Erster Film aus Saudi-Arabien

Verzaubernd, ehrlich und mutig: "Das Mädchen Wadjda"

Erster Film aus Saudi-Arabien: Verzaubernd, ehrlich und mutig: "Das Mädchen Wadjda" Erster Film aus Saudi-Arabien: Verzaubernd, ehrlich und mutig: "Das Mädchen Wadjda" Foto: 2012 Razor Film Produktion GmbH, High Look Group, Rotana Studios
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Seien wir ehrlich – viele Bilder aus Saudi-Arabien haben wir nicht im Kopf. Das alltägliche Leben der Menschen des Landes ist unserer Vorstellung überlassen. Viel blieb uns bisher aber auch nicht übrig – denn erst jetzt läuft der allererste Spielfilm aus Saudi-Arabien an. "Das Mädchen Wadjda" wurde erstaunlicherweise von einer Frau gedreht – wir sind schon jetzt völlig verzaubert von den Aufnahmen und der ausdrucksstarken jungen Hauptdarstellerin. Kinostart ist am 5. September.

Ein Fakt, der Frauen in westlichen Ländern so unendlich ungerecht und fern vorkommt, aber dennoch der Wahrheit entspricht: Frauen gelten in Saudi-Arabien als Menschen zweiter Klasse. Kein Konto können sie alleine eröffnen, kein Krankenhaus ohne ihren Mann aufsuchen und erst recht keine Reise oder Arbeitsstelle antreten ohne vorher die Genehmigung eines männlichen Familienmitglieds einzuholen. Erst langsam beginnen sich die strengen Regeln hier und da zu lockern, die Schulbildung verbessert sich und – ganz wichtig – das Selbstbewusstsein einiger weniger Frauen beginnt zu wachsen.

Worum geht's in "Das Mädchen Wadjda"?

Die 10-jährige Wadjda (gesprochen: Wotschda) verkörpert genau diesen Typ Frau, der das Leben aller Frauen in der saudi-arabischen Welt auf lange Sicht verbessern kann. Sie hat Ehrgeiz, Mut und vor allem Träume. Gemeinsam mit ihren Eltern lebt sie in Riad – ihre Mutter jedoch hat kaum Zeit für sie. Schließlich ist sie viel beschäftigt damit, ihrem Mann die perfekte Ehefrau zu sein. Denn dieser, so vermutet sie, wird sich schon bald eine zweite Frau "zulegen“, die ihm den lang ersehnten Sohn schenken soll.

Gut für die mutige Wadjda, denn so hat sie mehr Zeit, um sich ihrem Traum zu widmen: Sie möchte ein eigenes Fahrrad. Ihr Wunschmodell hat sie bereits beim Spielzeugladen um die Ecke reserviert. Fehlt nur noch das nötige Kleingeld. So verkauft sie Armbänder in der Schule, verdient sich als Botengängerin von Liebesbotschaften etwas dazu – wird aber leider schnell erwischt. Es hagelt mächtig Ärger von Schule und Familie, doch sie lässt sich nicht unterkriegen und schmiedet sofort neue Pläne. Urplötzlich scheint sie fromm geworden zu sein – was jedoch viel mehr daran liegt, dass bei einem Koranrezitationswettbewerb ein dickes Preisgeld winkt.

Die wenigen Minuten des Trailers verraten schon jetzt, was diesen ersten Film aus Saudi-Arabien so besonders macht: Die intelligenten Gedanken und mutigen Sprüche der kleinen Wadjda, eine zauberhafte Hauptdarstellerin und ganz viele berührende Bilder aus einer fremden Welt.

Die Regisseurin Haifaa Al Mansour

wadjda (image/jpeg) Haifaa Al Mansour: "Es war ein langer Prozess – rund fünf Jahre habe ich an dem Film gearbeitet." Haifaa Al Mansour ist die erste Filmemacherin Saudi-Arabiens. Sie schloss die amerikanische Universität in Kairo mit einem Bachelor in Literatur ab und machte im Anschluss ihren Master in Regie und Filmwissenschaft in Sydney. Nach fünf Jahren Kampf ist sie überglücklich, es geschafft zu haben: „Ich bin sehr stolz darauf, den ersten Spielfilm gedreht zu haben, der komplett in Saudi-Arabien realisiert wurde. Ich stamme aus einer kleinen Stadt, in der viele Mädchen wie Wadjda leben, Mädchen die große Träume haben, einen starken Charakter und viel Potential besitzen. Diese Mädchen können – und werden – unsere Gesellschaft umbauen und neu definieren." Ihre Regieanweisungen musste sie allerdings von einem kleinen Aufnahmebüro aus geben - Frauen und Männer dürfen in Saudi-Arabien nicht in der Öffentlichkeit zusammen arbeiten. Vielleicht ja nicht mehr ewig lange.