann tut was Mann kann" "Men Do What They Can" Ivy Quainoo liefert Titelsong zu "Mann tut was Mann kann" Zum Artikel » Höchst unterhaltsam sind zudem die Auseinandersetzungen der Coaches. Wenn mehrere von ihnen einen Künstler in ihrem Team haben wollen, müssen sie um ihn werben. Dafür gockeln sie, versprechen das Blaue vom Himmel herunter und schwärzen die Konkurrenz in der Jury an. „Willst du gewinnen, kommst du zu uns“, empfehlen Boss Hoss der ersten Bewerberin, Christin Kieu. „Du bist die Stimme, die ich für ein Projekt mit Paul van Dyk suche“, besticht Rea die aus Jamaika stammende Jessica Mears. Dass er dafür Sprüche kriegt, nimmt er gerne in Kauf.

Den mit Abstand größten Unterhaltungswert besitzt an diesem Abend aber fraglos der Auftritt von einer gewissen Frau Brigitte Lorenz aus der schönen Ruhrgebietsstadt Witten. Sie sticht heraus aus dieser Kandidaten-Runde, weil sie so normal und mitten aus dem Leben scheint. Bei all den anderen gutaussehenden Menschen da oben auf der Bühne kommen einem irgendwie Zweifel, ob die Optik denn wirklich keine Rolle spielt, so wie das immer behauptet wird.

Brigitte hingegen ist schon 42, hat einen leichten Silberblick, legt einen bollerigen Gang an den Tag und hat ein echtes Ruhrpott-Mundwerk, so wie beim Bierkutscher aus Dortmund. Kurzum: Sie sieht so ganz und gar nicht nach einer Frau aus, die mal ein Bühnenstar werden könnte. Aber ihre Stimme, die hat es in sich. Sie klingt, als hätte sie seit 300 Jahren den Blues, so rau und schwer, aber auch so sicher. Das tönt beeindruckend, allerdings nicht modern, sondern eher nach einer Stimme aus einer vergangenen Zeit.

Nena aber beißt an. Irgendwie passt das gut zwischen den beiden, schließlich stammt der Jury-Star ja auch aus Hagen, einer NRW-Stadt ganz in der Nähe von Witten. Es beginnen die fröhlichsten Minuten der Show, weil Brigitte das Herz auf der Zunge trägt: „Mächtig verkackt! War nich‘ richtig drin, ne?“, kommentiert sie spontan ihren Auftritt. Und setzt mit „Aber der Anfang war geil!“ eine herrliche Pointe.

Der Dialog zwischen Nena und ihrem Schützling knüpft direkt daran an, Brigitte schickt sich an, die komplette Moderation zu übernehmen.

Brigitte: „Ja, Nena, ich freu mich!“
Nena (lachend): „Woher kommst du denn?
Brigitte: „Ennepeetaaal!“
Gelächter
Brigitte an den Rest der Jury: „Und Ihr fand‘ dat nich so gut, ha?“
Noch mehr Gelächter.
Boss Hoss: „Aber der Anfang war geil!“
Noch mehr Gelächter, Nena kriegt sich überhaupt nicht mehr ein. „Solche Menschen braucht die Welt“, sagt sie. Herrlich.

Freilich ist Brigitte nicht die einzige, die an diesem Abend bleibenden Eindruck hinterlässt. Vor allem Rea hat ein starkes Team um sich geschart. Da ist die erwähnte Frau aus Jamaika, aber vor allem der Brite Nick Howard und die toughe Berlinerin Jenna Hoff. Bei beiden war die gesamte Jury begeistert, bei beiden bekam Rea den Zuschlag.

Kleine Rohdiamanten

Nick (30), schon durch eine eigene kleine Tour in Deutschland bekannt, kann singen, dass die Sonne aufgeht. Schon während seines Auftritts gibt es jubelnde Zwischenrufe aus der Jury, anschließend Standing Ovations. So lieb wie er auch noch aussieht hat er tatsächlich das Zeug, einmal ein neuer Typ zu werden, der Herzen erweichen kann. Wer war noch mal James Blunt?

Ganz sicher und ungeheuer präsent auf der Bühne erntete die erst 19-Jährige Jenna fast ebenso viel Anerkennung. Sie ist ein ganz anderer Typ, trägt rote Haare, Tattoos und meterhohe Absätze. Dazu kann sie aus ihrer Kehle eine fetten Soulsound herauszaubern. Vor allem aber ist es ihr Abgang, der Ihr bei vielen Sympathien einbringt. Xavier Naidoo verschlug sie mit ihrer frechen Art die Sprache. Jenna hatte ihn ignoriert und gar nicht erst nach seiner Meinung gefragt.

Jeder hätte diese beiden gerne in seinem Team gehabt. Nena muss sich nun mit Brigitte und dem 18-jährigen Neo aus der Schweiz, einem zarten Stimmweichspüler, begnügen. Auch ihn wollten gerne alle coachen. Boss Hoss werden mit der fröhlichen Christin Kieu (sang „Je veux“ von Zaz) und der noch fröhlicheren Rockröhre Tiffany Kirkland zusammenarbeiten. Auch der aus Portugal stammende und ziemlich countryhaft nöhlende James Borges schaffte den Sprung in ihr Team.

Xavier Naidoo schien in dem Hamburger Jesper Jürgens hingegen einen Seelenverwandten getroffen zu haben, der sich als großer Fan Naidoos outete. Der wusste das zwar nicht, entschied sich aber bereits nach der ersten Liedzeile für ihn. „Eine der eindrucksvollsten Stimmen, die ich hier je gehört habe“, so Naidoo.

Quelle: RPO